Corona-Virus und CO2-Emissionen: Unterschied zwischen den Versionen

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Bei der [[Kohlendioxid-Konzentration|Konzentration von Kohlendioxid]] sind solche Reduktionen bisher nicht zu beobachten (s. dazu unten). Eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Climate Change<ref name="Le Quéré 2020">Le Quéré, C., Jackson, R.B., Jones, M.W. et al. (2020): Temporary reduction in daily global CO2 emissions during the COVID-19 forced confinement. Nat. Clim. Chang. https://doi.org/10.1038/s41558-020-0797-x</ref>  legte jedoch im Mai 2020 eine Berechnung der CO<sub>2</sub>-Emissionen vor, nach der während der ersten vier Monate im Jahr 2020 die CO<sub>2</sub>-Emissionen um 1.048 Mio.t CO<sub>2</sub> bzw. 8,6% im Vergleich zu 2019 im selben Zeitraum gefallen sind. Den größten Anteil an der Reduktion der Emissionen hatte China mit -242 Mio. t CO<sub>2</sub>, gefolgt von den USA (-207 Mio. t CO<sub>2</sub>), Europa (-123 Mio. t CO<sub>2</sub>) und Indien (-98 Mio. t CO<sub>2</sub>). Am 7. April, auf dem Höhepunkt des globalen Lockdown, lagen die Emissionen in Regionen, die für 89 % der CO<sub>2</sub>-Emissionen verantwortlich waren, bei 83 Mio. t CO<sub>2</sub> und damit um 17% unter dem Mittel von 2019 und auf dem Niveau von 2006. Den größten Anteil an diesem Tagesrückgang hatte der Verkehrssektor (ohne Flugverkehr) mit -43% (-7,5 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag) vor der Industrie (-4,3 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag), dem Kraftwerkssektor (-3,3 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag) und dem Flugverkehr (-0,9 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag).<ref name="Le Quéré 2020" />  
 
Bei der [[Kohlendioxid-Konzentration|Konzentration von Kohlendioxid]] sind solche Reduktionen bisher nicht zu beobachten (s. dazu unten). Eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Climate Change<ref name="Le Quéré 2020">Le Quéré, C., Jackson, R.B., Jones, M.W. et al. (2020): Temporary reduction in daily global CO2 emissions during the COVID-19 forced confinement. Nat. Clim. Chang. https://doi.org/10.1038/s41558-020-0797-x</ref>  legte jedoch im Mai 2020 eine Berechnung der CO<sub>2</sub>-Emissionen vor, nach der während der ersten vier Monate im Jahr 2020 die CO<sub>2</sub>-Emissionen um 1.048 Mio.t CO<sub>2</sub> bzw. 8,6% im Vergleich zu 2019 im selben Zeitraum gefallen sind. Den größten Anteil an der Reduktion der Emissionen hatte China mit -242 Mio. t CO<sub>2</sub>, gefolgt von den USA (-207 Mio. t CO<sub>2</sub>), Europa (-123 Mio. t CO<sub>2</sub>) und Indien (-98 Mio. t CO<sub>2</sub>). Am 7. April, auf dem Höhepunkt des globalen Lockdown, lagen die Emissionen in Regionen, die für 89 % der CO<sub>2</sub>-Emissionen verantwortlich waren, bei 83 Mio. t CO<sub>2</sub> und damit um 17% unter dem Mittel von 2019 und auf dem Niveau von 2006. Den größten Anteil an diesem Tagesrückgang hatte der Verkehrssektor (ohne Flugverkehr) mit -43% (-7,5 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag) vor der Industrie (-4,3 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag), dem Kraftwerkssektor (-3,3 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag) und dem Flugverkehr (-0,9 Mio. t CO<sub>2</sub>/Tag).<ref name="Le Quéré 2020" />  
  
