Neue Szenarien für den 7. IPCC-Bericht: Unterschied zwischen den Versionen

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Mittlere Emissionen bis 2040, gefolgt von einem graduellen Rückgang auf
Mittlere Emissionen bis 2040, gefolgt von einem graduellen Rückgang auf
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Netto-Null-CO<sub>2</sub> bis 2100. Die Bemühungen zur Minderung der Emissionen bleiben unter dem Niveau des [[Verbleibendes CO2-Budget|Pariser Klimaabkommens]]. Netto-Null-[[Kohlendioxidemissionen|CO<sub>2</sub>-Emissionen]] werden erst gegen Ende des Jahrhunderts erreicht und streben dann 1,5 °C an.
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Aktuelle Version vom 8. Juni 2026, 09:35 Uhr

Abb. 1: Das Schlimmste vermieden! Das Ziel verfehlt!

Das Schlimmste vermieden - das Ziel verfehlt

Etwa alle 7 Jahre gibt der Weltklimarat IPCC einen Sachstandsbericht über den aktuellen Stand der Klimaforschung heraus. Dabei wertet der IPCC die Ergebnisse der internationalen Klimaforschung aus, ohne selbst Klimaforschung zu betreiben. Der 6. Bericht erschien 2021/22. Im Vorlauf des 7. Berichts, der 2028/29 erscheinen soll, erschien im April 2026 eine Darstellung von neuen Szenarien.[1] Sie beschreiben mögliche Entwicklungspfade des künftigen Klimas und sind Grundlage späterer Modellrechnungen. Diese Szenarien enthalten deutliche Änderungen gegenüber den beiden früheren Berichte, was erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit erregt hat. Der Hauptgrund war, dass das höchste Szenario der beiden letzten IPCC-Berichte als nicht mehr plausibler Weg der künftigen Klimaentwicklung gestrichen wurde.

Bekannte Klimaleugner sahen darin ein Eingeständnis des IPCC, die Welt bisher über die zukünftige Entwicklung des Klimas und seiner Folgen getäuscht zu haben.[2] Dass nicht der IPCC, sondern ein unabhängiges Forscherteam die neuen Szenarien entworfen hat, ist dabei nur ein Nebenaspekt. Wesentlich ist, dass die Streichung des Szenarios keine Rücknahme eines Irrtums ist, sondern eine Reaktion darauf, dass die Wirklichkeit sich geändert hat.[3] Das bisher hohe Szenario RCP8.5 (das später in SSP5 bzw. SSP5-8.5 umbenannt wurde) bezog sich auf eine mögliche Welt mit einem sehr hohen Energieverbrauch, der nahezu ausschließlich mit fossilen Energien bestritten wird. In den neuen Szenarien wird dieser Weg für nicht mehr plausibel gehalten, weil der wachsende Energiebedarf in den letzten Jahren zunehmend mit erneuerbaren und CO2-freien Energieressourcen bestritten wurde, die zudem immer billiger geworden sind. Die Streichung dieses hohen Szenarios ist also ein Erfolg des weltweiten Klimaschutzes. Eine Erwärmung um 4,5 °C bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aufgrund des fossilen Szenarios RCP8.5 ist nicht mehr zu erwarten.[4]

Eine Erwärmung von 4,5 °C entspricht ungefähr der Differenz zwischen heute und dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren und würde kaum vorstellbare Lebensverhältnisse auf der Erde zur Folge haben. Leider ist damit aber ein gefährlicher Klimawandel nicht ausgeschlossen. Auf der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen 2015 in Paris wurde eine globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, idealerweise sogar auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau als Ziel bestimmt, um gefährliche Folgen für die menschliche Gesellschaft und natürliche Ökosysteme abzuwenden. Das 1,5-Grad-Ziel wird jedoch in den neuen Szenarien für den 7. IPCC-Bericht ebenso ausgeschlossen, weil es nicht mehr erreichbar ist. Bei einer Fortsetzung der aktuellen Klimapolitik würde die Erde sich bis 2100 um 2,8 °C erwärmen (in Abb. 2 das Szenario „Mittel“).[1]

Abb. 2: Treibhausgasemissionen in CO2-Äquivlante und Temperaturänderungen in °C der Szenarien für den 7. IPCC-Bericht

Sieben neue Szenarien

Die Szenarien für den 7. Bericht des IPCC beinhalten sieben neue Entwicklungspfade, die im Folgenden beschrieben werden. Die Erweiterung auf die Zeit bis 2500 findet hier keine Berücksichtigung und kann in der Darstellung von van Vuuren et al. (2016)[1] nachgelesen werden.

