Algen als CO2-Speicher: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Anbau und Wiederherstellung von Tangwäldern ===
=== Anbau und Wiederherstellung von Tangwäldern ===
[[Bild:Seaweed farm zanzibar.jpg|thumb|520 px|Abb. 6: Seetang-Farm in Sansibar ]]
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Unter den ozeanbasierten CDR-Ansätzen stößt die großflächige Aufforstung der Ozeane mit Makroalgen auf ein begrenztes, aber wachsendes Interesse. Makroalgen können eine photosynthetische Produktivität aufweisen, die mit der eines tropischen Regenwaldes vergleichbar ist, und verfügen über einen hohen Kohlenstoffgehalt, was sie zu potenziellen Kandidaten für ozeanbasierte CDR-Maßnahmen macht. Zudem konkurrieren sie nicht mit landwirtschaftlichen Nutzflächen und können lokale Vorteile bieten, wie etwa eine Verringerung von Eutrophierung und Versauerung.<ref name="Berger 2023">Berger, M., L. Kwiatkowski, D.T. Ho and L. Bopp (2023): [https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/acb06e Ocean dynamics and biological feedbacks limit the potential of macroalgae carbon dioxide removal], Environ. Res. Lett.</ref>  Außerdem können geerntete Makroalgen als Ersatz für synthetischer Düngemittel dienen und senken die Methanemissionen von Rindern, wenn sie Futtermitteln beigemischt werden. Darüber hinaus tragen sie zur Anpassung an den Klimawandel bei, indem sie die Wellenenergie dämpfen und Küstenlinien schützen. So wurde etwa in Norwegen beobachtet, dass Tangwälder Wellenhöhen um 60% reduzieren können. Da sie eine hohe Artenvielfalt unterstützen, schützen sie z.B.  Krustentiere vor der Ozeanversauerung.<ref name="Duarte 2017">Duarte, C.M., J. Wu, X. Xiao et al. (2017): [https://doi.org/10.3389/fmars.2017.00100 Can Seaweed Farming Play a Role in Climate Change Mitigation and Adaptation?] Front. Marine Sci. 4, 1-8</ref>   
Unter den ozeanbasierten CDR<ref>CDR=Carbon Dioxid Removal (Kohlendioxid-Entnahme)</ref>-Ansätzen stößt die großflächige Aufforstung der Ozeane mit Makroalgen auf ein begrenztes, aber wachsendes Interesse. Makroalgen können eine photosynthetische Produktivität aufweisen, die mit der eines tropischen Regenwaldes vergleichbar ist, und verfügen über einen hohen Kohlenstoffgehalt, was sie zu potenziellen Kandidaten für ozeanbasierte CDR-Maßnahmen macht. Zudem konkurrieren sie nicht mit landwirtschaftlichen Nutzflächen und können lokale Vorteile bieten, wie etwa eine Verringerung von Eutrophierung und Versauerung.<ref name="Berger 2023">Berger, M., L. Kwiatkowski, D.T. Ho and L. Bopp (2023): [https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/acb06e Ocean dynamics and biological feedbacks limit the potential of macroalgae carbon dioxide removal], Environ. Res. Lett.</ref>  Außerdem können geerntete Makroalgen als Ersatz für synthetischer Düngemittel dienen und senken die Methanemissionen von Rindern, wenn sie Futtermitteln beigemischt werden. Darüber hinaus tragen sie zur Anpassung an den Klimawandel bei, indem sie die Wellenenergie dämpfen und Küstenlinien schützen. So wurde etwa in Norwegen beobachtet, dass Tangwälder Wellenhöhen um 60% reduzieren können. Da sie eine hohe Artenvielfalt unterstützen, schützen sie z.B.  Krustentiere vor der Ozeanversauerung.<ref name="Duarte 2017">Duarte, C.M., J. Wu, X. Xiao et al. (2017): [https://doi.org/10.3389/fmars.2017.00100 Can Seaweed Farming Play a Role in Climate Change Mitigation and Adaptation?] Front. Marine Sci. 4, 1-8</ref>   


