Permafrost

Aus Klimawandel
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Verbreitung von Permafrost auf der Nordhalbkugel Dunkelblau: zusammenhängender Permafrost, blau: unzusammenhängendes Vorkommen, hellblau: sporadisches Vorkommen

1 Verbreitung

In Gebieten, in denen die Temperatur über mehrere Jahre unter 0 oC liegt, bildet sich dauerhaft gefrorener Boden, der so genannte Permafrost. Große Areale von Permafrost gibt es in den Tundren und borealen Waldgebieten Nordamerikas und Eurasiens. Permafrost findet sich in geringer Ausdehnung außerdem in eisfreien Gebieten der Antarktis, auf einigen subantarktischen Inseln, in Hochgebirgen sowie als Relikt der letzten Kaltzeit am Boden der Schelfgebiete des Arktischen Ozeans. Das gesamte von Permafrost eingenommene Gebiet auf der Nordhalbkugel beträgt etwa 23 Millionen km2, was fast 24 % der Landflächen nördlich des Äquators entspricht.[1] Die Mächtigkeit kann zwischen über 1000 bis zu wenigen Metern schwanken. Die Bildung von Permafrost wird wesentlich durch die Kontinentalität des Klimas begünstigt. So haben die geringen Winterniederschläge in Sibirien ein Gefrieren des Erdbodens bis in Tiefen von mehreren Hundert Metern und eine Ausdehnung des Permafrosts bis in mittlere Breiten zur Folge, da hier eine schützende Schneedecke nur wenig ausgebildet ist.

Profil der Permafrostzone in Alaska zwischen 60° und 70° n.Br.

2 Permafrost in hohen Breiten

2.1 Erwärmung

Die Temperaturen im Permafrost sind ein sensibler Indikator für Klimaschwankungen in Zeitskalen von Jahrzehnten und Jahrhunderten. In den letzten Jahrzehnten ist die Temperatur im Permafrost der Nordhalbkugel deutlich gestiegen. So sind die Oberflächentemperaturen im Permafrost am Nordrand von Alaska seit den 1980er Jahren um 3 oC und im Norden Kanadas um 2 oC angestiegen. Auch in Sibirien gab es in den oberen Schichten des Permafrosts Temperaturanstiege um ca. 2 oC, und in Tibet haben die Permafrost-Temperaturen um 0,5 oC und im Nordosten Chinas um bis zu 1,5 oC zugenommen.[1] Die Ursache für die Erwärmung des Permafrostbodens liegt nicht nur in der Erwärmung der Atmosphäre, sonder auch in der höheren Schneebedeckung, die eine geringere Auskühlung des Bodens im Winter zur Folge hat.

Permafrostgebiete um das Jahr 2050. Dunkelblau: zusammenhängender Permafrost, blau: unzusammenhängendes Vorkommen, hellblau: sporadisches Vorkommen.

2.2 Verringerung der Permafrostgebiete

Die Folgen der Erwärmung sind in vielen Gebieten eine Verringerung der räumlichen Ausdehnung der Permafrostgebiete und der Mächtigkeit des dauerhaft gefrorenen Bodens sowie eine Vertiefung des über dem Permafrost liegenden Auftaubodens. Die Südgrenze der Permafrostzonen wandert durch die Erwärmung nach Norden. Zusammenhängende Permafrostgebiete werden teilweise durch unzusammenhängende und diese durch sporadische Permafrostzonen ersetzt. Modellprojektionen ergeben eine Verringerung der Permafrostgebiete der Nordhemisphäre bis 2080 um ca. ein Drittel und eine Zunahme der saisonalen Tiefe des Auftaubodens um bis zu 50% und mehr, bei allerdings relativ großen Differenzen zwischen den einzelnen Modellen.[1] So ergibt eine Modellsimulation eine Verringerung der Ausdehnung der zusammenhängenden Permafrostzone von gegenwärtig 10,5 auf etwa 1 Million km2 im Jahre 2100 nach dem A2-Emissions-Szenario des IPCC.[2]

2.3 Folgen für Ökosysteme und Infrastruktur

Die Auflösung von Permafrost und die Vertiefung des Auftaubodens haben weit reichende Folgen für Ökosysteme und Infrastrukturanlagen. Eine wichtige Konsequenz ist die Bildung von Thermokarst. Dabei handelt es sich um Bodenabsenkungen und -einbrüche, die vermooren und sich mit Wasser füllen. So zeigen Satellitendaten, dass sich in der zusammenhängenden Permafrostzone Sibiriens die von Seen eingenommene Fläche in den letzten 30 Jahren bereits um 12% vergrößert hat. Wo der Permafrost bis in die Tiefe ganz aufgetaut ist, versickert dagegen das Wasser und Anzahl und Fläche der Seen nimmt ab.[3] Hier können sich neue Pflanzengemeinschaften ansiedeln, so dass Strauchvegetation und Wälder ihre Grenzen nach Norden verschieben. Die sich nach Norden ausbreitende Vegetation kann einerseits mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen. Es wird jedoch angenommen, dass dieser klimatische Effekt durch den der verringerten Albedo von Strauch- und Wald- gegenüber Tundraflächen deutlich übertroffen wird.[4] Hinzu kommt, dass auftauender Permafrost gespeicherten Kohlenstoff in Form von Methan und Kohlendioxid frei setzt. Die gesamte im Permafrost der Nordhalbkugel gespeicherte Menge wird auf etwa 1000 Gigatonnen[5] geschätzt, die bei einem Auftauen des Permafrosts größtenteils innerhalb eines Jahrhunderts freigesetzt werden würde.[6] Dadurch können positive Rückkopplungen ausgelöst werden, durch die die regionale und globale Erwärmung verstärkt wird.[7]

