Gletscher in Afrika

Aus Klimawandel
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Gletscher auf dem Kilimandscharo am 28. Oktober 2012

In Afrika gibt es Gletscher nur in den Tropen, und zwar auf dem Mount Kilimandscharo, dem Mount Kenia und dem Ruwenzori-Gebirge.

1 Kilimandscharo

1.1 Eisbedeckung

Das Kilimandscharo–Massiv liegt etwa 350 km südlich des Äquators im Nordosten Tansanias. Der ehemalige Vulkan Kibo, auf dem auch die Gletscher liegen, ist der höchste Gipfel des Kilimandscharo und damit auch der höchste Berg Afrikas. Die Eisbedeckung des Kilimandscharo nimmt unter den tropischen Gletschern eine Sonderstellung ein. Sie besteht aus zwei unterschiedlichen Gletscherformen, einmal aus 20-40 m dicken Resten eines Plateaugletschers auf dem Kibo in 5700-5800 m Höhe und zum anderen aus einigen Hanggletschern, die bis ca. 5000 m hinabreichen. Die Plateaugletscher brechen in nahezu senkrechten Wänden von fast 40 m Höhe ab, die zumeist in Ost-West-Richtung verlaufen.[1]

Das Nördliche Eisfeld auf dem Kilimandscharo am 28. Oktober 2012

Die gesamte Eisbedeckung wird in verschiedene Gletschergebiete aufgeteilt. Das größte Gebiet ist das Nördliche Eisfeld, ein Plateaugletscher, der aus zwei größeren Teilen besteht, die 2012 zum ersten Mal getrennt wurden.[2] Das Südliche Eisfeld, das zweitgrößte Gletschergebiet, besteht ebenfalls aus mehreren Teilen, die z.T. als Hanggletscher bis 5000 m herabreichen. Vom einst größeren Östlichen Eisfeld sind nur noch kleinere Reste vorhanden. Nahezu verschwunden sind auch die meisten früheren Hanggletscher auf der Südwestseite des Kibo. Daneben ist wegen seiner auffälligen Lage in der südwestlichen Caldera noch der Furtwängler-Gletscher erwähnenswert.

Gletscherrückgang auf dem Kilimandscharo 1912 bis 2011; weitere Angaben: auf das Bild klicken

1.2 Veränderungen

Gletscherflächen auf dem Kilimandscharo 1912, 1975 und 2011

Die gesamte Eisfläche auf dem Kilimandscharo wurde für die Zeit um 1880 auf etwa 20 km2 geschätzt.[1] Im Jahre 1912 waren davon noch ca. 11,4 km2 übrig, die bis 2011 auf 1,76 km2 zurückgingen, ein Verlust von rund 85 %.[3] Relativ hat sich die Gletscherabnahme im Laufe der Zeit sichtlich beschleunigt. Zwischen 1912 und 1953 ist die Eisfläche um 1 % pro Jahr zurückgegangen, 1953-1989 um 1,4 % und zwischen 1989 und 2007 um 2,5 % pro Jahr.[4] Am stärksten ist mit 5 % jährlich im Zeitraum 2000-2007 die Fläche des kleineren Furtwängler-Gletschers zurückgegangen. Auch die Eisdicke zeigt in jüngster Zeit dramatische Veränderungen. So nahm die Eisdicke 2000-2007 im Nördlichen Eisfeld um 1,9 m, im Südlichen Eisfeld um 5,1 m und die des Furtwängler-Gletschers um 3 m ab. Dabei zeigen die oberen 65 cm deutliche Spuren von Schmelzprozessen und Gefrieren. Insgesamt nahm das Volumen des Kilimandscharo-Eises etwa je zur Hälfte sowohl durch den seitlichen Rückzug wie durch die Verringerung der Mächtigkeit ab.[5] Der amerikanische Gletscherforscher Lonnie Thompson hält es für möglich, dass das Eis in ein oder zwei Jahrzehnten gänzlich verschwunden sein wird, wenn die gegenwärtigen Bedingungen anhalten.[5]

1.3 Ursachen

Zu den Ursachen des Gletscherschwunds auf dem Kilimandscharo gibt es in der Forschung gegensätzliche Auffassungen über die Rolle des Klimawandels. Für den amerikanischen Gletscherforscher Lonnie Thompson ist wie bei den anderen tropischen Gletschern eindeutig der Klimawandel der entscheidende Faktor. Dagegen betont der österreichische Gletscherexperten Georg Kaser die Sonderstellung der Kilimandscharo-Gletscher, deren Rückgang für ihn nicht durch eine Temperaturzunahme erklärt werden könne.