Obwohl die Algenzucht (Abb. 6) derzeit eine weitaus geringere Fläche einnimmt als natürliche Makroalgen – weltweit geschätzt 2000 km² –, bietet sie ein erhebliches Expansionspotenzial sowohl in Küstengewässern als auch im Offshore-Bereich. Jährlich werden rund 1,5 Mt Kohlenstoff (MtC) fixiert und in die geerntete Makroalgenbiomasse eingebaut. Ein Teil dieses Kohlenstoffs geht vor der Ernte verloren und kann sich in den darunterliegenden Sedimenten ablagern; dort kann er sich unter günstigen Bedingungen mit Raten zwischen 25 und 71 gC m⁻² Jahr⁻¹ anreichern und langfristig gespeichert werden.<ref name="Rischer 2026"/>
Obwohl die Algenzucht (Abb. 6) derzeit eine weitaus geringere Fläche einnimmt als natürliche Makroalgen – weltweit geschätzt 2000 km² –, bietet sie ein erhebliches Expansionspotenzial sowohl in Küstengewässern als auch im Offshore-Bereich. Jährlich werden rund 1,5 Mt Kohlenstoff (MtC) fixiert und in die geerntete Makroalgenbiomasse eingebaut. Ein Teil dieses Kohlenstoffs geht vor der Ernte verloren und kann sich in den darunterliegenden Sedimenten ablagern; dort kann er sich unter günstigen Bedingungen mit Raten zwischen 25 und 71 gC m⁻² Jahr⁻¹ anreichern und langfristig gespeichert werden.<ref name="Rischer 2026"/>

Version vom 19. Juni 2026, 16:13 Uhr

Abb. 1: Kelp-Wedel mit Stengel und gasgefüllten Blasen

Makroalgen als Kohlenstoffspeicher

Neben Küstenökosystemen wie Mangroven und Seegraswiesen gelten in jüngster Zeit auch Makroalgen als bedeutende ozeanische Kohlenstoffsenke. Zwei Arten mit einem hohen Speicherpotential sind Tangwälder (auch Allgen-, Kelp- oder Seetangwälder) in gemäßigten bis kühlen Küstengewässern und Sargassum in tropischen und gemäßigten Küstengebieten. Sargassum zeichnet sich durch eine schwimmende Lebensweise aus und kann dadurch z.B. durch Meeresströmungen und Wind zu Algenmatten mit Dicken von 0,1 bis 2 m zusammengetrieben werden.[1] Tangwälder verankern sich mit wurzelartigen Haftorganen am felsigen Meeresboden und nutzen Stiele und blattartige Wedel, um das Sonnenlicht unterhalb der Meeresoberfläche zu erreichen. Viele Arten verfügen zudem über gasgefüllte Blasen, die die Wedel unter der Wasseroberfläche aufrecht halten (Abb. 1).

Die von Makroalgen bedeckten Flächen und Speicherpotentiale für Kohlendioxid sind nur grob bekannt und werden auf 600-722 Millionen Hektar bzw. 61-268 Mio. Tonnen Kohlenstoff jährlich geschätzt.[2] Ein großer Teil des in Makroalgen ursprünglich gespeicherten Kohlenstoffs wird von Meeresströmungen in größere Entfernungen verfrachtet, gelangt in die marine Nahrungskette und in größere Meerestiefen. Ein Viertel soll nach jüngeren Schätzungen sogar die Sedimente der Tiefsee unter 4000 m erreichen.[1]

Tangwälder

CO2-Aufnahme und -Speicherung durch Tangwälder

Tang- oder Kelp-Wälder wachsen in den Uferzonen der Meere. In Europa finden sich die größten Algenwälder vor den Küsten Norwegens, Islands und Grönlands. In der Nordsee kommen die Seetangwälder in der Deutschen Bucht bei Helgoland und in der Ostsee, unter anderem im Biosphärenreservat Südost-Rügen, vor. Sie können bis zu 30 m hoch sein (Abb. 2) und besitzen eine enorm große Artenvielfalt. Oft werden sie deshalb auch als "Regenwälder der Meere" bezeichnet.[3] Anders als die tropischen Regenwälder finden Tangwälder jedoch nur wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung für ihre Erhaltung.[4]

Abb. 2: Der Riesentang – die weltweit größte Meeresalgenart – zählt zu den am schnellsten wachsenden Lebewesen der Erde. Er kann an einem einzigen Tag bis zu 60 Zentimeter (zwei Fuß) wachsen und gewaltige Unterwasserwälder bilden, die zahlreichen Meeresbewohnern als Lebensraum dienen. Photo: Steve Lonhart/NOAA
Abb. 3: Felsiger Untergrund der Kelp-Pflanzen sowie CO2-Aufnahme und -Abgabe bei Kelp-Wäldern