Auftauender Permafrost kann auch die Wasserführung der Flüsse erhöhen, mit Konsequenzen vielleicht sogar für die ozeanischen Zirkulationssysteme, die sich durch die Zufuhr von Süßwasser verändern können. Besonders sensibel reagieren die arktischen Küsten auf den Permafrostabbau. Sie können durch Wellengang stärker erodiert werden.

Viele Verkehrswege und Bauten können durch das Auftauen von Permafrost ihre Untergrundstabilität verlieren. Straßen, Eisenbahnlinien, Pipelines, elektrische Leitungen und Flughäfen in Sibirien, Alaska und im nördlichen Kanada sind auf Permafrost gebaut. Besonders in Sibirien liegen auch größere Siedlungszentren in Permafrostgebieten. Taut das Eis im Untergrund auf, kann es zu erheblichen Zerstörungen kommen, die nur mit hohen Kosten reparabel sind oder sogar zur Aufgabe der Anlagen führen müssen. So gilt etwa in Alaska besonders die 1280 km lange Trans-Alaska-Pipeline als gefährdet.[8]

2.4 Methan im Permafrost

3 Alpiner Permafrost

Ein besonderes Problem stellt die Auflösung von Permafrost in den Hochgebirgen der mittleren Breiten dar. Hier leidet vor allem die Bodenfestigkeit an steilen Hängen. So war im Hitzesommer 2003 in den Alpen die Steinschlagtätigkeit und Felssturzaktivität außergewöhnlich hoch. In der Schweiz war der Sommer 2003 bis zu 5 oC wärmer als im langjährigen Durchschnitt 1961-1990.[9] Die Stabilität eisgefüllter Klüfte nimmt mit steigender Eis- bzw. Felstemperatur deutlich ab. Da steile Felshänge im Winter keine Schneebedeckung besitzen, sind sie über ihre Oberfläche direkt mit der Atmosphäre gekoppelt. Zunächst nimmt als Folge einer erhöhten Temperatur die Mächtigkeit der oberflächennahen jährlichen Auftauschicht zu. Im Juli und August 2003 war die Auftautiefe um einen halben Meter größer als in den vorhergegangenen 20 Jahren, die auch schon verhältnismäßig warm waren. Die außergewöhnliche Felssturz-Aktivität im Sommer 2003 ist hauptsächlich eine Folge der schnellen, oberflächennahen thermischen Reaktion der Felswände und einer wesentlich größeren Auftautiefe im Sommer 2003 als in den bereits warmen vorhergehenden Jahren. Die Ereignisse von 2003 können als erste Anzeichen einer künftigen Entwicklung gesehen werden.

4 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 ACIA (2005): Arctic Climate Impact Assessment 2005, Chapter 6: Cryosphere and Hydrology
  2. Lawrence, D.M., and A.G. Slater (2005): A projection of severe near-surface permafrost degradation during the 21st century, Geophys. Res. Lett., 32, L24401, doi:10.1029/2005GL025080
  3. Smith, L.C., Y. Sheng, G.M. MacDonald, and L.D. Hinzman (2005): Disappearing Arctic Lakes, Science 308, 1429
  4. Lawrence, D.M., and A.G. Slater (2005): A projection of severe near-surface permafrost degradation during the 21st century, Geophys. Res. Lett., 32, L24401, doi:10.1029/2005GL025080
  5. Eine Gigatonne entspricht einer Milliarde (109) Tonnen oder einer Billion (1012) Kilogramm.
  6. Zimov, S.A., E.A.G. Schuur, and F.S. Chapin III (2006): Permafrost and the Global Carbon Budget, Science 312, 1612-1613
  7. Lawrence, D.M., and A.G. Slater (2005): A projection of severe near-surface permafrost degradation during the 21st century, Geophys. Res. Lett., 32, L24401, doi:10.1029/2005GL025080
  8. Nelson, F.E., and L.W. Brigham (2003): Climate Change, Permafrost, and Impacts on Civil Infrastructure, Chapter 3
  9. PERMOS-Autorenteam: Permafrost der Schweizer Alpen 2002/03 und 2003/04 (2005): Die Alpen 10/2005

5 Weblinks

6 Lizenzangaben

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