Hoch

Das Szenario zeigt das obere Ende der Treibhausgasemissionen. Angenommen werden folgende Trends: Rückbau politischer Maßnahmen, mangelnde Kooperation bei der Bewältigung globaler Umweltprobleme, ein verstärktes Interesse an fossilen Energieressourcen, die Verbreitung ressourcen- und energieintensiver Technologien und Lebensstile sowie ein Ausbleiben von Fortschritten bei emissionsarmen Technologien. Ursachen könnten eine mangelnde öffentliche Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen sein, z.B. durch den Widerstand gegen den Bau von Windparks, Befürchtungen um den Verlust von Arbeitsplätzen und ein mögliches Ende der Preisabnahme bei erneuerbaren Energien.

Hoch bis Niedrig

Bis zur Mitte des Jahrhunderts gleicht die Entwicklung dem hohen Emissionsszenario. Anschließend erfolgt eine radikale Kursänderung mit Rückgang auf Netto-Null-CO2-Emissionen bis 2100. Den Anstoß für die Trendwende könnten katastrophalen klimatischen Folgen und deren Kosten geben. Voraussetzung wären technologische Kapazität zur Minderung von Emissionen und international koordiniertes Handeln.

Mittel

Das Szenario geht davon aus, dass die klimapolitischen Anstrengungen auf dem derzeitigen Niveau bis zum Ende des Jahrhunderts fortgeführt werden. Berücksichtigt werden lediglich jene politischen Maßnahmen, die tatsächlich bereits offiziell umgesetzt werden. Nicht berücksichtigt werden politische Zielsetzungen und Ankündigungen.

Mittel bis Niedrig

Mittlere Emissionen bis 2040, gefolgt von einem graduellen Rückgang auf Netto-Null-CO2 bis 2100. Die Bemühungen zur Minderung der Emissionen bleiben unter dem Niveau des Pariser Klimaabkommens. Netto-Null-CO2-Emissionen werden erst gegen Ende des Jahrhunderts erreicht und streben dann 1,5 °C an.

Niedrig

Die Szenarien „Niedrig“, „Sehr niedrig“ und „Niedrig bis negativ“ bewegen sich alle innerhalb des Pariser Abkommens und halten bis 2100 mindestens das 2-Grad-Ziel ein. Das Szenario Niedrig ähnelt den aktuellen Emissionszusagen, wie sie in den nationalen Klimabeiträgen (NDCs, Nationally Determined Contributions) im Rahmen des Pariser Abkommens zugesagt wurden. Um 2070 werden hiernach global Netto-Null-CO2-Emissionen und bis 2100 auch Netto-Null bei den Treibhausgasen insgesamt erreicht, im Wesentlichen durch Verfahren zur Kohlendioxidentnahme.

Sehr Niedrig

Dieses Szenario geht von einem vorübergehenden Überschreiten („Overshoot“) der 1,5°C-Marke in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts aus. In der zweiten Jahrhundethälfte soll dann die Erwärmung auf 1,5 °C begrenzt werden. Als Maßnahmen werden u.a. angenommen: Verringerung des Endenergiebedarfs, Dekarbonisierung der Stromversorgung, weitreichende Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Gebäudesektor, umfassende Verhaltensänderungen in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Konsum, weitreichende Reduzierung von Nicht-CO2-Gasen (vor allem Methan), Netto-Negativ-CO2-Emissionen aus der Landnutzung sowie geologische Speicherung von CO2.

Niedrig bis Negativ

Das Szenario sieht ein höheres Überschreiten als bei dem Szenario „Sehr Niedrig“ vor. Danach soll aber durch Netto-Negativ-CO2-Emissionen das 1.5°C-Ziel erreicht werden. Eine zentrale Frage ist, wieweit Änderungen des Klimasystems durch zunächst höhere Emissionen mit Hilfe von Netto-Negativ-Emissionen rückgängig gemacht werden können.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 van Vuuren, D.P., B.C. O'Neill, C. Tebaldi et al. (2026): The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7), Geosci. Model Dev., 19, 2627–2656
  2. Hausfather, Z., G. Peters & P. Forster (2026): On the death of RCP8.5
  3. UBA (2026): Diskussion um Klimaszenario SSP5-8.5: Klimaschutz bleibt dringend, https://www.umweltbundesamt.de/themen/diskussion-um-klimaszenario-ssp5-85-klimaschutz
  4. CarbonBrief (2026): Factcheck: Trump’s false claims about the IPCC and ‘RCP8.5’ climate scenario, https://www.carbonbrief.org/factcheck-trumps-false-claims-about-the-ipcc-and-rcp8-5-climate-scenario/

Lizenzhinweis

Dieser Artikel ist ein Originalartikel des Klima-Wiki und steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können in den meisten Fällen durch Anklicken dieser Mediendateien abgerufen werden und sind andernfalls über Dieter Kasang zu erfragen.
Kontakt: Dieter Kasang