Klimaänderungen im Mittelmeerraum

Aus Klimawandel
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Bodennahe Jahresmitteltemperatur im europäischen Mittelmeerraum für die Zeit 1961 bis 1990 in °C

1 Überblick

Der europäische Mittelmeerraum liegt klimatisch im Übergangsbereich zwischen den subtropischen Wüstenzonen Nordafrikas und dem gemäßigten Klima Mitteleuropas. Wesentliche Merkmale des mediterranen Klimas sind milde und feuchte Winter sowie heiße und trockene Sommer. Das Niederschlagsmaximum im Jahresverlauf liegt im Winter, weshalb man auch vom mediterranen Winterregenklima spricht. Neben den starken Unterschieden zwischen Sommer und Winter sind auch die großen Schwankungen von Jahr zu Jahr von Bedeutung. Hinzu kommen großräumige Unterschiede zwischen westlichem, mittlerem und östlichem Mittelmeerraum. Aufgrund des komplexen Reliefs mit vielen Gebirgen, Hoch- und Tiefländern, Inseln, Halbinseln und Buchten gibt es auch viele kleinräumige Besonderheiten des Klimas.[1]

Klimaänderungen im Mittelmeerraum sind von besonderer Bedeutung. Die europäischen Mittelmeerküsten sind mit großem Abstand das wichtigste Touristenziel weltweit, wobei sie hauptsächlich vom innereuropäischen Tourismus profitieren. Im Jahr 2000 reisten aus dem kühleren Nordeuropa 116 Millionen Touristen ans europäische Mittelmeer, ein Sechstel aller touristischen Reisen in der Welt. Um das Jahr 2025 wird im gesamten Mittelmeerraum mit einem Toruristenaufkommen von 655 Millionen gerechnet.[1] Sehr sensibel gegenüber Klimaänderungen ist die Region nicht zuletzt wegen des hohen Wasserverbrauchs durch den Tourismus, noch mehr aber durch die Landwirtschaft.

Die Klimaentwicklung der letzten ca. 100 Jahre ergibt für den Mittelmeerraum kein einheitliches Bild. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es im westlichen Mittelmeerraum eine Erwärmung gegeben. Seit Ende der 1970er Jahre haben auch in Italien die Temperaturen zu- und die Niederschläge abgenommen. Der östliche Mittelmeerraum hat dagegen in der 2. Jahrhunderthälfte eine leichte Abkühlung im Winter und eine Zunahme der Niederschläge seit 1982 zu verzeichnen. Das gegensätzliche Temperatur- und Niederschlagsverhalten wird auf eine Art Luftdruckschaukel zwischen beiden Gebieten, die „mediterrane Oszillation“, zurückgeführt. Diese steht möglicherweise im Zusammenhang mit der Nordatlantischen Oszillation (NAO), die sich vor allem im Winter auswirkt.[2]

2 Westlicher Mittelmeerraum

Veränderung des NAO-Index und der Niederschläge der Iberischen Halbinsel in den Wintermonaten Dezember bis März, lineare Trends gestrichelt.

Die Niederschläge fallen hier wie insgesamt im Mittelmeerraum im wesentlichen im Winter, in einzelnen Regionen gibt es Maxima aber auch im Herbst bzw. Frühjahr. Der Nordwesten, der im Winter unter dem Einfluss atlantischer Tiefdruckausläufer steht, ist mit bis zu über 500 mm Niederschlag in den Monaten Dezember-Februar die regenreichste Region der Iberischen Halbinsel. Im trockenen Inneren fallen dagegen unter 200 mm und am östlichen Rand nur noch unter 100 mm. Allgemein lässt sich ein atlantisches und ein mediterranes Niederschlagsgebiet auf der Iberischen Halbinsel unterscheiden. Der Westen und das Innere zeigen sich deutlich abhängig von den Schwankungen der NAO, während der östliche Saum der Halbinsel unter dem Einfluss regionaler Witterungsschwankungen steht.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gab es im Westen und im Innern in den Wintermonaten deutliche Niederschlagsabnahmen, während der Osten im Winter regional leichte Zunahmen, aber insgesamt keinen deutlichen Trend zeigt.[3] Andere Untersuchungen zeigen, dass jedoch die jährlichen Niederschläge über dem mediterranen Osten ebenfalls deutlich abgenommen haben. Danach sind hier zwischen 1951 und 2000 die Jahresniederschläge insgesamt um -12,4 % zurückgegangen, besonders ausgeprägt im Sommer und Frühling mit jeweils rund -20 % Abnahme.[4] Diese Niederschlagsabnahme wird als besonders kritisch eingeschätzt, da in den mediterranen Küstengebieten Spaniens inzwischen ein Drittel der spanischen Bevölkerung lebt und im Sommer noch Millionen von Touristen hinzukommen.

