Alain Robbe-Grillet

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Alain Robbe-Grillet (* 1922 in Brest) ist ein französischer Autor, Literaturtheoretiker und Filmemacher. Er gilt als theoretischer Begründer des nouveau roman und als einer der wichtigsten Vertreter dieser Literaturbewegung der 1950er bis 1970er Jahre.

1 Biographie

Alain Robbe-Grillet wurde in eine Familie von Wissenschaftlern und Ingenieuren hineingeboren. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er in einer deutschen Panzerfabrik. Zwischen 1945 und 1951 studierte er Statistik und Landwirtschaft in Paris. Als Agronom hat er anschließend auf Martinique gearbeitet und ab 1955 als literarischer Berater in der Les Editions de Minuit, in der u.a. Nathalie Sarraute, Michel Butor, Jacques Derrida, and Pierre Bourdieu veröffentlichten. Sein 1951 geschriebener Roman Les gommes (Ein Tag zuviel) machte ihn zu einem der führenden Vertreter des nouveau roman. Ihm folgten 1955 Le voyeur (Der Augenzeuge), 1957 La jalousie (Die Jalousie oder die Eifersucht), 1959 Dans le labyrinthe, 1959 (Die Niederlage von Reichenfels). In dem Essay Pour un Nouveau Roman (Argumente für einen neuen Roman) von 1963 formulierte Robbe-Grillet das Konzept für einen neuen, dem realistischen und psychologischen Roman der Tradition abgewandten Roman. In den 1960er Jahren begann er auch Drehbücher zu schreiben, u. a. für Alain Resnais’ Film „Letztes Jahr in Marienbad“, und Filme zu drehen.

2 Werk

Robbe-Grillet ist neben Nathalie Sarraute und Michel Butor einer der Hauptvertreter, wenn nicht gar der wichtigste Vertreter des nouveau roman, einer experimentellen Literaturbewegung im Frankreich der 1950er bis 1970er Jahre, die sich vom klassischen Roman in der Tradition Balzacs und Flauberts mit seiner geschlossenen Handlung und seinem individuellen Helden abwendet. Bei Robbe-Grillet steht im Mittelpunkt des Romangeschehens eine Dingwelt, aus der das Verhalten des Helden, seine Psychologie und seine Motive nur indirekt ableitbar sind. Robbe-Grillet, der auch als Theoretiker des nouveau roman hervortrat, wendet sich gegen jede Vermenschlichung der Dinge, wie er sie auch noch im Werk Camus' sieht: "Die Welt ist weder sinnvoll noch absurd. Sie ist." Dem traditionellen Roman, und auch noch den Romanen seiner existenzialistischen Zeitgenossen Sartre ("Der Ekel") und Camus ("Der Fremde"), wirft Robbe-Grillet vor, die Dinge mit psychologischen, moralischen und metaphysischen Metaphern zu beschreiben, so dass sie uns vertraut erscheinen. Er fordert dagegen, die Welt so fremd darzustellen, wie sie dem Menschen gegenüber ist. Dieser 'neue Dingroman' (Zeltner-Neukomm) wird wohl am konsequentesten in Robbe-Grillets zweitem veröffentlichten Roman "Der Augenzeuge" künstlerisch überzeugend gestaltet.

3 Literatur

  • Zeltner-Neukomm, Gerda: Das Wagnis des französischen Gegenwartromans, Reinbek bei Hamburg 1960

4 Weblinks

Alain Robbe-Grillet Linksammlung auf dem Hamburger Bildungsserver


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