Hochwasser in Deltagebieten: Unterschied zwischen den Versionen

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Den durch den [[Klimawandel]] zunehmenden Gefahren in den großen Deltas der Welt zu begegnen stellt eine immense Herausforderung dar. Lösungen etwa wie das Deltawerk im Rhein-Delta, das große, auch unterhalb des Meeresspiegels liegende Gebiete vor den Einwirkung des Meeres schützt, sind nur für wohlhabende Länder umsetzbar. Staaten wie Bangladesch oder Indien sind auf günstigere Schutzmaßnahmen angewiesen wie befestigte Bauten, die dazu gedacht sind, vor allem das Leben der Bevölkerung zu bewahren.  
 
Den durch den [[Klimawandel]] zunehmenden Gefahren in den großen Deltas der Welt zu begegnen stellt eine immense Herausforderung dar. Lösungen etwa wie das Deltawerk im Rhein-Delta, das große, auch unterhalb des Meeresspiegels liegende Gebiete vor den Einwirkung des Meeres schützt, sind nur für wohlhabende Länder umsetzbar. Staaten wie Bangladesch oder Indien sind auf günstigere Schutzmaßnahmen angewiesen wie befestigte Bauten, die dazu gedacht sind, vor allem das Leben der Bevölkerung zu bewahren.  
 
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Aktuelle Version vom 30. November 2019, 16:41 Uhr

Wichtige Deltas weltweit nach Fläche (Kreisgröße) und Bevölkerungsdichte (Kreisfarbe)

1 Deltas und ihre Bedeutung

Deltas sind das Ergebnis von Ablagerungen großer Flüsse, die sehr fruchtbare und tief liegende Küstenebenen geschaffen haben. Hier treffen die natürlichen Prozesse der Sedimentablagerungen, Erosion und Bodenabsenkungen aufeinander, was über lange Zeiträume zum Ausgleich, aber auch zum Schrumpfen oder Wachsen von Deltagebieten führen kann. Durch die fruchtbaren Böden und die günstige Verkehrslage waren Deltas seit jeher wichtige Gebiete menschlicher Entwicklung und das Ziel von Zuwanderungen. Viele Deltas sind zu Kornkammern ihrer Regionen geworden, was wiederum zur Entwicklung von großen städtischen und Verkehrszentren geführt hat.[1] In den letzten 100 Jahren ist die Bevölkerung in Deltagebieten dramatisch gestiegen, so dass Deltas heute zu den Regionen mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Erde gehören. Seit des 20. Jahrhunderts sind einige Megastädte in Deltas entstanden, die wie z.B. Kairo, Dhaka, Kalkutta oder Shanghai hohe Wachstumsraten zeigen. Gegenwärtig leben und arbeiten 600 Mio. Menschen in und am Rande von Deltas.[2]

Landschaft im Mekong-Delta

Dicht bevölkerte Deltas finden sich vor allem in Süd-, Südost- und Ostasien. Das größte Delta im Hinblick auf die Fläche ist das Amazonas-Delta, gefolgt vom Ganges-Brahmaputra-Meghna- und dem Mekong-Delta. Das Delta mit der größten Bevölkerung ist das Ganges-Brahmaputra-Meghna-Delta mit mehr als 130 Mio. Einwohnern. In weiteren acht großen Deltas rund um den Himalaya wie dem Mekong-Delta in Vietnam, dem Irawadi-Delta in Myanmar oder dem Perl-Fluss-Delta in China leben weitere 195 Mio. Menschen, mit Bevölkerungsdichten von 400-5000 pro km2. Weitere große Bevölkerungsdichten finden sich im Mahanadi-Delta an der indischen Ostküste, im Rhein-Delta in den Niederlanden, im Mississippi-Delta in den USA, im Nil-Delta in Ägypten und im Volta-Delta in Ghana.[2]

Schematische Darstellung einer natürlichen (links) und einer durch den Menschen veränderten Delta-Landschaft

2 Gefährdungen von Deltas

Von den 33 größten Deltas der Welt sind 28 durch Überflutungen als Folge des Meeressspiegelanstiegs gefährdet. Das Risiko wird darin deutlich, dass Deltas wichtige Gebiete für die Nahrungsmittelproduktion der jeweiligen Länder und darüber hinaus sind. In den großen Deltas von Süd- und Südost-Asien werden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich rund 20 % des Landes verloren gehen, wenn sie nicht durch Deiche geschützt werden. Die gegenwärtige Rate des relativen Meeresspiegelanstiegs in den 46 großen Deltas der Welt liegt bei 6,8 mm/Jahr und ist damit doppelt so hoch wie der globale Trend.[3]

Verstärkt wird die Hochwassergefahr durch die Absenkung des Bodens infolge von Grundwasserentnahme für die Trinkwasserversorgung, die Bewässerung in der Landwirtschaft und die Industrie. Viele Deltas sind wichtige Reisanbaugebiete, neuerdings auch wichtige Räume der Aquakultur. Damit verbunden ist eine Entwaldung in der Küstenzone, wie z.B. der Mangrovenwälder in den Sundarbans im Ganges-Brahmaputra-Meghna-Delta, die das Land vor Sturmfluten schützen.[2] Hinzu kommt, dass die natürlichen Sedimentablagerungen in den letzten Jahrzehnten durch menschliches Einwirken stark eingeschränkt wurden. Zum einen wurden an den Oberläufen der Flüsse zahlreiche Dämme und Stauseen zur Stromgewinnung und Bewässerung angelegt, die die Flusssedimente zurückhalten. Zum anderen verhindern Eindeichungen von Nutzflächen im Delta selbst die Sedimentation.[3] Neuere Forschung legt nahe, dass 85 % der Fluss-Deltas rund um die Erde durch die Rückhaltung der Sedimente am Oberlauf der Flüsse seit Beginn dieses Jahrhunderts an Fläche verloren haben.[1] Das durch Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten weiter vordringende Meerwasser führt außerdem zum Eindringen von Salzwasser und damit zur Schädigung von Ackerböden und Verarmung von Ökosystemen.

Den durch den Klimawandel zunehmenden Gefahren in den großen Deltas der Welt zu begegnen stellt eine immense Herausforderung dar. Lösungen etwa wie das Deltawerk im Rhein-Delta, das große, auch unterhalb des Meeresspiegels liegende Gebiete vor den Einwirkung des Meeres schützt, sind nur für wohlhabende Länder umsetzbar. Staaten wie Bangladesch oder Indien sind auf günstigere Schutzmaßnahmen angewiesen wie befestigte Bauten, die dazu gedacht sind, vor allem das Leben der Bevölkerung zu bewahren.

3 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Loucks, D.P. (2019): Developed river deltas: are they sustainable?, Environmental Research Letters, 14 113004, https://doi.org/10.1088/1748-9326/ab4165
  2. 2,0 2,1 2,2 Nicholls, R.J., W.N. Adger, C.W. Hutton & S.E. Hanson (eds.) (2020): Deltas in the Anthropocene, https://doi.org/10.1007/978-3-030-23517-8
  3. 3,0 3,1 Darby, S.E., K.A. Addo, S. Hazra, Md.M. Rahman, and R.J. Nicholls (2020): Fluvial Sediment Supply and Relative Sea-Level Rise, in: Nicholls, R.J., W.N. Adger, C.W. Hutton & S.E. Hanson (eds.): Deltas in the Anthropocene, https://doi.org/10.1007/978-3-030-23517-8

4 Siehe auch:



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