Hurrikan Sandy

Aus Klimawandel
Hurrikan Sandy am 28. Oktober 2012 vor der amerikanischen Ostküste. Westliche des Hurrikans ist das von Neufundland bis nach Florida reichende Wolkenband des Kältetiefs zu sehen.

Hurrikan Sandy, der Ende Oktober 2012 große Teile der Ostküste der USA verwüstete, war einer der ungewöhnlichsten Hurrikane, die seit Beginn der Beobachtungen in den USA auf Land getroffen sind. Nicht nur dass er nach Katrina der nächstteuerste Hurrikan der USA war. Vor allem seine Zugbahn war außerordentlich überraschend und ließ eine Debatte darüber aufleben, ob Sandy die Folge einer durch den Klimawandel bedingten Veränderung der atmosphärischen Zirkulation sei.

Schäden

Auf seinem gesamten Weg von der Karibik bis zur Ostküste der USA verursachte der Hurrikan Sandy über 200 Tote, 4,2 Mrd. US$ Schäden in den betroffenen karibischen Staaten und zwischen 78 und 97 Mrd. US$ in den USA, wo insgesamt mehr als 20 Mio. Menschen von dem Sturm betroffen waren. Er war damit nach dem Hurrikan Katrina, der 2005 vor allem durch die Zerstörung großer Teile von New Orleans einen Schaden von 160 Mrd. US$ angerichtet hat, der zweitteuerste Hurrikan in der Geschichte der USA.[1] Allein in New York hat Sandy 43 Menschen getötet, Tausende obdachlos gemacht und Sachschäden von 19 Mrd. US$ verursacht. In Teilen der Stadt fiel der Strom über mehr als zwei Wochen aus. Unmittelbar nach dem Sturm sah das untere Manhattan aus wie ein Kriegsgebiet.[2]

Zugbahn von Hurrikan Sandy vor der amerikanischen Ostküste mit Niederschlagsfeldern in mm.

Zugbahn und Verlauf

Der Hurrikan Sandy bewegte sich vom 24. bis zum 30. Oktober 2012 auf einer ungewöhnlichen Bahn von der Karibik nach Norden bis zur Ostküste der USA. Nach der Saffir-Simpson-Skala war Sandy beim Überqueren von Jamaika ein Hurrikan der Kategorie 1, um dann bei der Überquerung des östlichen Kuba sich zur Kategorie 2 (154-177 km/h) zu steigern. Auf dem weiteren Weg nach Norden und später Nordosten schwächte der Sturm sich ab. Am 29. Oktober veränderte sich die Zugbahn in nordwestliche Richtung und der Hurrikan wurde wieder stärker mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 148 km/h. Kurz vor dem Auftreffen auf die Küste fiel der Luftdruck im Zentrum des Sturms auf außergewöhnliche 940 hPa. Die Ausdehnung des Sturmsystems erreichte zu diesem Zeitpunkt 1700 km. Sandy war begleitet von starken Regenfällen. 200-250 mm Gesamtniederschläge führten in der Dominikanischen Republik zu gewaltigen Überschwemmungen. In den Küstenstaaten der USA fielen zwischen 100 und 200 mm.[1]

Die mittlere Ostküste wird normalerweise nicht von Hurrikanen heimgesucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hurrikan auf Land trifft, liegt in New Jersey während einer Hurrikan-Saison bei 1 %, im Vergleich zu Florida mit 51 %. Und Sandy war seit Beginn der Beobachtungen erst der dritte Hurrikan, der die Küstenlinie überschritten hat.[1]

