Hitzewellen in Europa 2020er Jahre: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Die Juni-Hitzewelle 2026 ===
=== Die Juni-Hitzewelle 2026 ===
==== Temperaturen und Wetterlage ====
==== Temperaturen und Wetterlage ====
Nach der Hitzewelle im Mai war Europa in der zweiten Juni-Hälfte 2026 mit einer zweiten, noch stärkeren Hitzewelle konfrontiert. Der Deutsche Wetterdienst stufte die Hitzewelle als „als historisch“ ein, da es nie zuvor eine solch lange und intensive Hitzewelle mit „Spitzenwerten ungekannten Ausmaßes“ so früh im Sommer gegeben habe.<ref name="DWD 2026a">Deutscher Wetterdienst (2026): [https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/6/28.html Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz]</ref>  Der Juni ist in Westeuropa normalerweise nicht der heißeste Monat des Jahres. In Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Süd-England lagen die Temperaturen jedoch um 5-12 °C über dem saisonalen Mittel. Von 854 untersuchten Städten in der EU zeigte fast die Hälfte Rekordtemperaturen.<ref name="WWA 2026">World Weather Attribution (2026): [https://www.worldweatherattribution.org/fossil-fuel-emissions-have-rapidly-worsened-european-heatwaves-in-just-a-few-decades/ Fossil fuel emissions have rapidly worsened European heatwaves in just a few decades]</ref>   
Nach der Hitzewelle im Mai war Europa in der zweiten Juni-Hälfte 2026 mit einer zweiten, noch stärkeren Hitzewelle konfrontiert. Der Deutsche Wetterdienst stufte die Hitzewelle „als historisch“ ein, da es nie zuvor eine solch lange und intensive Hitzewelle mit „Spitzenwerten ungekannten Ausmaßes“ so früh im Sommer gegeben habe.<ref name="DWD 2026a">Deutscher Wetterdienst (2026): [https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/6/28.html Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz]</ref>  Der Juni ist in Westeuropa normalerweise nicht der heißeste Monat des Jahres. In Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Süd-England lagen die Temperaturen jedoch um 5-12 °C über dem saisonalen Mittel. Von 854 untersuchten Städten in der EU zeigte fast die Hälfte Rekordtemperaturen.<ref name="WWA 2026">World Weather Attribution (2026): [https://www.worldweatherattribution.org/fossil-fuel-emissions-have-rapidly-worsened-european-heatwaves-in-just-a-few-decades/ Fossil fuel emissions have rapidly worsened European heatwaves in just a few decades]</ref>   
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Version vom 7. Juli 2026, 11:21 Uhr

Abb. 1: Änderung der sommerlichen Tageshöchsttemperaturen (blau) und der Anzahl der Hitzewellentage (rot) 1950-2022

Hitzewellen 2022

Bereits im Juni 2022 erfasste eine starke Hitzewelle die Länder im Südwesten Europas. In Portugal wurden laut Deutschem Wetterdienst[1] über 42 °C gemessen, in Spanien 44,5 °C und in Biarritz an der südfranzösischen Atlantikküste Frankreichs 42,9 °C. Das sind auch für Südeuropa so früh im Jahr Temperaturen, die deutlich über dem Durchschnitt liegen. Der Deutsche Wetterdienst stuft die Hitzewelle im Juni als die zweitgrößte nach 2003 für Südwesteuropa ein. Verbunden war die Hitzewelle in den betroffenen Staaten mit zahlreichen und ausgedehnten Waldbränden. Mitte Juli hatte sich das Gebiet extrem hoher Temperaturen Richtung Großbritannien und Mitteleuropa ausgedehnt.