Nach Thompson sind die schwindenden Gletscher auf dem Kilimandscharo “symbols of changing climate in Africa” (Symbole des Klimawandels in Afrika).[5] Die Ursachen dieses dramatischen Gletscherschwunds seien vor Ort sehr schwierig zu bestimmen, da es keine kontinuierlichen meteorologischen Beobachtungen gebe. Es lasse sich jedoch feststellen, dass der Eisverlust auf dem Kilimandscharo keine einmalige Besonderheit darstelle. Die tropischen Gletscher in den Anden und auf Neu-Guinea zeigten ein ähnliches Verhalten. Das spreche für eine gemeinsame Ursache, zu der als sekundäre Faktoren Niederschlagsschwankungen, Wolkenbedeckung oder Änderungen der Landbedeckung hinzukämen. Die wahrscheinlichste Ursache seien wärmere Lufttemperaturen, wie sie in der Region durchaus beobachtet wurden, und deren vertikale Verstärkung in großen tropischen Höhen durch den atmosphärischen Wasserdampf.

Georg Kaser weist auf die Besonderheit des Plateaueises mit seinen nahezu senkrecht abbrechenden Wänden von fast 40 m Höhe hin, die zumeist in Ost-West-Richtung verlaufen. Diese Wände sind nach Kaser im Sommer und Winter, wenn die Sonne den Äquator Richtung Wendekreise deutlich überschritten hat, der Sonnenstrahlung besonders stark ausgesetzt, zumal dann auch Trockenheit mit geringer Wolkenbedeckung herrscht. Trotz negativer Lufttemperaturen kommt es durch die intensive Sonneneinstrahlung zu starker Sublimation, d.h. zu einem direkten Übergang von Eis in atmosphärischen Wasserdampf, und die Gletscher verkleinern sich von den Rändern her. Gelegentlich kann es bei starker Einstrahlung und Windstille auch zum Schmelzen kommen, was gegenüber der Sublimation aber nur eine randliche Rolle spielt. Im Frühling und Herbst dagegen steht die Sonne senkrecht über dem Kilimandscharo und erreicht die senkrechten Gletscherwände kaum. Außerdem herrscht zu dieser Zeit eine relativ starke Bewölkung.[1]

Voraussetzung für eine anhaltende Verkleinerung der Gletscher von den Seiten her ist nach Kaser eine längere Trockenphase mit den erwähnten Folgen von geringer Wolkenbedeckung, starker Einstrahlung und Sublimation sowie fehlendem Schneefall. Diese habe es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis heute gegeben. Im späten 19. Jh. seien die Niederschläge über dem Kibo um 160-240 mm höher als heute gewesen. Dann hätten Änderungen der Meeresoberflächentemperaturen des Indischen Ozeans dazu geführt, dass die Ostwinde vom Ozean her und damit der Feuchtigkeitstransport nach Ostafrika abgenommen hätten. Die trockenere Atmosphäre hat dann die Gletscherwände verstärkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt und ihr kontinuierliches Zurückweichen durch Sublimation bewirkt.[6] Die Abnahme der Gletscherdicke, und damit die Verringerung der Eismasse von oben her, wird von Kaser als gering eingeschätzt.

