Klimaänderungen in Europa

Aus Klimawandel
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Abb. 1: Bodennahe Jahresmitteltemperatur in Europa für die Zeit 1961 bis 1990 in °C

Das europäische Klima reicht von den Subtropen im Süden über das gemäßigte Klima in der Mitte bis zum borealen und Tundrenklima im Norden (Abb. 1). Es steht im Westen unter starkem Einfluss des Atlantischen Ozeans und wird nach Osten zunehmend kontinentaler. Der Nordatlantikstrom sorgt, als Fortsetzung des Golfstroms, vor allem im Winter bis weit in den hohen Norden hinein für ein sehr mildes Klima. Vom Mittelmeer bis nach Skandinavien bestimmt die Nordatlantische Oszillation die klimatischen Schwankungen. Ein weiteres wichtiges Klimaphänomen sind blockierende Wetterlagen.

Inhaltsverzeichnis

1 Veränderung der Temperatur

Abb. 2: Änderung der Temperatur in Mitteleuropa 1000-2006 im Vergleich zum Gesamtzeitraum

Ein Rückblick der Temperaturentwicklung in Mitteleuropa bis in das Mittelalter zeigt grob gesehen drei Klimaepochen, die mit der Entwicklung auf der gesamten Nordhalbkugel übereinstimmen :

  1. die Mittelalterliche Warmzeit,
  2. die Kleine Eiszeit,
  3. die Warmphase der letzten ca. 100 Jahre.

Von 1000 bis ungefähr 1300 nimmt die Temperatur bei starken Schwankungen von Jahr zu Jahr kontinuierlich zu. Danach zeigt sich von ca. 1400 bis 1900 eine relativ kühle Phase, mit besonders niedrigen Temperaturen im 16. und 17. Jahrhundert, die sog. Kleine Eiszeit. Ab 1900 nehmen die Temperaturen ungewöhnlich stark zu und liegen in den letzten 30 Jahren deutlich über den höchsten Temperaturen der mittelalterlichen Warmzeit (Abb. 2).

Abb. 3: Mittlere Temperaturveränderung in Europa und global 1850-2007 als Abweichung vom Mittel des Gesamtzeitraumes

Die Temperaturzunahme im 20. Jahrhundert und bis 2007 war in Europa mit 1 °C gegenüber dem Mittel von 1850 bis 1899 etwas höher als im globalen Durchschnitt mit 0,8 °C (Abb. 3). Die Erwärmung über den Landflächen war dabei mit 1,2 °C (global 1 °C) stärker als über den Meeren.[1]

Betrachtet man die besonders starke Erwärmung der letzten 30 Jahre (1976-2006) im Hinblick auf die Sommer- und Winterentwicklung, so fällt ein Trend auf, wie er ähnlich auch für die nächsten 100 Jahre projiziert wird: Im Winter findet sich die stärkste Erwärmung in Skandinavien, im Sommer im Mittelmeerraum. Für die ungewöhnlich starke Erwärmung im Norden spielt der Eis-/Schnee-Albedo-Effekt die entscheidende Rolle: Der Rückgang von Schnee- und Eisflächen führt zu einer höheren Strahlungsabsorption. Die sommerliche Erwärmung im Mittelmeerraum ist primär durch die Niederschlagsdefizite und ausgetrockneten Böden bedingt, die die Evapotranspiration und damit deren Abkühlungseffekt stark einschränken.

2 Änderungen des Niederschlags

Allgemein haben die Niederschläge in Europa im 20. Jahrhundert um 6-8 % zugenommen. Regional zeigt sich dabei eine deutliche Zweiteilung. Die Zunahme findet sich hauptsächlich mit 10-40 % in Nordeuropa, während sie im Mittelmeerraum und in Teilen Südosteuropas um bis zu 20 % abgenommen haben.[2] Die Trends bei drei Stationen in Norwegen (Barkestad), Deutschland (Frankfurt) und Italien (Mailand) sind exemplarisch für die jeweilige Region: In Norwegen nehmen die Niederschläge deutlich zu, in Deutschland zeigt sich keine auffälliger Trend, und in Italien findet sich eine Abnahme der Niederschläge. Dabei sind die Niederschläge in Nord- und Westeuropa zwischen 1951 und 2000 mit 20-40 % vor allem im Winter angestiegen. In Südeuropa nahmen die Niederschläge sowohl im Sommer wie im Winter um 20 % und mehr ab, im östlichen Spanien und südlichen Italien sogar über 40 %. Deutliche Niederschlagsabnahmen finden sich im Sommer aber auch in Mitteleuropa.[3]