Im Winter gibt es ausgeprägte Beziehungen zwischen der NAO und den Niederschlagsschwankungen auf der Iberischen Halbinsel. Zwischen 1950 und 2007 ist die Zunahme des NAO-Index, ein Maß für den Luftdruckgegensatz zwischen Azorenhoch und Islandtief, in den Monaten Dezember-März deutlich mit einer Abnahme der Niederschläge verbunden. Der NAO-Index hat in dieser Zeit um 0,17 pro Jahrzehnt zugenommen, während die Niederschläge um 4,3 mm pro Monat abgenommen haben. Besonders stark ist die Korrelation im Westen und in der Mitte der Iberischen Halbinsel, weniger ausgeprägt an der Ostküste. Im Mittel sind 74 % der Niederschlagsschwankungen von der NAO abhängig. Für das 21. Jahrhundert wird nach Modellprognosen eine Fortsetzung des Trends erwartet.[5]

Eine Beziehung der Niederschlagsentwicklung der Iberischen Halbinsel zum anthropogenen Treibhauseffekt wird diskutiert.[3] So könnte die Zunahme des NAO-Index mit einer Verstärkung des Polarwirbels über dem Nordpol zusammenhängen, die möglicherweise durch eine Abkühlung der unteren und mittleren Stratosphäre über dem Nordpol bedingt ist. Ein stärkerer Polarwirbel führt zu einer Verstärkung der Westwindzirkulation und deren Verschiebung nach Norden, wodurch auch die NAO weiter nach Norden verlagert wird. Die Iberische Halbinsel steht dann stärker unter dem Einfluss subtropischer Hochdruckzellen. Die Abkühlung der Stratosphäre wiederum ist ein allgemein beobachteter Effekt der Erwärmung der Troposphäre durch den Anstieg der Konzentration der Treibhausgase. Dieser Effekt kann über den Polen noch durch den Ozonabbau in der unteren Stratosphäre verstärkt werden.

3 Zentraler Mittelmeerraum

Änderung der Jahresmitteltemperatur (°C) und der Jahresniederschläge (Index) für ganz Italien – jeweils geglättet über 11 Jahre

Der zentrale Mittelmeerraum wird durch die italienische Halbinsel dominiert. Das Klima Italiens ist räumlich sehr unterschiedlich. Es reicht vom gemäßigt alpinen Klima im Norden bis zum fast schon afrikanischen Subtropenklima im Süden. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen bei 8 °C im Norden und bei 16 °C im Süden. Die Niederschläge reichen von über 1500 mm im Norden bis unter 500 mm im Süden. Gebirgszüge im Innern und Luv- und Leelagen differenzieren das Klima oft sehr kleinräumig. Im Sommer sind subtropische Hochdruckgebiete bestimmend, die bis zur Poebene für hohe Temperaturen und Trockenheit sorgen. Im Winter bringen Tiefdruckausläufer vom Atlantik die Niederschläge. Besonders im Spätsommer, wenn die Temperaturen oft die 30-°C-Marke überschreiten, geht die Bodenfeuchte stark zurück.[6]

Klimaänderungen zeigen sich bisher vor allem im Temperaturbereich, weniger bei den Niederschlägen. Zwischen 1865 bis 2003 nahm die Temperatur im Mittel um 1 °C pro Jahrhundert zu, in den letzten Jahrzehnten mit deutlicher Steigerung. Die Erwärmung ist sowohl regional wie saisonal ziemlich uniform und liegt deutlich über dem globalen Mittel von 0,8 °C.[7]

Aufgrund der problematischen Datenlage und der großen auch kleinräumlichen Unterschiede lässt sich die Entwicklung der Niederschläge nur sehr schwierig bestimmen. Über die letzten ca. 150 Jahre konnte einerseits eine leichte Abnahme für ganz Italien um 5 % pro Jahrhundert festgestellt werden.[7] Eine andere Untersuchung ergab dagegen für die letzten ca. 50 Jahre bei den Jahresniederschlägen in ganz Italien keinen Trend.[8] Regionale Untersuchungen kommen teilweise zu andern Ergebnissen. So ergaben die Daten für Kampanien in Süditalien, dass hier die jährlichen Niederschläge in den letzten 100 Jahren um 280 mm bzw. 23 % deutlich abgenommen haben, und zwar besonders im Winter und in den letzten Jahrzehnten.[9]

4 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Vgl. Hertig, E. (2008): Globaler Klimawandel: Auswirkungen auf den Mittelmeerraum, in: Fansa, M. & C. Ritzau (Hrsg.): Klimawandel – Herausforderung des 21. Jahrhunderts, Vorträge, 45-55
  2. Hertig, E. (2004): Niederschlags- und Temperaturabschätzungen für den Mittelmeerraum unter anthropogen verstärktem Treibhauseffekt, Dissertation Würzburg
  3. 3,0 3,1 Lopez-Bustins, J.-A., et al. (2008): Iberia winter rainfall trends based upon changes in teleconnection and circulation patterns, Global and Planetary Change 63, 171-176
  4. Luis, M. de, et al. (2009): Seasonal precipitation trends in the Mediterranean Iberian Peninsula in the second half of the 20th century, International Journal of Climatology 29, 1312-1323
  5. Rodríguez-Puebla, C., & S. Nieto (2009): Trends of precipitation over the Iberian Peninsula and the North Atlantic Oscillation under climate change conditions, International Journal of Climatology, DOI: 10.1002/joc.2035
  6. Diodato, N., & G. Bellocchi (2008): Drought stress patterns in Italy using agro-climatic indicators, Climate Research 36, 53-63
  7. 7,0 7,1 Brunetti. M., et al. (2006): Temperature and precipitation variability in Italy in the last two centuries from homogenised instrumental time series. International Journal of Climatology 26, 345–381
  8. Toreti, A., et al. (2009): Annual and seasonal precipitation over Italy from 1961 to 2006, International Journal of Climatology, DOI: 10.1002/joc.1840
  9. Longobardi, A., & P. Villani (2009): Trend analysis of annual and seasonal rainfall time series in the Mediterranean area, International Journal of Climatology, DOI: 10.1002/joc.2001

5 Siehe auch


6 Lizenzhinweis

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