Jean Racine

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Jean Racine (* 21. Dezember 1639 in La Ferté-Milon; † 21. April 1699 in Paris) war einer der bedeutendsten Autoren der französischen Klassik. Er gilt den Franzosen als ihr größter Tragödienautor neben oder gar vor Pierre Corneille.

Jean Racine

1 Leben und Werk

1.1 Kindheit und Jugend

Racine wurde geboren in La Ferté-Milon als Sohn eines dem niederen Amtsadel angehörenden königlichen Salzsteuer-Beamten. Auch seine Mutter stammte aus diesen Kreisen, doch verlor Racine sie als Zweijähriger bei der Geburt einer Schwester. Mit vier verlor er auch seinen Vater und kam zu den Großeltern Racine. Als 1649 der Großvater starb, zog sich die Großmutter in das jansenistische Kloster Port Royal des Champs nahe Versailles zurück und nahm Racine mit. Sicherlich traumatisiert durch die Verluste fast aller Bezugspersonen und der Heimat, besuchte er dort die Schule, die von den „solitaires“ (= Einsiedlern) betrieben wurde, jansenistischen Gelehrten, Theologen und Asketen (z. B. Lemaistre de Sacy oder Claude Lancelot), die sich um das Kloster herum angesiedelt hatten.

1653/1654, nachdem er solide Latein- und auch Griechischkenntnisse erworben hatte, absolvierte er das „rhétorique“ heißende Schuljahr als Internatsschüler im Pariser Collège de Beauvais. 1655, sechzehnjährig, kam er zurück nach Port-Royal, wo er wieder bei den Jansenisten lernte und von ihnen tief geprägt wurde, aber auch klassische lateinische und griechische Theaterstücke las. Zugleich erlebte er die Schikanierung der Jansenisten durch die Staatsgewalt mit und wurde 1658 von der Schließung der Schule von Port-Royal betroffen. Er wechselte nach Paris auf das jansenistische Collège d'Harcourt, um seine Schulzeit mit der „philosophie“ abzuschließen (1659).

Danach fand er Aufnahme bei einem älteren Cousin, der Vermögensverwalter einer Grafenfamilie war und durch den er Zugang zu einigen adeligen Häusern, zur Welt des Theaters und zu schöngeistigen Zirkeln erhielt, wo er u. a. Jean de La Fontaine kennenlernte, einen entfernten Verwandten. Racine war angetan von seinem neuen mondänen Leben und begann dem strengen Jansenismus den Rücken zu kehren. Selbstverständlich schrieb er schon seit längerem, bis dahin allerdings hauptsächlich Lyrik. Jetzt versuchte er sich an einer ersten Tragödie (Théagène et Chariclée, 1660), die jedoch nicht angenommen wurde und verloren ging. Immerhin fiel er dem alten Jean Chapelain positiv auf mit der Ode La nymphe de la Seine à la reine, in der er eine Seine-Nymphe die Ankunft der spanischen Prinzessin Maria-Theresa sowie ihre Hochzeit mit Ludwig XIV. besingen lässt, was ihm eine Gratifikation eintrug.

Seine Verwandten und seine jansenistischen Lehrer waren allerdings entsetzt über so viel Opportunismus. Sie schickten ihn 1661 nach Uzès in Südfrankreich zu einem Onkel, der Großvikar (Stellvertreter) des dortigen Bischofs war und ihn auf die Priesterweihe vorbereiten sowie ihm dann eine Pfründe beschaffen sollte, damit er für den Rest seines Lebens versorgt war.

1.2 Die Anfänge als Dramatiker

Spätestens in Uzès jedoch, wo er sich wie im Exil fühlte, wurde sich Racine seiner schriftstellerischen Ambitionen bewusst. Er kehrte also 1663 nach Paris zurück und versuchte, seine Kontakte wiederzubeleben und neue zu knüpfen, wobei er u. a. Nicolas Boileau und Molière kennen lernte. Für dessen Truppe verfasste er die von dem blutigen Streit der Ödipus-Söhne handelnde Tragödie La Thébaïde ou les frères ennemis (= Die Thebais oder die feindlichen Brüder, 1663/1664). Das Stück hatte nur geringen Erfolg, doch erlangte Racine mit seiner Ode sur la convalescence du Roi (= Ode über die Genesung des Königs) erneut den Beifall Chapelains und kam auf dessen Vorschlag mit 600 Francs jährlich auf die königliche Pensions-Liste für verdiente Literaten. Wenig später wurde er durch einen hochadeligen Gönner am Hof eingeführt.

Sein nächstes Stück, Alexandre (1665), war eher romanesk. Immerhin übte sich Racine in der nuancierten Darstellung der Liebe, die in den nachfolgenden Stücken eine Schlüsselrolle spielen sollte. Regisseur war wiederum Molière, doch war Racine trotz des passablen Erfolgs mit der Inszenierung nicht zufrieden. In Zukunft gab er seine Stücke deshalb der Truppe des Hôtel de Bourgogne, die auf Tragödien spezialisiert war.

Ende 1667 erzielte er dort mit Andromaque seinen Durchbruch. Zugleich hatte er sein Thema gefunden: das der schicksalhaften, leidenschaftlichen, aber unerfüllten und eifersüchtigen Liebe, die die Liebenden in ihrer Eifersucht bis zum Äußersten und in den Untergang treibt. Die Rolle der Titelheldin spielte Mlle du Parc, eine junge Schauspielerin, die Racine bei Molière abgeworben hatte und die bis zu ihrem frühen Tod Ende 1668 seine Geliebte war.

