Starkregen und Hochwasser in Südasien

Aus Klimawandel
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1 Die Hochwasserkatastrophe im Sommer 2010 in Pakistan

Im Sommer 2010 hat das Hochwasser in Pakistan, das schätzungsweise 20 % des Landes unter Wasser setzte, fast 2000 Tote verursacht, insgesamt waren 20 Millionen Menschen davon betroffen, und der Schaden wird auf 40 Milliarden US$ geschätzt.[1]

Die Hochwasserkatastrophe in Pakistan wurde hauptsächlich durch extrem hohe Niederschläge verursacht.[2] Daneben spielten auch Landschaftsveränderungen wie Abholzungen von Wäldern eine Rolle. An einigen Messstationen fielen an einem einzigen Tag bis 280 mm Niederschlag. Das entspricht ungefähr der Menge, die in Deutschland im Mittel über einen ganzen Sommer fällt. Über den ganzen Monat Juli fielen an etlichen Orten über 500 mm Niederschlag, was drei- bis zehnmal soviel ist wie im langjährigen Julimittel.

Unmittelbare Ursache der starken Niederschläge war der Indische Sommermonsun. Der Monsun wird angetrieben durch den Temperatur- und Druckgegensatz zwischen Land und Meer, der je nach Jahreszeit wechselt. Im Winter herrschen tiefere Temperaturen und höherer Druck über dem Land, im Sommer über dem Meer. Der Monsun weht daher im Winter vom Land aufs Meer, im Sommer vom Meer aufs Land. Während der Wintermonsun trocken ist, bringt der Sommermonsun starke Niederschläge über die an den Indischen Ozean angrenzenden Landmassen. Die meisten Niederschläge fallen durch eine Monsunströmung, die über den Golf von Bengalen und Bangladesch bis in den Nordwesten Indiens reicht. Dabei sind die Regenfälle mit 1400 mm während der Sommermonsunzeit besonders ergiebig über dem Nordosten Indiens, während im Nordwesten nach Pakistan hin nur etwa 480 mm fallen.[3] In der Regel reicht die Monsunströmung auch nicht wie im Sommer 2010 bis nach Nordost-Pakistan hinein. Der Monsun war also im Sommer 2010 im Nordosten Pakistans besonders stark ausgebildet und besonders niederschlagsreich.

Worin liegen die Gründe für die besondere Monsunsituation im Sommer 2010 über dem Nordosten Pakistans? Im Allgemeinen wird als Erklärung der Einfluss des La-Niña-Phänomens herangezogen.[2] Dabei handelt es sich um eine ungewöhnliche Abkühlung der Meeresoberflächentemperatur im östlichen äquatorialen Pazifik, dem Gegenpol von El Niño. Während El-Niño-Ereignisse in der Regel eine Schwächung der indischen Monsunströmung im Sommer verursachen, bewirkt ein La-Niña-Ereignis das Gegenteil. Ein solches Ereignis hat im Sommer 2010 im Golf von Bengalen für die Bildung von starken Monsuntiefs gesorgt, die dann regenreiche Luft bis nach Nordost-Pakistan transportiert haben. In der zweiten Juli-Hälfte bildete sich zudem ein stationäres Tief über dem Nordwesten Indiens aus, das feuchte Luftmassen in den Norden Pakistans lenkte.[4] So gesehen sind die starken Regenfälle ein natürliches Phänomen und sind nicht im Zusammenhang mit dem anthropogenen Treibhauseffekt zu sehen. Ein Trend zu mehr starken Niederschlägen sei über Indien während der letzten 150 Jahre auch nicht festzustellen.[4] Pakistanische Daten zu Starkregentagen zeigen dagegen durchaus einen Anstieg seit 1998, sind aber für eine Trendfeststellung zu kurz.[5]

Eine andere Erklärung der starken Niederschläge in Pakistan im Sommer 2010 bringt sie mit einer blockierenden Wetterlage des Polarjetstreams in Zusammenhang, die auch für die gleichzeitige russische Hitzewelle verantwortlich gewesen sei. Bei einer Blockierenden Wetterlage setzen sich größere Hoch- und Tiefdruckgebiete über mehrere Tage fest und können im Sommer Hitzewellen auf der einen und Starkniederschläge auf der anderen Seite bewirken. So lag im Sommer 2010 ein Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa und Pakistan/Indien und dazwischen eine Hochdruckzelle über Russland. Ein Zusammenhang der ungewöhnlichen Blockierenden Wetterlage mit der globalen Erwärmung ist umstritten.

2 Einzelnachweise

  1. Webster, P.J., et al. (2011): Were the 2010 Pakistan floods predictable?, Geophysical Research Letters 38, doi:10.1029/2010GL046346
  2. 2,0 2,1 DWD Pressemitteilung vom 12.8.2010: Flutkatastrophe in Pakistan aus klimatologischer Sicht
  3. Dash, S.K. (2009): Changes in the characteristics of rain events in India, Journal of Geophysical Research 114, doi:10.1029/2008JD010572
  4. 4,0 4,1 Khandekar, M.L. (2010): 2010 Pakistan Floods: Climate Change or Natural Variability?, CMOS Bulletin SCMO Vol.38, No.5, October 2010, 165-167
  5. Webster, P.J., et al. (2011): Were the 2010 Pakistan floods predictable?, Geophysical Research Letters 38, doi:10.1029/2010GL046346


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