Für die Kohlenstoffaufnahme durch den Ozean spielen sie eine wichtige Rolle. Tangwälder weisen ein ungewöhnlich schnelles Wachstum auf. Der zu den Tangwäldern zählende Riesentang z.B. kann an einem einzigen Tag bis zu 60 Zentimeter wachsen und so gewaltige Unterwasserwälder bilden.[5] Großalgenwälder assimilieren aufgrund ihrer außergewöhnlichen Produktivität und großen räumlichen Ausdehnung beträchtliche Mengen an Kohlenstoff in der Küstenzone. Die starke CO2-Aufnahme führt dazu, dass in dem darüber liegenden Wasser die CO2-Konzentration sinkt. Das wiederum bewirkt, dass dieses Wasser mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen kann.[6]

Was aber passiert, wenn das CO2 durch Veratmung, Zerstörung und Zersetzung der Tangwälder wieder freigesetzt wird? Drei Mechanismen bestimmen den Verbleib des Kohlenstoffs (Abb. 3):[7]

  1. Z.T. wird CO2 in Küstengewässern gelöst und kann direkt an die Atmosphäre abgegeben werden.
  2. Ein anderer Teil kann als Pflanzenpartikel in die Nahrungskette gelangen oder in marine Sedimente in Küstennähe eingebettet werden, wodurch die Abgabe von CO2 an die Atmosphäre stark eingeschränkt wird. Da die meisten Makroalgen auf felsigen Untergrund wachsen, ist dafür ein Transport in entferntere Sedimentablagerungen erforderlich.
  3. Schließlich wird ein dritter Teil durch Strömungen in Tiefen unterhalb von 1000 m und mehr transportieret und in Sedimenten der Tiefsee eingeschlossen und über Jahrzehnte oder 100 Jahre gespeichert. Die Einbettung von organischem Kohlenstoff in Sedimenten ist einer der wichtigsten Wege zur langfristigen Kohlenstoffbindung.

Gefährdung von Tangwäldern

Abb. 4: Links: gesunder Kelp-Wald; rechts: durch Hitzewellen zerstörter Kelp-Wald

Tangwälder unterliegen allerdings verschiedenen Risiken, die ihre Funktion als Kohlenstoff-speicher bedrohen. Zum einen handelt es sich dabei um direkte menschliche Eingriffe wie Änderungen der Landnutzung, Meeresverschmutzung, Überfischung und direkte Nutzung der Algen als Nahrung, wovon 40-60% der Tangwälder betroffen sind. Zum anderen stellt der Klimawandel eine wachsende Bedrohung dar. So können Stürme Teile von Tangwäldern abreißen und verfrachten. Auch die Versauerung der Meere durch die erhöhte Kohlendioxid-Aufnahme beeinträchtigt das Wachstum von Tangwäldern.[8]

Die größte Bedrohung für Tangwälder geht jedoch von der Erhöhung der Ozeantemperatur und besonders von marinen Hitzewellen aus (Abb. 4). Marine Hitzewellen unterscheiden sich von Hitzewellen auf dem Land. Da Meerwasser Wärme langsamer aufnimmt und abgibt als Luft, sind Temperaturextreme im Ozean weniger ausgeprägt als an Land. Sie dauern jedoch oft über Wochen oder Monate hinweg an und breiten sich über große Gebiete aus. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat sich die Häufigkeit von marinen Hitzewellen verdoppelt; sie sind zudem intensiver, dauern länger an und erstrecken sich über größere Gebiete.[9]

Abb. 5: Umwandlung von Kelp-Wäldern in Seeigelwüsten durch Marine Hitzewellen und Seeigel-Fraß

Durch Erwärmung und Hitzewellen ändern sich die marinen Ökosysteme und die Nahrungskette.[10] So kann die Verbreitung von Seesternen und Ottern durch höhere Temperaturen abnehmen, was wiederum den wärmeliebenden Seeigeln erlaubt, sich stärker auszubreiten. Seeigel sind jedoch die Hauptfressfeinde für Tangwälder (Abb. 5).[9] In verschiedenen Küstengewässern der Welt haben Seeigel Tangwälder so stark geschädigt, dass nur noch regelrechte Seeigelwüsten übrigblieben. Das war etwa bei den Kelpwäldern des „Great Southern Reef“ der Fall, das sich entlang der Küsten Südaustraliens und Tasmaniens erstreckt.[11] Ähnlich sind die Kelp-Bestände in Nordkalifornien als Folge der über mehrere Jahre anhaltenden extremen Ozeanerwärmung „The Blob“ um 95% geschrumpft.[12], [10], [13]