1.3 Die Zeit des Erfolgs

Nach dem Erfolg von Andromaque wurde Racine von seinen Bewunderern auf eine Stufe gestellt mit seinem älteren Kollegen Pierre Corneille. Er verkehrte am Hof und erhielt ab 1667 800 und ab 1668 sogar 1200 Livres jährlich aus der königlichen Schatulle. Bei den Jansenisten war er allerdings unbeliebt, nachdem er 1666 einen ironischen offenen Brief an den jansenistischen Moral-Theologen Nicole verfasst hatte, der Romanciers und Dramatiker als „Seelenvergifter der Gläubigen“ gebrandmarkt hatte.

Durch seine Erfolge beflügelt, versuchte Racine 1668, auch Molière Konkurrenz zu machen mit der von Aristophanes' Wespen inspirierten Komödie Les plaideurs (= Die Prozesshansel). 1669 begab er sich mit der Tragödie Britannicus auf Corneilles Spezialgebiet, die Verarbeitung römischer Stoffe. Auch das nächste, „römische“ Stück, Bérénice (1670), war eine Herausforderung an Corneille, der zur gleichen Zeit von Molière ein ähnliches Stück, Tite et Bérénice, herausbringen ließ.

Nachdem Racine tatsächlich Corneille in der Gunst des Publikums geschlagen hatte (und inzwischen auch bei dem allmächtigen Minister Colbert aus und ein ging), wechselte er mit dem Intrigenstück Bajazet (1672) in die jüngere türkische Geschichte. Frankreich war nämlich gerade mit dem Sultan gegen den deutschen Kaiser verbündet, und „turqueries“ waren in Mode.

Nach dem Erfolg von Bajazet war Racine Herr der Pariser Bühne. 1673 wurde er in die Académie française gewählt.

Mit Mithridate (1673) schrieb er nochmals ein „römisches“, Corneille Konkurrenz machendes Stück, kehrte dann aber in die Welt der griechischen Mythologie zurück mit Iphigénie en Aulide (= Iphigénie in Aulis), die auf einem Fest des Königs anlässlich der formellen Annexion der Franche-Comté (1674) uraufgeführt wurde. Im selben Jahr 1674 erhielt er von Ludwig XIV. das nicht unbedeutende, ihn selbst aber kaum mit Arbeit belastende Amt eines trésorier de France (= Schatzmeister von Frankreich) zugewiesen. 1676 erschien eine Sammelausgabe seiner Stücke.

Anfang 1677 wurde Phèdre aufgeführt, sein neben Andromaque wohl bestes Stück. Der Erfolg war jedoch nur gering. Als dagegen ein gleichnamiges mittelmäßiges Stück von Pradon ostentativ gelobt und beklatscht wurde, zog sich Racine zugunsten seiner anderen Aktivitäten vom Theater zurück. Auch heiratete er: die fromme und reiche, entfernt verwandte Catherine de Romanet, mit der er sieben Kinder haben sollte.

1.4 Die späteren Jahre

Schon 1676 war er, zusammen mit dem befreundeten Boileau, zum Historiographe du roi (= Königlicher Chronist) ernannt worden und musste hinfort an den Feldzügen von Ludwig XIV. teilnehmen, um sie zu protokollieren (1678 Belagerung von Gent, 1692 Belagerung von Namur). Seine und Boileaus Aufzeichnungen wurden später jedoch bei einem Brand vernichtet. Ab 1685 war Racine Vorleser bei Ludwig und seiner „linker Hand“ (morganatisch) angetrauten frommen Gattin Madame de Maintenon. Von dieser ließ er sich 1688 und 1690 nochmals zum Stückeschreiben bewegen und verfasste die religiöse Stoffe behandelnden Esther und Athalie, die zur Aufführung in dem adeligen Kloster und Mädchenpensionat Saint-Cyr bestimmt waren und dort erfolgreich von Pensionärinnen aufgeführt wurden. Theologen bekrittelten sie allerdings als weltliche Profanierung geistlicher Gegenstände.

1690 erreichte Racine den Höhepunkt seiner Höflingskarriere mit der Ernennung zum königlichen Kammerherrn (gentilhomme ordinaire de la chambre du roi), womit die Erhebung in den Adelsstand verbunden war.

Inzwischen war er wieder fromm geworden und verfasste entsprechend geistliche Lyrik (Chants spirituels, 1694). Allmählich, zunächst aber nur heimlich, näherte er sich wieder dem strenggläubigen Jansenismus seiner Jugendzeit an. 1694 erregte er den Unwillen des Königs, weil er beim Pariser Erzbischof für das nach wie vor als geistiges Zentrum der Jansenisten fungierende Kloster Port Royal einzutreten versucht hatte. Als er 1698 mit einem Abrégé de l'histoire de Port-Royal (= Abriss der Geschichte von Port-Royal) seine Sympathien auch öffentlich zeigte, ließ ihn Ludwig in Ungnade fallen.

Abseits vom Hof verlebte Racine seine letzten Monate in Verbitterung, wenn auch als reicher Mann und als Patriarch im Kreis seiner großen Familie.

2 Werke

3 Bedeutung und Wirkung

4 Unterricht

5 Literatur

6 Weblinks

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