Für das gesamte Jahr 2020 wird eine Reduktion der CO<sub>2</sub>-Emissionen von 4-7% prognostiziert.<ref name="Le Quéré 2020" />  Zum Vergleich: Die globale Finanzkrise 2008/9 hatte eine Reduzierung der CO<sub>2</sub>-Emissionen um -1,4% für 2009 zur Folge. Würde eine solche Reduzierung, wie sie für das ganze Jahr 2020 angenommen wird, während der nächsten Jahrzehnte jedes Jahr erreicht werden, bestünde eine realistische Chance, die in dem Pariser Klimaschutzabkommen geforderte Grenze der globalen Erwärmung von 1,5 °C einzuhalten. Dafür wäre dann eine jährliche Reduktion der weltweiten CO<sub>2</sub>-Emissionen über die nächsten Jahrzehnte um 2,8 Mrd. t CO<sub>2</sub> notwendig.<ref name="Evans 2020">Evans, S. (2020): [https://www.carbonbrief.org/daily-global-co2-emissions-cut-to-2006-levels-during-height-of-coronavirus-crisis Daily global CO2 emissions ‘cut to 2006 levels’ during height of coronavirus crisis]</ref> Die Emissionen von Kohlendioxid betragen gegenwärtig jedoch jährlich fast 40 Mrd. t.  
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Für das gesamte Jahr 2020 wird eine Reduktion der CO<sub>2</sub>-Emissionen von 4-7% prognostiziert.<ref name="Le Quéré 2020" />  Zum Vergleich: Die globale Finanzkrise 2008/9 hatte eine Reduzierung der CO<sub>2</sub>-Emissionen um -1,4% für 2009 zur Folge. Würde eine solche Reduzierung, wie sie für das ganze Jahr 2020 angenommen wird, während der nächsten Jahrzehnte jedes Jahr erreicht werden, bestünde eine realistische Chance, die in dem Pariser Klimaschutzabkommen geforderte Grenze der globalen Erwärmung von 1,5 °C einzuhalten. Dafür wäre dann eine jährliche Reduktion der weltweiten CO<sub>2</sub>-Emissionen über die nächsten Jahrzehnte um 2,8 Mrd. t CO<sub>2</sub> notwendig.<ref name="Evans 2020">Evans, S. (2020): [https://www.carbonbrief.org/daily-global-co2-emissions-cut-to-2006-levels-during-height-of-coronavirus-crisis Daily global CO2 emissions ‘cut to 2006 levels’ during height of coronavirus crisis]</ref> Die Emissionen von Kohlendioxid allein aus der Verbrennung fossiler Energieträger lagen für das Jahr 2019 bei etwa 37 Mrd. t.<ref>Global Carbon Project (2019): [https://www.globalcarbonproject.org/carbonbudget/ Carbon Budget 2019] </ref>
  
 
[[Bild:Co2 trend may2020.png|thumb|520px|Abb. 2: Veränderung der CO<sub>2</sub>-Konzentration in ppm am Mauna Loa von 2016 bis 2020. Die rote Kurve zeigt deutlich den Jahresverlauf durch den Laubfall der Bäume auf der Nordhalbkugel im Winterhalbjahr. ]]  
 
[[Bild:Co2 trend may2020.png|thumb|520px|Abb. 2: Veränderung der CO<sub>2</sub>-Konzentration in ppm am Mauna Loa von 2016 bis 2020. Die rote Kurve zeigt deutlich den Jahresverlauf durch den Laubfall der Bäume auf der Nordhalbkugel im Winterhalbjahr. ]]  

Version vom 24. Mai 2020, 11:29 Uhr

Abb. 1: Tageswerte der durch die Verbrennung fossiler Energien verursachten Emissionen von CO2 zwischen 1970 und 2020 sowie in den ersten vier Monaten 2020 in Mio. t CO2

Fast überall auf der Welt haben die Staaten in den ersten Monaten des Jahres 2020 zu einschneidenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus gegriffen, die die wirtschaftlichen Aktivitäten weitgehend stilllegten. Betriebe schlossen, der Verkehr ging drastisch zurück, Flugzeuge blieben weitgehend am Boden, die Arbeitslosenzahlen stiegen und der Konsum brach ein. Es wurde erwartet, dass mit dem Rückgang von Verkehr und Produktion auch die Emissionen von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid (CO2) stark reduziert würden. Ein erstes Anzeichen für den Rückgang von Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energien war ein ungewohnt sauberer Himmel über Nordost-China. Satellitenbeobachtungen der NASA zeigten eine ungewöhnliche Abnahme der Stickstoff-Dioxid-Konzentration.[1]