„Die Prozesse“, so Kaser, „die den Eisverlust auf dem Kilimandscharo verursachen, sind weitgehend unabhängig von der Temperatur und somit von der globalen Erwärmung.“[1] Die Lufttemperaturen würden die Null-Grad-Grenze nicht überschreiten und schwanken zwischen -3 bis -2 °C mittags und bis -9 °C kurz vor Sonnenaufgang. Wenn die Eiskanten im Schatten liegen, werden sogar -7 bis -15 °C erreicht. Schmelzvorgänge sind damit so gut wie ausgeschlossen. Eine Eisabnahme ist nur durch Sublimation infolge direkter Sonneneinstrahlung möglich.[6] Ein indirekter Zusammenhang mit der globalen Erwärmung sei dennoch denkbar, da die Niederschläge über dem Kilimandscharo wie über ganz Ostafrika einen Zusammenhang mit den Meeresoberflächentemperaturen des Indischen Ozeans zeigten.[1]

1.4 Zukunft

Nach Einschätzung des amerikanischen Gletscherforschers Thompson wird das Eis auf dem Kilimandscharo in ein oder zwei Jahrzehnten gänzlich verschwunden sein, wenn die gegenwärtigen Bedingungen anhalten.[5] G. Kaser meint ähnlich, dass bei der gegenwärtigen Gletscherabnahme bis 2040 es kein Plateaueis auf dem Kibo mehr geben wird.[6] Eine etwas differenziertere Einschätzung geben Cullen et al. (2012): Vorausgesetzt der gegenwärtige Trend hält an, werden die Gletscher am westlichen Hang bis 2020 und das Eis auf dem Plateau und an den südlichen Hängen bis 2040 nicht mehr vorhanden sein. [3]

Allerdings hält Kaser auch das Gegenteil für möglich, wenn eine Serie von mehreren feuchten Jahreszeiten mit hohen Niederschlägen aufeinanderfolgen.[6] Anhaltend feuchtere Bedingungen würden dazu führen, dass das Plateaueis um mehrere Zehner von Metern wachsen würde. Höhere Niederschläge über Ostafrika könnten paradoxerweise sogar eine Folge des Klimawandels sein. Die Zunahme der Niederschläge in Ostafrika hängt mit Änderungen der Wassertemperatur im Indischen Ozean zusammen, durch die der absteigende Ast der Walker-Zirkulation über dem westlichen Indischen Ozean geschwächt wird.[7]

1.5 Auswirkungen

Im Gegensatz zu den tropischen Gletschern der Anden spielt das Eis auf dem Kilimandscharo keine wichtige Rolle als Wasserlieferant für die örtliche Bevölkerung. Das hat mehrere Gründe. Plateau und Hanggletscher verlieren 70 % ihrer Masse nicht durch Abfluss, sondern durch Sublimation, d.h. durch den direkten Übergang von Eis in atmosphärischen Wasserdampf. Die Gletscher des Kilimandscharo sind relativ klein. Ihr vollständiges Abschmelzen würde eine Wassermenge erzeugen, die, verteilt auf die Region um den Kilimandscharo von ca. 50x80 km, lediglich der eines kräftigen Regenschauers entsprechen würde. Hinzu kommt, dass die Masse der Bevölkerung in der Region von ca. 1 Mio. Einwohnern in den tieferen Lagen um 2000 m lebt, wo die Landschaft durch tropischen Regenwald geprägt ist. Die Wasserressourcen werden hier fast ausschließlich durch den Regenwald gedeckt.[8]

Die Gletscher auf dem Kilimandscharo spielen jedoch für den Tourismus eine große Rolle. Falls sie verschwinden, wird eine große Attraktion für die jährlich etwa 10 000 Touristen vor allem aus Europa und den Vereinigten Staaten verloren gehen. Zwar ist der Kibo saisonal auch gelegentlich schneebedeckt. Die meisten Besucher kommen jedoch während der trockenen Jahreszeiten. Nicht zuletzt besitzt der Kilimandscharo als leuchtendes ‚Haus der Götter’ in den Mythen der afrikanischen Bevölkerung seinen Platz, der durch den heutigen Tourismus allerdings überschattet wird.[8]

2 Mount Kenia

Das Mount-Kenia-Massiv ist mit 5199 m der zweithöchste Berg Afrikas. Es liegt nahezu direkt am Äquator. Dennoch befinden sich hier 10 Gletscher in der Gipfelregion. Ähnlich wie der Kilimandscharo ist auch der Mount Kenia eine Attraktion für Touristen. 2009 besuchten 25 000 Menschen den Berg oder den Mount-Kenia-Nationalpark. Seine waldbedeckten tieferen Hänge sind ähnlich wie beim Kilimandscharo ein wichtiger Wasserlieferant für die Region.[9]