Anbau und Wiederherstellung von Tangwäldern

Abb. 6: Seetang-Farm in Sansibar

Unter den ozeanbasierten CDR[14]-Ansätzen stößt die großflächige Aufforstung der Ozeane mit Makroalgen auf ein begrenztes, aber wachsendes Interesse. Makroalgen können eine photosynthetische Produktivität aufweisen, die mit der eines tropischen Regenwaldes vergleichbar ist, und verfügen über einen hohen Kohlenstoffgehalt, was sie zu potenziellen Kandidaten für ozeanbasierte CDR-Maßnahmen macht. Zudem konkurrieren sie nicht mit landwirtschaftlichen Nutzflächen und können lokale Vorteile bieten, wie etwa eine Verringerung von Eutrophierung und Versauerung.[15] Außerdem können geerntete Makroalgen als Ersatz für synthetischer Düngemittel dienen und senken die Methanemissionen von Rindern, wenn sie Futtermitteln beigemischt werden. Darüber hinaus tragen sie zur Anpassung an den Klimawandel bei, indem sie die Wellenenergie dämpfen und Küstenlinien schützen. So wurde etwa in Norwegen beobachtet, dass Tangwälder Wellenhöhen um 60% reduzieren können. Da sie eine hohe Artenvielfalt unterstützen, schützen sie z.B. Krustentiere vor der Ozeanversauerung.[16]

Obwohl die Algenzucht (Abb. 6) derzeit eine weitaus geringere Fläche einnimmt als natürliche Makroalgen – weltweit geschätzt 2000 km² –, bietet sie ein erhebliches Expansionspotenzial sowohl in Küstengewässern als auch im Offshore-Bereich. Jährlich werden rund 1,5 Mt Kohlenstoff (MtC) fixiert und in die geerntete Makroalgenbiomasse eingebaut. Ein Teil dieses Kohlenstoffs geht vor der Ernte verloren und kann sich in den darunterliegenden Sedimenten ablagern; dort kann er sich unter günstigen Bedingungen mit Raten zwischen 25 und 71 gC m⁻² Jahr⁻¹ anreichern und langfristig gespeichert werden.[2]

Es gibt verschiedene Maßnahmen, Tangwälder zu schützen oder ihre Verbreitung zu erweitern. Eine Möglichkeit besteht darin, die Überweidung von Kelpbeständen durch Seeigel einzudämmen. Praktiziert werden dabei die manuelle Tötung von Seeigeln sowie der Einsatz chemischer Mittel oder die Umsiedlung der Seeigel. Die meisten solcher Maßnahmen werden räumlich nur sehr begrenzt angewandt. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass dadurch die Tangwälder in den meisten Fällen zugenommen haben. Die zugrunde liegende Ursache wird dadurch jedoch nicht berührt, weshalb die Erfolge nur kurzfristig anhalten. Der Schutz von Seeigel-Fressfeinden kann das Wiederwachsen von Makroalgen dagegen nachhaltiger ermöglichen. Viele Fressfeinde von Seeigeln wie Ottern oder werden stark überfischt. So hat die Wiederansiedlung von Seeottern auf den Aleuten zu einem Rückgang der Seeigel und einer Zunahme von Kelp geführt. Eine aktive Wiederansiedlung von Kelp bietet zusätzliche Möglichkeiten, die Erholung der Kelpbestände nach der Entfernung von Seeigeln zu unterstützen. Dazu gehören die Umpflanzung oder erneute Aussaat von Kelp aus Wild- oder Zuchtbeständen sowie die Möglichkeit, neue Stämme zu entwickeln, die sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen können.[17]

Angesichts des weltweiten Rückgangs von Kelpwäldern ist eine wirksame Wiederherstellung erforderlich. Kelpwälder sind eine wichtige Stütze für viele unserer Küstenökosysteme in gemäßigten Breiten. Die vielfältigen Leistungen von Kelpwäldern (z. B. hohe Produktivität, Funktion als Ökosystemgrundlage, Kohlenstoffbindung, Unterstützung der Küstenfischerei) lassen die Entfernung von Seeigeln in vielen Situationen sinnvoll erscheinen.[17]