Abb. 2: Anzahl der Tage mit sehr starkem Hitzestress (38-46 °C) im Sommer 2022

Die Hitzewelle in Großbritannien stand im Zusammenhang mit der räumlich umfangreicheren und länger anhaltenden Hitzewelle auf dem europäischen Kontinent, die im Juli zu Spitzentemperaturen von über 40 °C in Frankreich, 45 °C in Spanien und 47 °C in Portugal geführt hat. Der frühere Rekord in Großbritannien vom Juli 2019 lag bei 38,7 °C. Er wurde im Juli 2022 von 46 Messstationen gebrochen, wobei sieben Stationen Werte von 40 °C und mehr aufwiesen. Für den Zeitraum 1991-2020 lagen die mittleren maximalen Temperaturen für den Monat Juli bei 21-22 °C. Sie wurden im Juli 2022 an zahlreichen Messstationen Großbritanniens um 14-18 °C übertroffen.[2] Am 19. Juli 2022 wurde in Corningsby, Lincolnshire, mit 40,3 °C ein neuer Hitzerekord für England aufgestellt, der von der britischen Wetterbehörde Met Office als Meilenstein in der Klimageschichte des Landes eingestuft wurde. Mit 25,8 °C gab es im Raum London auch einen neuen landesweiten Rekord der nächtlichen Minimum-Temperaturen. In dem wesentlich weiter nördlich liegenden Schottland stiegen die Tages-Höchsttemperaturen ebenfalls auf einen neuen Spitzenwert von 35 °C.[3] Nach Einschätzung der World Weather Attribution (WWA) Initiative wären die Hitzetage in England ohne den Klimawandel ein Ereignis, das höchstens einmal in 1000 Jahren vorgekommen wäre, und die hohen Temperaturen wären um 4 °C kühler als 2022 gewesen. Unter den heutigen Klimabedingungen sind sie "nur" noch ein Jahrhundertereignis.[4]

Im Juli 2022 kam die Hitzewelle auch in Deutschland an. Am 20 Juli 2022 wurden in mehreren Bundesländern bisher nie gemessene Rekordtemperaturen registriert, mit über 40 °C in Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und mit über 39 °C in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In Hamburg wurde der bisherige Rekord sogar um 3 Grad übertroffen und mit 40.1 °C ein neuer Rekord für Europa (ohne Russland) nördlich des 53. Breitengrades aufgestellt.[5] Der Deutsche Wetterdienst stufte den Sommer 2022 als den viertwärmsten Sommer seit Beginn der Messungen ein, wobei an erster Stelle immer noch der Sommer 2003 steht. Der Temperaturdurchschnitt lag im Sommer 2022 bei 19,2 °C (2003 bei 19,6 °C) und damit um 1,6 °C über dem Mittel von 1991-2020. Einen Rekord stellte der Sommer 2022 bei der Sonnenscheindauer mit 820 Stunden auf, gegenüber dem Mittel von 614 Stunden in der Periode 1961-1990.[6]

Hitzewellen 2023

Abb. 3: Abweichung der maximalen Tagestemperatur am 26.-28.4.2023 im Vergleich zum Mittel 1991-2020

Die Frühjahrshitzewelle im westlichen Mittelmeerraum

Im westlichen Mittelmeerraum herrschte 2023 schon im April sowohl auf dem europäischen wie auf dem afrikanischen Kontinent eine außergewöhnliche Hitzewelle (Abb. 3). In Spanien wurden fast 39 °C, in Portugal fast 37 °C und in Marokko und Algerien über 41 °C bzw. über 40 °C gemessen. Die Temperaturen lagen damit um bis zu 20 °C über den normalen Temperaturen zu dieser Jahreszeit und um bis zu 6 °C höher als frühere Rekordtemperaturen für April. Obwohl der Mittelmeerraum in den letzten Jahren zahlreiche Hitzewellen erlebt hat, war diese Hitzewelle aufgrund ihres jahreszeitlich so frühen Auftretens auch in dem gegenwärtigen warmen Klima ein seltenes Ereignis. Unter den aktuellen klimatischen Bedingungen wurde die Wiederkehrperiode der April-Hitze im westlichen Mittelmeerraum auf 400 Jahre geschätzt.[7]