Ende des 19. Jh.s gab es noch 18 Gletscher auf dem Mount Kenia. Die gesamte Gletscherbedeckung umfasste ca. 1,2 km2. Die frühere Fläche der Eisbedeckung ist heute auf ein Drittel geschrumpft. Das Eis ist zugleich dünner geworden. Seit den 1970er Jahren hat sich die Eisabnahme beschleunigt.[9] Der längste der Mount-Kenia-Gletscher, der Lewis-Gletscher, hat seit 1934 etwa 90 % seiner Masse verloren. Der Lewis Gletscher, einer der am besten untersuchten tropischen Gletscher überhaupt, war um 1900 1,6 km lang und erstreckte sich über eine Fläche von 0,36 km2. Zwischen 1899 und 1982 ging die Länge des Lewis Gletschers auf 995 m zurück, und das Gletscherende hat sich um 135 Höhenmeter auf 4600 nach oben bewegt.[10]

3 Ruwenzori-Gebirge

Das Ruwenzori-Gebirge erstreckt sich entlang der Grenze von Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Es ist mit 5109 m das dritthöchste Gebirge Afrikas. Es gibt drei Berge mit Gletscherbedeckung Mount Speke (4891 m), Mount Stanley (5111 m) und Mount Baker (4873 m). Das Gebiet ist bei weitem das feuchteste und am meisten mit Wolken bedeckte aller ostafrikanischen Gebirge. Bei 3000 m Höhe liegen die Niederschläge bei 2500 mm.[10] Die ständige Wolkenbedeckung macht eine Beobachtung durch Fotos oder Satelliten sehr schwierig. Die Gletscherentwicklung ist daher insgesamt wenig erforscht. Neuere Erkenntnisse besagen, dass das Gletschergebiet Anfang des 20. Jahrhunderts etwa 6,5 km2 betrug. Davon waren um 1955 noch etwa 3,18 km2 vorhanden. 2006 betrug die Gletscherfläche aber nur noch 1,31 km2.[11]

4 Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Kaser, G. (2008): Gletscherschwund am Kilimandscharo, Spektrum der Wissenschaft, Januar 2008, 62-69
  2. NASA Earth Observatory: Kilimanjaro’s Shrinking Ice Fields; Foto vom Gletscherdurchbruch
  3. 3,0 3,1 Cullen, N. J., et al. (2012): A century of ice retreat on Kilimanjaro: the mapping reloaded, The Cryosphere Discussion 6, 4233-4265
  4. Thompson, L:G., et al. (2012): Tropical glaciers, recorders and indicators of climate change, are disappearing globally, Annals of Glaciology 52, 23-34
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Thompson, L.G., H.H. Brecher, E. Mosley-Thompson, D.R. Hardy, and B.G. Mark (2009): Glacier loss on Kilimanjaro continues unabated. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 106, 19770-19775, doi:10.1073/pnas.0906029106
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Kaser, G., et al. (2010): Is the decline of ice on Kilimanjaro unprecedented in the Holocene?, Holocene 20, 1079–1091, doi:10.1177/0959683610369498
  7. James, R., and R. Washington (2012): Changes in African temperature and precipitation associated with degrees of global warming, Climatic Change, DOI 10.1007/s10584-012-0581-7
  8. 8,0 8,1 Mölg, T., D.R. Hardy, N.J. Cullen, and G. Kaser (2008): Tropical glaciers, climate change, and society: Focus on Kilimanjaro (East Africa). In: Orlove, B., E. Wiegandt, and B. Luckman (eds.): Darkening Peaks: Glacier Retreat, Science, and Society. California University Press: Berkley, London, 168-182
  9. 9,0 9,1 UNEP (2012): Africa without Ice and Snow
  10. 10,0 10,1 J.A.T. Young, and S. Hastenrath (o.J.): Glaciers of the Middle East and Africa - glaciers of Africa
  11. Klein, A., and J. Kincaid (2007): A Reassessment of the Satellite Record of Glacier Change in the Rwenzori Mountains, East Africa. 64th Eastern Snow Conference, St. John’s, Newfoundland, Canada

5 Weblinks

6 Lizenzangaben

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