Sargassum

Herkunft und Verbreitung

Abb. 7: Sargassosee (grün) und der Große Atlantische Sargassum-Gürtel (braun)

Schwimmende Sargassum-Algen kamen ursprünglich in der Sargassosee vor (Abb. 7). Dabei handelt es sich um einen subtropischen Wirbel im Nordatlantik, in dem sich um eine gewaltige Wassermasse kreisförmige Strömungen Wirbel im Uhrzeigersinn drehen. Die Sargassosee bildet den Lebensraum für verschiedene Arten von Braunalgen, die frei im Wasser schweben und eine enorme Vielfalt an Meereslebewesen beherbergen.[18] Sie ist außerdem bekannt als Aufzuchtgebiet der europäischen Aale.

2011 kam es zu einem großen sogenannten Sargasso-Ereignisse. Dabei wurden große Teile der Biomasse der Sargasso-Algen aus der Sargassosee herausgetrieben und verbreiteten sich über den gesamten tropischen Atlantik von Westafrika bis zur Karibik. Das Ereignis war verbunden mit einer massenhaften Blüte und tritt seitdem immer wieder auf. Das neue Verbreitungsgebiet der Sargasso-Algen ist als der Große Atlantische Sargassum-Gürtel bekannt und erstreckt sich über 8.000 km2. Winde verfrachteten die Algen-Teppiche an zahlreiche Küsten der Region. Als Ursachen für die übermäßige Vermehrung der Sargassum-Biomasse und deren Transport an die Küsten werden ein Anstieg der Nährstoffkonzentrationen im Meerwasser und höhere Meeresoberflächentemperatur, Veränderungen der Windmuster und Meeresströmungen, Hurrikans sowie der Schiffsverkehr angenommen.[19]

Sargassum als Belastung für die Umwelt

Die massiven Ansammlungen von angespülter Algenbiomasse in der Karibik, im Golf von Mexiko und in Westafrika haben der Umwelt, der menschlichen Gesundheit sowie der lokalen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt. Etliche Länder in der Karibik haben den nationalen Notstand aufgrund des Zustroms von Sargassum-Algen ausgerufen.[20] Durch die Anhäufung und Verrottung von Braunalgen entstehen Gase wie Schwefelwasserstoff und Ammoniak und weitere organische Substanzen, was zur Geruchsbelästigung und Eutrophierung führt.[19]

Abb. 8: Sargassum-Folgen an touristischen Küsten: Sargassum-Seetang an Stränden zersetzt sich nach wenigen Tagen. Die dabei entstehenden Sickerwässer belasten den Boden und gelangen ins Meer, wo sie die küstennahe Flora und Fauna und Korallenriffe beeinträchtigen. Eine Entsorgung des Seetangs in Mangroven-Wäldern verunreinigen Böden und Abflüsse.

Besonders betroffen ist davon die vom Tourismus abhängige Wirtschaft der Karibikländer. Große Mengen an Sargassum werden an den Stränden von Sand bedeckt oder verrotten im Wasser. Dabei entstehen braune Küstengewässer und Schwefelemissionen verbreiten unangenehme Gerüche.[21] Die Entstehung von Schwefelwasserstoff beeinträchtigt die Luftqualität und verursacht sehr unangenehme Gerüche; eine längerfristige Exposition ist gesundheitsschädlich, insbesondere für Personen mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen. Dies stellt eine Belastung für Küstenbewohner und Strandbesucher dar. Hinzu kommt der abstoßende Eindruck von Sargasso-Anhäufungen auf Badegäste.[20] Aber auch die Fischerei und küstennahen Ökosysteme werden geschädigt. Die Aufräum- und Entsorgungsarbeiten verursachten für die Kommunen erhebliche Kosten.[22] Ausgedehnte Sargassum-Matten verhindern das Eindringen von Sonnenlicht in die obere Wasserschicht, wodurch die Photosynthese behindert wird. Als Folgen sind z.B. bei einer massiven Algenblüte 2015 in großem Maße Seegraswiesen vor Mexiko abgestorben. Große Mengen an Stränden verhindern etwa frisch geschlüpfte Schildkröten daran, das Meer zu erreichen. Umgekehrt wurden Fische und Schildkröten mit den Sargasso-Matten an die Küsten gedrückt und verendeten dort.[20]

Abb. 9: Sargassum-Teppiche bei den Antillen
Abb. 10: Angeschwemmte Sargassum-Biomasse an der mexikanischen Karibikküste, die zu Ballen gepresst in die Tiefsee versenkt wird.