Die extremen Temperaturen verstärkten die Auswirkungen einer mehrjährigen Dürre auf die Landwirtschaft und das menschliche Wohlbefinden und folgten auf die Hitzewellen von 2022, die 4000 Tote in Spanien und 1000 Tote in Portugal gefordert hatte.[8] So frühe Hitzewellen und Dürren im Jahresverlauf sind besonders kritisch, weil sie beim Getreideanbau die Phase der Kornfüllung behindern und die Bevölkerung sich noch nicht an hohe Temperaturen akklimatisiert hat. Auch die regionalen Hitzeaktionspläne waren wie z.B. in Madrid nicht auf so frühe Rekordtemperaturen vorbereitet. Die Kombination von sehr hohen Temperauren und extremer Trockenheit wirkte sich besonders kritisch für die Landwirtschaft und die Wasserversorgung aus. In Spanien waren 60% der landwirtschaftlichen Fläche von der Dürre betroffen und die Wasserreservoire waren nur bis zu 50% gefüllt.[7]

Die mediterrane Hitzewelle im Sommer 2023

Auch im Sommer 2023 blieb der Mittelmeerraum nicht von Temperaturextremen verschont. In der zweiten Julihälfte ereignete sich eine intensive Hitzewelle nahezu rund um das gesamte Mittelmeer. Die Höchsttemperaturen lagen in etlichen europäischen Anrainerstaaten über 40 °C. Der bisherige Europa-Rekord von 48,8 °C aus dem Jahr 2021 auf Sizilien wurde dieses Mal auf Sardinien mit 48,2 °C fast erreicht. Auf Sizilien selbst wurden an mehreren Stationen Temperaturen von 47 °C und mehr gemessen. In Spanien kam es zur Überschreitung der 45-Grad-Marke. In Nordafrika gab es in Algerien und Tunesien Tageshöchsttemperaturen von mehr als 49 °C. Eine Besonderheit waren hohen Meeresoberflächentemperaturen, die über das gesamte Mittelmeer bei durchschnittlich bei 28,7 °C lagen und an der Ostküste von Korsika 30 °C erreichten und vom Deutschen Wetterdienst als „Marine Hitzewelle“ eingestuft wurden. Durch die hohen Wassertemperaturen blieb vielfach die kühlende Wirkung für die küstennahen Gebiete aus.[9] Auch die marine Hitzewelle im östlichen Nordatlantik spielte eine Rolle, da dadurch der Transport kühler Atlantikluftmassen in den Mittelmeerraum weitgehend ausfiel.[10]

Neben dem warmen Mittelmeer spielte die Wetterlage in der zweiten Julihälfte 2023 eine Rolle für die Entstehung der Hitzewelle. Wichtig für die hohen Temperaturen im Juli war primär das Hochdruckgebiet über Südeuropa. Die Folge war eine reduzierte Bewölkung und hohe Sonneneinstrahlung, durch die die Erdoberfläche aufgeheizt wurde, die wiederum die darüber liegenden Luftschichten erwärmte. Das Eindringen von warmer Luft aus Nordafrika war in diesem Fall weniger wichtig.[10] Wie langfrisitge Daten zeigen, ist jedoch für die Intensität der Hitzewellen im Mittelmeerraum und die immer neuen Temerpaturrekorde die globale Erwärmung der entscheidende Faktor. Die das Mittelmeer säumenden Landstriche sind bekannt als die sich im Sommer am schnellsten erwärmenden Gebiete der Welt. Zwischen 1979 und 2023 lag die Erwärmungsrate für Juli bei 0,54 °C pro Jahrzehnt und damit dreimal so hoch wie im globalen Mittel für Juli. Der Juli 2023 war mit einer Mitteltemperatur von 25,6 °C der wärmste aller Juli-Monate.[11]

Hohe Temperaturen 2024

Die Sommertemperaturen 2024 in Europa waren noch höher als im bisherigen Rekordjahr 2022 und lagen um 1,54 °C über dem Mittel von 1991-2020. Besonders hohe Temperaturen erlebte Südosteuropa. In vielen Regionen kam es zu starken Hitzewellen, so in Italien und in Südosteuropa mit Temperaturen bis 40 °C und mehr. Spanien, Italien und der südöstliche Mittelmeerraum litten zusätzlich unter tropischen Nächten. Die Menschen erlebten in vielen Regionen und über zwei Monate starken Hitzestress mit gefühlten Temperaturen von 32 °C und mehr. Das war an doppelt so viel Tagen wie normalerweise der Fall. Ein wichtiger Grund vor allem für die hohen Nachttemperaturen waren die ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen, die z.B. am 15 August über das ganze Mittelmeer gemittelt 28,5 °C betrugen.[12]