3 Verschiebung der Klimazonen

Die Veränderungen von Temperatur und Niederschlag im 20. Jahrhundert haben auch zu einer merkbaren Verschiebung von Klimazonen in Europa geführt.[4] Bemerkenswert sind dabei

  1. eine größere Ausdehnung der Trockenklimate gegen Ende des 20. Jahrhunderts. So hat sich das im spanischen Südosten verbreitete Steppenklima gegenüber den 1950er und 1960er Jahren in seiner Ausdehnung fast verdoppelt.
  2. eine deutliche Ausdehnung des gemäßigten ozeanischen gegenüber dem gemäßigten kontinentalen Klima. So sind weite Teile Mittel- und Südosteuropas, aber auch des südlichen Skandinaviens, unter stärkeren ozeanischen Einfluss geraten.
  3. eine deutliche Ausdehnung des borealen ozeanischen gegenüber dem borealen kontinentalen Klima im mittleren und nördlichen Skandinavien. Das Gebiet des Tundrenklimas in den höheren Lagen Skandinaviens hat sich deutlich verringert.
Abb. 4: Veränderung der Dauer von sommerlichen Hitzeperioden[5] in Europa 1976 bis 2006

4 Änderungen der Extreme

Mit den Mittelwerten ändern sich in der Regel auch Häufigkeit und Dauer extremer Wetterereignisse. So hat sich wegen der allgemeinen Erwärmung die Zahl extrem kalter Tage sichtlich verringert, während heiße Tage und Hitzewellen deutlich zugenommen haben. Die mittlere Länge von sommerlichen Hitzewellen hat sich zwischen 1880 und 2005 verdoppelt und die Häufigkeit von heißen Tagen verdreifacht.[6] Der Hitzesommer 2003 hat möglicherweise einen Vorgeschmack davon gegeben, wie künftige Sommer bei einer weiteren globalen Erwärmung in Europa aussehen könnten. In Frankreich lagen die Augusttemperaturen bis zu 14 °C über den mittleren Werten dieses Monats. In Deutschland kletterten die Temperaturen an einigen Orten über 40 °C.

Auch die Zahl der Tage mit extremen Niederschlägen hat in den meisten Gebieten in Europa zugenommen. Die extremen Niederschläge sind außerdem stärker geworden, und zwar auch in solchen Regionen, in denen die mittleren Niederschläge abgenommen haben, wie im Mittelmeerraum und in Mitteleuropa. Als Beispiel können hier die extremen Niederschläge über dem Einzugsgebiet der Elbe im Sommer 2002 angeführt werden, durch die es zu einer katastrophalen Hochwasserkatastrophe in Deutschland und der tschechischen Republik kam. Noch häufiger kam es zu Hochwasserereignissen durch starke Niederschläge allerdings in den Wintermonaten, verbunden mit einer Häufung von zyklonalen Großwetterlagen und der Abnahme kontinentaler Hochdrucklagen.

5 Kalte Winter in Europa

In den letzten Jahren kam es in weiten Teilen Europas in den Wintermonaten, im Jahr 2013 sogar noch im meteorologischen Frühlungsmonat März, zu starken Kälteeinbrüchen. Das hat in der Öffentlichkeit Zweifel am Klimawandel genährt und in der Wissenschaft die Suche nach Erklärungen angetrieben.

6 Einzelnachweise

  1. European Environment Agency (EEA) (2008): Impacts of Europe's changing climate - 2008 indicator-based assessment, 5.2.2
  2. European Environment Agency (EEA) (2008): Impacts of Europe's changing climate - 2008 indicator-based assessment, 5.2.3
  3. Schönwiese, C.-D. Janoschitz, R. (2008): Klima-Trendatlas Europa 1901-2000. Bericht Nr. 7, Inst. Atmosph. Umwelt, Univ. Frankfurt/Main
  4. Vgl. Gerstengabe, F.-W., und P.C. Werner (2009): A short update on Koeppen climate shifts in Europe between 1901 and 2003, Climatic Change 92, 99-107
  5. Eine Hitzeperiode ist hier definiert durch mindestens sechs aufeinander folgende Tage mit einer Temperatur von 5 °C über der mittleren Temperatur des Zeitraums 1961-1990
  6. European Environment Agency (EEA) (2008): Impacts of Europe's changing climate - 2008 indicator-based assessment, 5.2.4

7 Weblinks

8 Lizenzhinweis

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