Besondere Wetterbedingungen

Das Ungewöhnlichste an dem Hurrikan Sandy war seine westwärts gerichtete Zugbahn. In den letzten beiden Wochen im Oktober 2012 war der Jetstream ungewöhnlich weit äquatorwärts verschoben, verstärkt durch einen negativen NAO-Index. Als Sandy auf Land traf herrschten über den östlichen USA östliche Winde, die den Sturm Richtung Küste steuerten. Normalerweise herrschen über dieser Region Westwinde, die tropische Stürme von der Küste weg nach Nordosten lenken.[3] Eine kräftige blockierende Hochdrucklage über Grönland und dem Nordwestatlantik hinderte Sandy jedoch daran, wie andere Hurrikane im Oktober nach Nordosten auf das Meer hinaus abzudrehen. Solche blockierenden Wetterlagen sind an negative NAO-Bedingungen gebunden. Sandy drehte sich, wie es seit Beginn der Beobachtungen 1851 nie gesehen wurde, nach Westen direkt auf die Küste zu. Hier traf der Hurrikan auf einen frühen winterlichen Nordoststurm, und aus der Vereinigung dieser beiden Stürme wurde aus dem tropischen Hurrikan Sandy ein außertropischer Monstersturm mit einer Ausdehnung von 1,4 Mio km2.[1] Der Gegensatz zwischen dem extrem tiefen Druck des Supersturms und dem ungewöhnlich starken Hochdruckgebiete im Norden schuf ein großes Gebiet mit kräftigen Ostwinden, die das Wasser an die Küsten drückten. Hinzu kam noch eine Vollmond-Flut, die den Wasserspiegel anhob.[4]

Wie oben beschrieben schwächte sich der Sturm auf dem Weg von der Karibik in den Atlantik zunächst ab. Ein wichtiger Grund für die erneute Verstärkung des Sturms vor der nordamerikanischen Ostküste waren ungewöhnlich Wassertemperaturen, die um 2-4 °C über dem langjährigen Mittel lagen. Außerdem gab es fast keine vertikale Windscherung, durch die Hurrikane in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden können.[1]

Ursachen

Die Wiederkehrperiode dafür, dass ein Hurrikan von der Stärke Sandys in New Jersey auf Land trifft, liegt nach Berechnungen mancher Forscher bei 714 Jahren. Sandy ist also unter heutigen Klimabedingungen ein äußerst seltenes Ereignis. Entweder haben New York und New Jersey eine sehr unwahrscheinliche Katastrophe erfahren oder der Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorkommens erhöht. Nach einigen Studien hat die rapide Abnahme des arktischen Meereises zu stärkeren Schwankungen des Jetstreams und zur Bildung von blockierenden Hochdruckgebieten geführt.[5][4] Simulationen mit aktuellen Klimamodellen zeigen jedoch, dass diese Wetterbedingungen bis 2100 eher unwahrscheinlicher werden. Starke Ostwinde im August-Oktober vor der amerikanischen Ostküste werden danach abnehmen. Und es wird eher eine polwärtige Verschiebung des Jetstreams der mittleren Breiten geben, vor allem im September-November, was eine mehr positive NAO-Lage beinhaltet. Gleichzeitig sagen die Modelle eine Abnahme der Häufigkeit von blockierenden Wetterlagen über dem westlichen Atlantik voraus.[3]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Kunz, M., et al. (2013): Investigation of superstorm Sandy 2012 in a multi-disciplinary approach, Nat. Hazards Earth Syst. Sci., 13, 2579–2598, 2013
  2. J. Tollefson (2013): New York vs the sea, Nature 494, 162-164
  3. 3,0 3,1 Barnes, E.A., L.M. Polvani, and A.H. Sobel (2013): Model projections of atmospheric steering of Sandy-like superstorms, PNAS 110, 15211-15215
  4. 4,0 4,1 Greene, C.H., J.A. Francis, and B.C. Monger (2013): Superstorm Sandy: A series of unfortunate events? Oceanography 26(1):8–9,
  5. Hall, T.M., and A.H. Sobel (2013): On the impact angle of Hurricane Sandy’s New Jersey landfall, Geophysical Research Letters 40, doi:10.1002/grl.50395

Weblinks


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