Frühe Hitzewellen in Europa 2025

Abb. 4: Die Grafik zeigt, wie stark die Temperaturen vom 17. Juni bis 2. Juli 2025 vom Durchschnitt abgewichen sind. Die Extremwerte "am kühlsten" und "am wärmsten" sind dabei mit dem Mittel derselben Tagen im Zeitraum 1979-2024 verglichen, die übrigen Werte mit 1991-2020.

Der Sommer 2025 hatte kaum begonnen, schon breiteten sich in Süd- und Westeuropa kurz hintereinander zwei Hitzewellen aus, mit Maximum-Temperaturen von 46 °C in Spanien und 48 °C in Portugal, mit Waldbränden in Griechenland und Thüringen und anderswo. In Frankreich musste ein Kernkraftwerk abgeschaltet und Schulen geschlossen werden, auf Kreta mussten viele Menschen ihre Häuser verlassen.[13]

Die erste Hitzewelle hatte ihren Höhepunkt zwischen dem 17. und 22. Juni, die zweite ereignete sich vom 30. Juni bis zum 2. Juli. Beide Hitzewellen waren mit einem ausgedehnten Hochdruckgebiet verbunden, das von Spanien über Frankreich und den Süden Großbritanniens bis nach Deutschland reichte. Über ein großes Gebiet bildete sich eine sogenannte Hitzeglocke, die heiße Luft einschloss und durch die bei klarem Wetter die stark strahlende Sonne die unteren Luftschichten erwärmte.[14] Zusätzlich strömte heiße Luft aus Nordafrika nach Südeuropa.[15] Für den Monat Juni wurden an vielen Orten Rekordtemperaturen gemessen. Auch über ganz Westeuropa (s. Abb. 4) gemittelt wurde am 30. Juni mit fast 25 °C die bisher wärmste Tagestemperatur erreicht.[14]

Hohe Meerestemperaturen

Zur Intensität der Hitzewelle trug wesentlich das außergewöhnlich warme westliche Mittelmeer bei . Die Meeresoberflächentemperaturen überstiegen im Golf du Lion und im Ligurischen Meer 28 °C und lagen damit um 5 °C höher als üblich. Der Durchschnitt über das ganze westliche Mittelmeer lag um fast 4 °C über dem langjährigen Mittel und war damit wärmer als je zuvor gemessen. Eine solche marine Hitzewelle verhindert die nächtliche Abkühlung auch in den küstennahen Landgebieten und verstärkt erheblich den Hitzestress für Anwohner und Urlauber.[14]

Gründe für die frühe Hitzewelle

Die Hitzewellen Ende Juni und Anfang Juli sind umso bemerkenswerter, als das Jahr 2025 bis zum Frühsommer weder global noch in Europa besonders extrem warm war. Global ist der Juni 2025 der drittwärmste Juni nach den Juni-Monaten 2024 und 2023. In Europa nimmt der Juni 2025 nur den fünften Rang ein, nach 2019, 2022, 2024 und 2021. Allerdings war der Juni 2025 in einigen der von der Hitzewelle besonders betroffenen Ländern der zweitwärmste (Frankreich) oder sogar der wärmste Monat (Spanien, England).[14]

Dass dennoch bereits sehr früh im Jahr in Westeuropa intensive Hitzewellen entstanden, dürfte auf andere Gründe als die globalen oder europäischen Monatstemperaturen zurückzuführen sein. Eine Rolle spielten sicher die bereits erwähnten Rekordtemperaturen der Meeresoberfläche im westlichen Mittelmeer. Ein weiterer Faktor waren die trockenen Verhältnisse vor den sommerlichen Hitzewellen in West- und Südeuropa. Dadurch trockneten Böden und Pflanzen aus, so dass es kaum zur Verdunstung während der heißen Tage kam, die etwas Abkühlung bewirkt hätte. Und ein dritter Faktor dürfte die extrem niedrige Ausdehnung des arktischen Meereises gewesen sein, die Wetterlagen mit stabilen Hochdruckzellen begünstigt.[14]