Bei der Konzentration von Kohlendioxid sind solche Reduktionen bisher nicht zu beobachten (s. dazu unten). Eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Climate Change[2] legte jedoch im Mai 2020 eine Berechnung der CO2-Emissionen vor, nach der während der ersten vier Monate im Jahr 2020 die CO2-Emissionen um 1.048 Mio.t CO2 bzw. 8,6% im Vergleich zu 2019 im selben Zeitraum gefallen sind. Den größten Anteil an der Reduktion der Emissionen hatte China mit -242 Mio. t CO2, gefolgt von den USA (-207 Mio. t CO2), Europa (-123 Mio. t CO2) und Indien (-98 Mio. t CO2). Am 7. April, auf dem Höhepunkt des globalen Lockdown, lagen die Emissionen in Regionen, die für 89 % der CO2-Emissionen verantwortlich waren, bei 83 Mio. t CO2 und damit um 17% unter dem Mittel von 2019 und auf dem Niveau von 2006. Den größten Anteil an diesem Tagesrückgang hatte der Verkehrssektor (ohne Flugverkehr) mit -43% (-7,5 Mio. t CO2/Tag) vor der Industrie (-4,3 Mio. t CO2/Tag), dem Kraftwerkssektor (-3,3 Mio. t CO2/Tag) und dem Flugverkehr (-0,9 Mio. t CO2/Tag).[2]

Für das gesamte Jahr 2020 wird eine Reduktion der CO2-Emissionen von 4-7% prognostiziert.[2] Zum Vergleich: Die globale Finanzkrise 2008/9 hatte eine Reduzierung der CO2-Emissionen um -1,4% für 2009 zur Folge. Würde eine solche Reduzierung, wie sie für das ganze Jahr 2020 angenommen wird, während der nächsten Jahrzehnte jedes Jahr erreicht werden, bestünde eine realistische Chance, die in dem Pariser Klimaschutzabkommen geforderte Grenze der globalen Erwärmung von 1,5 °C einzuhalten. Dafür wäre dann eine jährliche Reduktion der weltweiten CO2-Emissionen über die nächsten Jahrzehnte um 2,8 Mrd. t CO2 notwendig.[3] Die Emissionen von Kohlendioxid allein aus der Verbrennung fossiler Energieträger lagen für das Jahr 2019 bei etwa 37 Mrd. t.[4]

Abb. 2: Veränderung der CO2-Konzentration in ppm am Mauna Loa von 2016 bis 2020. Die rote Kurve zeigt deutlich den Jahresverlauf durch den Laubfall der Bäume auf der Nordhalbkugel im Winterhalbjahr.

Trotz des Rückgangs der Emissionen steigt die CO2-Konzentration unvermindert an. Im April lag die Konzentration von Kohlendioxid am Mauna Loa bei 416,21 ppm gegenüber 413,33 ppm im April 2019. Die Wachstumsrate von 2,9 ppm/Jahr liegt im oberen Bereich der letzten 20 Jahre.[5] Noch erstreckt sich der berechnete Emissions-Rückgang über einen relativ kurzen Zeitraum und pendelt sich in einigen wichtigen Staaten wie China langsam wieder auf das frühere Niveau ein. Er wird anscheinend überdeckt von dem natürlichen Jahresgang der Photosynthese aufgrund der fehlenden Belaubung der Bäume auf der Nordhalbkugel im Winterhalbjahr, die im April/Mai ihren Höhepunkt erreicht, sowie der beginnenden Verwitterung im Frühjahr.


1 Einzelnachweise

  1. NASA Earth Observatory (2020): Airborne Nitrogen Dioxide Plummets Over China
  2. 2,0 2,1 2,2 Le Quéré, C., Jackson, R.B., Jones, M.W. et al. (2020): Temporary reduction in daily global CO2 emissions during the COVID-19 forced confinement. Nat. Clim. Chang. https://doi.org/10.1038/s41558-020-0797-x
  3. Evans, S. (2020): Daily global CO2 emissions ‘cut to 2006 levels’ during height of coronavirus crisis
  4. Global Carbon Project (2019): Carbon Budget 2019
  5. NOAA Earth System Research Laboratory (2020): Trends in Atmospheric Carbon Dioxide


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