Klimaänderungen und Landwirtschaft Indien

Aus Klimawandel

Landwirtschaft und Klima

Die Landwirtschaft nimmt in Indiens Wirtschaft immer noch eine dominierende Stellung ein. Zwar ist der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt zwischen 1983 und 2001 von 39 % auf 24 % zurückgegangen. Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft an allen Beschäftigten hat sich im selben Zeitraum jedoch nur von 63 auf 57 % verringert und umfasst immer noch die Mehrheit der indischen Arbeitskräfte. Zwar konnte die Produktion zwischen dem Beginn der 1980er Jahre und dem Beginn des neuen Jahrhunderts von 130 auf 212 Mio. t gesteigert werden. Die wachsende Bevölkerung macht es jedoch erforderlich, dass bis 2020 die Produktion auf rund 300 Mio. t erhöht werden muss, um den heutigen Ernährungsstand von ohnehin sehr geringen 550 gr/Tag und Kopf (USA: 2850 gr) zu halten. 60 % der Agrarfläche, auf denen diese enorme Erntesteigerung geleistet werden muss, bestehen aus Regenfeldbau und sind von den unsicheren Niederschlägen des Monsuns abhängig. Das zeigt deutlich die Abhängigkeit der indischen Landwirtschaft vom Klima.[1]

Vor allem besteht eine deutliche Abhängigkeit der indischen Landwirtschaft vom Sommermonsun. Der Monsunniederschlag zeigt starke Schwankungen von Jahr zu Jahr, die für weiträumige Dürren und Überschwemmungen verantwortlich sind. Auch für den Anbau in der Nachmonsunzeit (ab November) sind die vorausgegangenen Monsunniederschläge wichtig, da bei reichlichen Niederschlägen Bodenfeuchte und Grundwasserspeicher hoch sind, was den Winterpflanzen zugute kommt bzw. der Bewässerung dient. Die Veränderung der Monsunzirkulation durch den Klimawandel ist daher von größter Bedeutung für die indische Landwirtschaft. Außerdem spielt auch der prognostizierte Temperaturanstieg eine entscheidende Rolle, da er mit einer höheren Verdunstung und mit Hitzewellen einhergeht. Günstig wird sich dagegen der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre auf das Pflanzenwachstum auswirken.

Klimaänderungen und Landwirtschaft

Änderung der jährlichen Minimumtemperatur von Indien 1901-2007

Die indische Mitteltemperatur ist im 20. Jahrhundert um ca. 0,6 °C angestiegen.[2] Das ist zwar etwas weniger als der globale Durchschnitt von über 0,7 °C, zeigt aber dennoch Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion. Untersuchungen haben ergeben, dass auch schon eine geringe Zunahme der Temperatur in Kombination mit der ebenfalls beobachteten Abnahme der Sonneneinstrahlung durch Aerosolbelastung in der Indus-Ganges-Ebene, dem Kerngebiet der indischen Landwirtschaft, zu einem negativen Trend in der Reis- und Weizenproduktion geführt haben. Der Temperaturanstieg zeigte sich vor allem bei den Minimumtemperaturen der Nacht, die 1991-2000 um 0,56 °C zugenommen hat. Die Sonneneinstrahlung ist dagegen 1981-2004 um 5 % gefallen. Beide Trends führten nach Untersuchungen zu einer Reduzierung der Reisernte. Die Erhöhung der Nachttemperaturen hat am Ende der sommerlichen Wachstumszeit sogar einen höheren Effekt als die Änderungen des Monsuns (s.u.).[3]

Änderung der indischen Monsun-Niederschläge (Juni-Sept.)

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sind die Monsunniederschläge weniger häufig, aber intensiver geworden, wodurch das Risiko von Dürren und Überschwemmungen mit Zerstörungen von Reisernten zugenommen hat. Dürren haben dabei einen deutlich größeren negativen Effekt als extreme Niederschläge. Aktuelle Untersuchungen haben ergeben, dass der indische Monsun sich auf zwei Arten verändert hat: 1. ist er schwächer geworden, und 2. sind die Niederschläge während der Monsunzeit extremer geworden. Im Zeitraum 1961-1998 lag der mittlere Niederschlag während der Monsunzeit Juni-September bei 1211 mm und damit um 5 % unter dem Mittel der davor liegenden 30-Jahresperiode 1931-1960, das 1259 mm betrug. In nahezu derselben Zeit stieg die jährliche Wahrscheinlichkeit einer Dürre von 8,6 % auf 16,4 %. Zwischen 1951 und 2000 hat außerdem die Häufigkeit von starken und sehr starken Niederschlagsereignissen in Zentralindien um 50 bzw. 100 % zugenommen.[3] Dabei sind vor allem die kurzfristigen Schwankungen der Sommermonsunniederschläge ein Problem für die landwirtschaftliche Poduktion. So hat der Abfall der Niederschläge im Jahre 2002 um 19 % zu einer Abnahme der Nahrungsmittelproduktion von 212 Mio. t auf 174 Mio. t (bzw. um 18 %) geführt.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 R.K. Mall et al. (2006): Impact of climate change on Indian agriculture: a review, Climatic Change (2006) 78: 445–478
  2. Blunden, J., D. S. Arndt, and M. O. Baringer, Eds., 2011: State of the Climate in 2010. Bull. Amer. Meteor. Soc., 92 (6), 1–266.
  3. 3,0 3,1 Auffhammer, M., V. Ramanathan, J.R. Vincent (2011): Climate change, the monsoon, and rice yield in India, Climatic Change, DOI 10.1007/s10584-011-0208-4


Lizenzhinweis

Dieser Artikel ist ein Originalartikel des Klima-Wiki und steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können in den meisten Fällen durch Anklicken dieser Mediendateien abgerufen werden und sind andernfalls über Dieter Kasang zu erfragen.