Mehr Tote durch den Klimawandel

Nach Schätzung einer Studie des Grantham Instituts, London, forderte die Hitzewellen im Juni/Juli 2025 in 12 untersuchen europäischen Städten 2300 Tote. Berechnungen der Untersuchung zeigen, dass 1500 bzw. 65% davon darauf zurückzuführen sind, dass der Klimawandel die Hitzewellen wesentlich verstärkt hat. Die Gesamtzahl der Toten wurde danach durch die globale Erwärmung nahezu verdreifacht. In Mailand waren 317 der Todesfälle durch den Klimawandel bedingt, in Barcelona 286, in Paris 236 und in Frankfurt a.M. 21 Tote.[15]

Die Todeszahlen sind vorläufige Schätzungen. Die genauere Anzahl der Toten lässt sich erst nach aufwendigen Untersuchungen feststellen. So lagen die Anzahl der Todesopfer nach Studien, die erst viele Jahre später erschienen sind, bei der extremen Hitzewelle 2003 in Europa bei rund 70.000.[16] Der Sommer 2022 hatte 61.000 Opfer zur Folge[17] und 2023 waren es 47.000.[18] In den letzten drei Jahren sind die Todeszahlen eher zurückgegangen, obwohl die Sommer immer wärmer wurden. Das liegt daran, dass inzwischen besonders ältere Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen besser vor Hitze geschützt werden.[18]

Frühe Hitzewellen 2026

Die Hitzewelle im Mai 2026

Das Jahr 2026 scheint zu Beginn der warmen Jahreszeit das vorangegangene Jahr fast zu wiederholen. Wieder gab es noch vor dem Ende der ersten Jahreshälfte zwei starke Hitzewellen. 2026 erlebte Westeuropa allerdings eine außergewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle bereits in der zweiten Maihälfte. Betroffen waren vor allem Portugal, Spanien, der Westen Frankreichs und das südliche England. Die mittleren Tagestemperaturen lagen teilweise 10 °C über dem Durchschnitt. Die gefühlte Temperatur, die auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung berücksichtigt, erreichte in weiten Teilen Westeuropas Werte zwischen 35 und 40 °C.[19]

Die Wetterlage war durch ein stationäres Hochdruckgebiet über Westeuropa bestimmt, mit starker Einstrahlung und schwachen Winden. An der Westflanke des Hochs wurde zudem heiße Luft aus Marokko nach Norden transportiert, wodurch besonders die am Atlantik gelegenen Regionen ungewöhnlich hohen Temperaturen aufwiesen. Eine Rolle spielten außerdem die hohen Meeresoberflächentemperaturen im westlichen Mittelmeer, im Golf von Biskaya und um Großbritannien.[19]

Die Juni-Hitzewelle 2026

Temperaturen und Wetterlage

Nach der Hitzewelle im Mai war Europa in der zweiten Juni-Hälfte 2026 mit einer zweiten, noch stärkeren Hitzewelle konfrontiert. Der Deutsche Wetterdienst stufte die Hitzewelle „als historisch“ ein, da es nie zuvor eine solch lange und intensive Hitzewelle mit „Spitzenwerten ungekannten Ausmaßes“ so früh im Sommer gegeben habe.[20] Der Juni ist in Westeuropa normalerweise nicht der heißeste Monat des Jahres. In Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Süd-England lagen die Temperaturen jedoch um 5-12 °C über dem saisonalen Mittel. Von 854 untersuchten Städten in der EU zeigte fast die Hälfte Rekordtemperaturen.[21]

Abb. 5: Maximum-Temperatur vom 21.-27. Juni 2026 in Europa
Abb. 6: Vorhersage der Maximumtemperaturen für den 27. Juni 2026 in Deutschland mit dem Modell ICON.
Abb. 7: Waldbrandgefahrenindex für den 28.6.2026