Man sollte jedoch zwischen angeschwemmtem und frei schwimmendem Sargassum unterscheiden. Letzteres besitzt eher positive Eigenschaften und wurde als wertvolle Ressource identifiziert und wurde oft als „schwimmender goldener Regenwald“ bezeichnet. bietet die Sargassosee Lebensräume, Laichgebiete, Wanderrouten und Nahrungsgründe für eine vielfältige Flora und Fauna, darunter endemische, gefährdete und wirtschaftlich bedeutende Arten. Ähnliche Vorteile ergeben sich auch durch den frei treibenden Sargassum im Golf von Mexiko. Auch ökonomisch bestehen vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, unter anderem in der Landwirtschaft, der Bioenergieerzeugung, der Biokunststoffherstellung sowie im Bauwesen und in der Kosmetikindustrie. Somit könnte der großflächige Transport dieser Algen durch natürliche Prozesse in die Karibik eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung darstellen.[20] Nicht zuletzt wurde Sargassum aber auch als langfristiger Kohlenstoffspeicher entdeckt.[21]

Kohlenstoffbindung

Das schnell Biomasse bildende Sargassum stellt wie andere Makroalgen eine wichtige ozeanische Kohlenstoffsenke dar. Die Biomasse von Sargassum kann sich in bis zu 50 Tagen verdoppeln. Durch die Nutzung als Brennmaterial kann es fossile Brennstoffe ersetzen. Das natürlich auftretende Absinken in die Tiefsee kann durch Zusammenpressen des Materials zu größeren Ballen und Versenken gefördert werden. In Tiefen über 3000 m könnte die Biomasse bis 750 Jahre gespeichert bleiben.[21]

Abb. 11: CDR-Effekte durch Sargassum

Einige Autoren betonen allerdings, dass die beteiligten Prozesse der CO2-Aufnahme und -Speicherung z.T. noch nicht verstanden sind und sich kaum messen lassen. Abb. 11 veranschaulicht wichtige Schritte der CO2-Aufnahme und -Speicherung durch Sargassum-Algen (die Zahlen beziehen sich auf die Ziffern in den schwarzen Kreisen in der Abb.). 1. Die photosynthetische Kohlenstofffixierung durch Sargassum verbraucht im Meerwasser gelöstes CO2. 2. Sargassum bietet krustenbildenden Organismen einen Lebensraum. Deren Kalkbildung bindet Kohlenstoff, das für die Photosynthese der Algen nicht mehr zur Verfügung steht. 3. Sargassum braucht für sein Wachstum Nährstoffe, die dem Phytoplankton fehlen, wodurch die natürliche Kohlenstoffbindung durch Phytoplankton verringert wird. 4. Durch die starke CO2-Aufnahme von Sargassum nimmt der Kohlenstoffgehalt des Meerwassers ab. Dieses könnte unter die Oberflächenschicht absinken, bevor es ein vollständiges Gleichgewicht mit dem atmosphärischen CO2 erreicht hat. 5. Sargassum-Biomasse kann geerntet, an Land transportiert und für Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS) genutzt werden. Bei der Nutzung als Bioenergie würde CO2 wieder in die Atmosphäre freigesetzt werden. 6. Alternativ könnte Sargassum am Meeresboden abgelagert werden und erst nach Jahrhunderten bis Jahrtausenden wieder an die Oberfläche gelangen. Im Vergleich zu einer landbasierten Aufforstung sind das wesentlich längere Zeiträume, die das CO2 der Atmosphäre entzogen wäre. 7. Im Gegensatz zur Aufforstung auf dem Landn, wo Wälder eine dunkle Oberfläche besitzen und daher die Albedo verringern, erhöht Sargassum die Albedo an der Meeresoberfläche und verstärkt damit die CDR-Maßnahme.[23]


Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Christianson, A.B., A. Cabré, B. Bernal et al. (2022): The Promise of Blue Carbon Climate Solutions: Where the Science Supports Ocean-Climate Policy. Front. Mar. Sci. 9:851448. doi: 10.3389/fmars.2022.851448
  2. 2,0 2,1 Rischer, C., I.S. Gonzatti, D.A. Friess et al. (2026): An ecosystem of carbon dioxide removal reviews – part 2: CO2 removal via blue carbon ecosystems, Energy Environ. Sci., 2026, Advance Article
  3. Matera, E. (2024): Seetangwälder als Klimaschützer: Die unterschätzten Ökosysteme
  4. Eger, A.M., N. Eddy, T.A. McHugh et al. (2024): State of the world’s kelp forests, One Earth 7, 11
  5. NOAA (o.J.): Kelp Forests
  6. Watanabe, K., G. Yoshida, M. Hori et al. (2020): Macroalgal metabolism and lateral carbon flows can create significant carbon sinks, Biogeosciences, 17, 2425–2440
  7. Pessarrodona, A., R.M. Franco-Santos, L.S. Wright et al. (2023): Carbon sequestration and climate change mitigation using macroalgae: a state of knowledge review, Biol. Rev., 98, 1945 —1971, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/brv.12990
  8. CDRmare (2022): Verstärkte Kohlenstoff-Speicherung durch die Ausweitung der Wiesen und Wälder des Meeres. DOI 10.3289/CDRmare.08
  9. 9,0 9,1 IPCC AR6 WGII (2022): Oceans and Coastal Ecosystems and Their Services, 3.4.2.3
  10. 10,0 10,1 Arafeh-Dalmau, N., J.C. Villaseñor-Derbez, D.S. Schoeman et al. (2025): Global floating kelp forests have limited protection despite intensifying marine heatwave threats. Nat Commun 16, 3173
  11. Freitas, C., M. O’Brien, S. Andrews and P. Francis (2023): A Reef Like no Other: The Great Southern Reef. Front. Young Minds. 11:933489
  12. Schiffmann, R. (2026): Efforts to Save Kelp Forests from Ocean Warming Are Ramping Up
  13. Michaud, K.M., D.C. Reed & R.J. Miller (2022): The Blob marine heatwave transforms California kelp forest ecosystems, Commun Biol 5, 1143
  14. CDR=Carbon Dioxid Removal (Kohlendioxid-Entnahme)
  15. Berger, M., L. Kwiatkowski, D.T. Ho and L. Bopp (2023): Ocean dynamics and biological feedbacks limit the potential of macroalgae carbon dioxide removal, Environ. Res. Lett.
  16. Duarte, C.M., J. Wu, X. Xiao et al. (2017): Can Seaweed Farming Play a Role in Climate Change Mitigation and Adaptation? Front. Marine Sci. 4, 1-8
  17. 17,0 17,1 Miller, K.I., C.O. Blain and N.T. Shears (2022): Sea Urchin Removal as a Tool for Macroalgal Restoration: A Review on Removing “the Spiny Enemies”. Front. Mar. Sci. 9:831001
  18. Robledo, D., E. Vázquez-Delfín, Y. Freile-Pelegrín et al. (2021): Challenges and Opportunities in Relation to Sargassum Events Along the Caribbean Sea. Front. Mar. Sci. 8:699664
  19. 19,0 19,1 Robledo, D., E. Vázquez-Delfín, Y. Freile-Pelegrín et al. (2021): Challenges and Opportunities in Relation to Sargassum Events Along the Caribbean Sea. Front. Mar. Sci. 8:699664
  20. 20,0 20,1 20,2 20,3 UNEP - Caribbean Environment Programme (2021): Sargassum White Paper – Turning the crisis into an opportunity
  21. 21,0 21,1 21,2 Fernández Mendez, M., J. Schnetzer & V. Smetacek (2023): Sequestrierung und Speicherung von Kohlenstoff im Meer durch Sargassum-Aquakulturen. In: Lozán J. L., H. Graßl, S.-W. Breckle, D. Kasang & M. Quante (Hrsg.). Warnsignal Klima. S. 96-102.www.warnsignal-klima.de. DOI:10.25592/warnsignal.klima.climate.engineering.14
  22. Oxenford, H.A., S.-A. Cox, B.I. van Tussenbroek, and A. Desrochers (2021: Challenges of Turning the Sargassum Crisis into Gold: Current Constraints and Implications for the Caribbean, Phycology 1, no. 1: 27-48.
  23. Bach, L.T., V. Tamsitt, J. Gower et al. (2021): Testing the climate intervention potential of ocean afforestation using the Great Atlantic Sargassum Belt. Nat Commun 12, 2556

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