Plattform

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Plattform ist ein 2001 erschienener Roman des französischen Autors Michel Houellebecq. Kontrovers diskutiert wurde Plattform vor allem wegen der vom Protagonisten vertretenen Thesen zu den Themen Sextourismus und Islamismus. Die Kritik nahm den wenige Wochen vor den Terroranschlägen vom 11. September erschienenen Roman sehr gespalten auf: Manche Rezensenten nannten ihn trivial, pornografisch und effektheischend, andere lobten ihn als visionär.

1 Inhalt

Der 40-jährige Michel arbeitet als Beamter im Pariser Kulturministerium. Tatsächlich haben Kultur und Kunst keine Bedeutung für sein Leben. Seine Freizeit verbringt er damit, Unterhaltungssendungen im Fernsehen und Peepshows anzuschauen bzw. die Dienste von Prostituierten in Anspruch zu nehmen.

Als sein ungeliebter Vater bei einem Streit von einem Moslem erschlagen wird, weil er mit dessen Schwester ein Verhältnis hatte, gibt sich Michel für einen Moment dem Gedanken der Blutrache hin. Er erbt schließlich eine nicht unbeträchtliche Summe, sowie Haus und Auto seines Vaters, und fliegt nach Thailand, um sich, den Rat seiner Kollegin Marie-Jeanne befolgend, zu erholen. Dort verkehrt er ebenfalls mit Prostituierten – und berichtet seinen Mitreisenden in erstaunlicher Offenheit davon. Zwar beginnt er auch, sich für die 27-jährige Französin Valérie zu interessieren. Doch der resignierte Einzelgänger Michel hat sich von seinen Mitmenschen schon stark entfremdet und leider unter Bindungsängsten. Der Gedanke an eine Heirat bereitet ihm größere Bauchschmerzen, als der an eine Beerdigung. Er stößt Valérie wissentlich vor den Kopf, als er auf ihre Frage hin, die Vorzüge der thailändischen Frauen gegenüber den europäischen Frauen erläutert.

Erst als sich Michel und Valérie gleich nach ihrer Rückkehr in Paris wieder treffen, schlafen sie miteinander – und tun dies das folgende Jahr weiter sehr häufig und intensiv. Vor allem die – mitunter deutlich geschilderte – körperliche Leidenschaft verbindet die beiden zunächst. Schnell verlieben sie sich ineinander und ziehen zusammen. Valérie – so erfährt Michel erst in Paris – ist eine erfolgreiche Touristikmanagerin. Zusammen mit ihrem Chef Jean-Yves soll sie eine defizitäre Kette von Urlaubsressorts wieder zum Erfolg führen.

Zur Probe besuchen Michel, Valérie und Jean-Yves einen der Urlaubsclubs auf Kuba. Michel und Valérie leben sich sexuell sowohl bei einer ménage à trois mit einem Putzmädchen, als auch mit einem anderen Pärchen aus. Jean-Yves vergnügt sich mit einer Prostituierten. Nach Michels kritischer Analyse der modernen zivilisierten Gesellschaft, der es an nichts fehlt und die trotzdem oder eben darum keine sexuelle Befriedigung findet, unterbreitet er Jean-Yves einen Vorschlag. Man müsste einen aus dem Katalog buchbaren Sex-Club-Urlaub anbieten.

Jean-Yves ist sofort begeistert. Zusammen mit Valérie macht er sich an die Realisierung der Idee und kann den deutschen Touristikkonzern TUI von seinem neuen Konzept überzeugen. Sogar die hoch gesteckten Erwartungen, die Jean-Yves und Valérie haben, werden von der tatsächlichen Nachfrage nach ihrem Sex-Club-Urlaub noch überboten.

Die drei reisen zur Eröffnung eines neuen Ressorts ins thailändische Krabi. Sie entscheiden, für immer in Krabi bleiben zu wollen. Michel, der noch vor einem Jahr zu lebenslanger Frustration und Depression verdammt schien, glaubt endlich glücklich zu sein.

Doch durch einen islamistischen Terroranschlag auf die „sündige“ Ferienanlage wird das Paar jäh aus seinen Träumen gerissen. Valérie stirbt, Michel hingegen überlebt das Attentat völlig unbeschadet. Psychisch verkraftet er aber Valéries Verlust nicht. Nach mehrmonatigen Aufenthalten in Krankenhäusern und psychiatrischen Anstalten wird er entlassen. Michel reist zurück nach Thailand und lässt sich in Pattaya, der Hauptstadt des Sextourismus in Asien, nieder. Das Glück mit Valérie bleibt für ihn eine Ausnahmeerscheinung, für die er keine Erklärung findet. Was nütze ihm, den Rest (des Lebens) verstanden zu haben, wenn er die Liebe nicht verstanden habe: „Et si je n'ai pas compris l'amour, à quoi me sert d'avoir compris le reste?“.

Ohne jeden Rest von Lebenswillen schreibt er seine Geschichte nieder – und wartet auf den Tod.

2 Weblinks


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