In Deutschland wurde ein landesweiter Jahresrekord mit 41,7 °C in Brandenburg aufgestellt[22] und an insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die Temperaturmarke von 40 °C erreicht oder übertroffen, so z.B. in Frankfurt a.M., Cottbus, Potsdam, Darmstadt, Magdeburg, Leipzig, Mannheim. An 252 Wetterstationen wurde ein neuer Allzeithöchstwert gemessen.[20] Auch Frankreich erlebte mit 44,3 °C einen neuen Hitzerekord.[23] Tropische Nächte gab es mit ungewöhnlich hohen Temperaturen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, in beiden Ländern mit Höchstwerten von fast 30 °C.[21][22] In Deutschland wurde mit 29,4 Grad in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni in Sachsen (Kr. Bautzen) ein neuer Minimum-Rekord aufgestellt.[24]

Abb. 8: Omega-Lage während der Hitzewelle Ende Juni 2026

Die Wetterlage Ende Juni 2026 zeichnete sich durch eine Omega-Wetterlage aus (Abb. 8). Dabei erstreckt sich ein stabiles Hochdruckgebiet nach Norden und wird von zwei Tiefdruckgebieten flankiert. Die dadurch entstehende Höhenströmung gleicht dem griechischen Buchstaben Omega (Ω). Solche Wetterlagen sind oft mit einer blockierenden atmosphärischen Zirkulation verbunden und können sich über mehrere Tage oder sogar Wochen halten. Über West- und Mitteleuropa lenken sie heiße Luft aus Nordafrika nach Norden.[20][22]

Die Rolle des Klimawandels

Die Hitzewelle im Juni 2026 besaß eine Wiederkehrperiode von etwa 100 Jahren. Vor 50 Jahren wäre ein solch heißes und weiträumiges Hitzeereignis praktisch unmöglich gewesen. Selbst im Vergleich zu 2003, als sich die erste große Hitzewelle in Europa in diesem Jahrhundert ereignete, war die Hitzewelle 2026 10mal wahrscheinlicher geworden. Besonders die Tageshöchsttemperaturen sind stark angestiegen. Eine ähnliche Hitzewelle wie im Juni 2026 wäre in den 1970er Jahre um 3,5 °C und 2003 um 2 °C kühler ausgefallen. Der Grund für diese Veränderung ist die globale Erwärmung durch die Emission von durch den Menschen verursachten Treibhausgasen. Durch den menschengemachten Klimawandels ist die europäische Hitzewelle vom Juni 2026 deutlich wahrscheinlicher und intensiver geworden.[21]

Folgen

Hitzewellen verursachen in Europa mehr Tote als alle anderen Naturkatastrophen zusammen.[21] Die hohe Anzahl an Todesfällen liegt an dem starken allgemeinen Temperaturanstieg, aber auch an der alternden Bevölkerung und anderen Faktoren. Die Mega-Hitzewelle 2003 in West- und Mitteleuropa forderte über 70.000 Opfer, durch die Hitzewelle 2010 in Russland kamen nach Schätzungen 55.000 Menschen ums Leben. 2022 fielen der damaligen Hitzewelle 22.000 Menschen zum Opfer, im folgenden Sommer waren es 47.000.

Die Hitzerisiken konzentrieren sich auf die Städte, da hier die städtische Wärmeinsel verstärkend wirkt. Die Hitzebelastung kann dabei in verschiedenen Stadtvierteln durch Wohnverhältnisse, Grünflächen und Arbeitsbedingungen unterschiedlich sein. So konzentriert sich der städtische Wärmeinsel-Effekt (UHI) in Städten wie Kopenhagen, Berlin, London und Paris besonders in einkommensschwächeren Vierteln. Europaweit wird die städtische Hitzebelastung zudem durch ältere Gebäude- und Infrastrukturanlagen verschärft, die nicht für anhaltende extreme Hitze ausgelegt sind. Historisch gesehen wurden die Gebäude so gebaut, dass sie Wärme speichern, anstatt sie abzugeben.[21]

Abb. 9: Städtische Wärmeinsel

Ein weiterer Grund für die hohe Anfälligkeit gegenüber hohen Temperaturen in Europa sind soziale Faktoren. Der Anteil älterer Menschen liegt relativ hoch; rund jeder Fünfte ist älter als 65 Jahre. Ältere Menschen leiden oft an chronischen Herz-Kreislauf-, Diabetes-, Atemwegs- oder Nierenerkrankungen und sind häufig Bewohner von Pflegeeinrichtungen, in denen der Schutz vor Hitzebelastungen trotz zunehmender Verbesserungen oft nur wenig entwickelt ist. Hinzu kommt, dass sich in Städten Wohnungslose sowie Menschen, die in Wohnungen mit schlechter Bausubstanz leben, konzentrieren, die ebenfalls einem erhöhten Risiko für hitzebedingte Erkrankungen und Sterblichkeit ausgesetzt sind.[21]

Einzelnachweise

  1. Imbery, F., et al., DWD (2022): Intensive Hitzewelle im Juni 2022 in Deutschland und Mitteleuropa
  2. Kendon, M., Met Office (2022): Unprecedented extreme heatwave, July 2022
  3. Met Office (2022): A milestone in UK climate history
  4. World Weather Attribution (2022): Without human-caused climate change temperatures of 40°C in the UK would have been extremely unlikely
  5. Leyser, A., DWD (2022): Hitzewelle endet historisch
  6. DWD (2022): Deutschlandwetter im Sommer 2022, Pressemitteilung
  7. 7,0 7,1 Philip, S., S. Kew1, R. Vautard et al. (2023): Extreme April heat in Spain, Portugal, Morocco & Algeria almost impossible without climate change
  8. Kluge, H.P. (2022): Statement – Climate change is already killing us, but strong action now can prevent more deaths
  9. Bissolli, P., S. Haeseler, J. Daßler u.a., DWD (2023): Erster Rückblick auf die Hitzewelle im Mittelmeerraum im Juli 2023 mit Waldbränden und Rekord Hagel in Nordost-Italien
  10. 10,0 10,1 Copernicus Climate Change (2023): The European Heatwave of July 2023 in a longer-term context
  11. Copernicus Climate Change (2023): Surface air temperature for July 2023
  12. Copernicus (2024): C3S seasonal lookback: summer 2024
  13. Wikipedia (2025): Dürre und Hitze in Europa 2025
  14. 14,0 14,1 14,2 14,3 14,4 Copernicus Climate Change Service (2025): Heatwaves contribute to the warmest June on record in western Europe
  15. 15,0 15,1 Clarke, B., et al. (2025): Climate change tripled heat-related deaths in early summer European heatwave. Grantham Institute report
  16. Robine, J.-M., et al. (2008): Death toll exceeded 70,000 in Europe during the summer of 2003, C. R. Biologies 331, 171–178
  17. Ballester, J., M. Quijal-Zamorano, R.F. Méndez Turrubiates et al. (2023): Heat-related mortality in Europe during the summer of 2022. Nat Med 29, 1857–1866
  18. 18,0 18,1 Gallo, E., M. Quijal-Zamorano, R.F. Méndez Turrubiates et al. (2024): Heat-related mortality in Europe during 2023 and the role of adaptation in protecting health. Nat Med 30, 3101–3105
  19. 19,0 19,1 Copernicus Climate Change Service (2026): What do we know about Europe's early and intense heatwave in May 2026?
  20. 20,0 20,1 20,2 Deutscher Wetterdienst (2026): Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz
  21. 21,0 21,1 21,2 21,3 21,4 21,5 World Weather Attribution (2026): Fossil fuel emissions have rapidly worsened European heatwaves in just a few decades
  22. 22,0 22,1 22,2 DWD (2026): Deutschlandwetter im Juni 2026, https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2026/20260629_deutschlandwetter_juni_news.html
  23. Nature (2026): Europe’s record heatwave: does the continent have a new climate?
  24. DWD (2026): Deutschlandwetter im Juni 2026

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