Artensterben

Aus Klimawandel
Wechseln zu: Navigation, Suche

1 Bedrohung der Arten durch den Klimawandel

Die Goldkröte, das erste Amphib, das eventuell durch den Klimawandel ausgestorben ist.

Es kann kein Zweifel mehr daran bestehen: Der anthropogene Klimawandel hat das Leben auf der Erde erreicht.[1] Die biologischen Arten zeigen eine andere Frühlingsphänologie, sie stellen ihr Wachstum auf die neuen Bedingungen ein, sie ändern ihre Verbreitungsgebiete und setzen sich neu zusammen, und sie werden teilweise verstärkt von Krankheiten und Schädlingen bedroht. Im Extremfall können solche Veränderungen dazu führen, dass das Überleben in bestimmten Regionen oder sogar weltweit nicht mehr möglich sein wird.

Vom globalen Aussterben besonders bedroht gelten endemische Arten, die nur in bestimmten, klar umgrenzten Gebieten vorkommen. Sie sind an spezifische Klimabedingungen angepasst und haben bei deren Veränderung keine Möglichkeit, in andere Gebiete auszuweichen. Besonders ausgeprägt ist das der Fall bei wechselwarmen Arten wie Amphibien und Reptilien, die extrem von der Umgebungstemperatur abhängen. Bei den Amphibien kommt zudem noch eine extreme Abhängigkeit von dauerfeuchten Lebensräumen hinzu. Sie reagieren daher auf Klimaänderungen am empfindlichsten. Es ist daher kein Zufall, dass die Goldkröte aus Costa Rica als erste nachweislich durch den Klimawandel ausgestorbene Art bezeichnet wurde. Die Verringerung von Nebel- und Niederschlagshäufigkeit in ihrem Verbreitungsgebiet als Ursache wurde der globalen Erwärmung zugeschrieben.[2] Spätere Untersuchungen haben jedoch an dem eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Austerben der Goldkröte und dem Klimawandel Zweifel aufkommen lassen. So kommen als Ursache auch Pilzerkrankungen und Änderungen in der Landnutzung in Frage. Und für die regionalen Änderungen des Klimas sind möglicherweise natürliche Schwankungen von größerer Bedeutung als der anthropogene Klimawandel.[3]

2 Die zukünftige Artenbedrohung

In den nächsten Jahrzehnten ist mit weiter steigenden Temperaturen, größerer Trockenheit in den einen und stärkeren Niederschlägen in vielen Regionen zu rechnen. Die Anpassungsfähigkeiten einzelner Arten könnten zunehmend überfordert sein. Was möglicherweise auf die Arten der Erde durch den globalen Klimawandel zukommt, kann sinnvoll nur mit Modellen berechnet werden, die unterschiedliche Klimaszenarien zugrunde legen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Bedrohung der Arten, die nur durch erhebliche Anstrengungen zum Klimaschutz abgemildert werden kann.

So kommt eine globale Modelluntersuchung zu dem Ergebnis, dass schon bis 2050 ein erheblicher Teil der heutigen auf dem Land lebenden Arten dem Klimawandel zum Opfer gefallen sein könnte.[4] Bei einer mittleren Änderung des Klimas könnten das 24 %, bei einer geringen Änderung 18 % und bei einer stärkeren Änderung des Klimas 35 % sein. Die Gefährdung der Arten durch den Klimawandel wird in dieser Untersuchung für die nächsten Jahrzehnte als bedeutend höher eingeschätzt als die durch direkte menschliche Einwirkung wie Änderungen der Landnutzung etc. Eine besondere Bedrohung wird dabei darin gesehen, dass viele Arten nicht in der Lage sein werden, geeignete Klimabereiche durch Migration zu erreichen, weil die Landschaften inzwischen durch menschliche Nutzung zu stark fragmentiert sind.

Etwas weniger extrem fällt eine Modelluntersuchung zu einem potentiellen Artenverlust in Europa bis 2080 aus.[5] Danach ist etwa die Hälfte der Arten „gefährdet“, d.h. die Arten könnten über 50 % ihres Bestands verlieren, und 3 % der Arten würden aussterben. Vorausgesetzt wird dabei, dass eine Anpassung durch Migration nicht oder kaum stattfindet, was aufgrund der starken Fragmentierung der europäischen Landschaften größtenteils zutreffend sein dürfte. Die Gefährdung der Arten ist je nach Region unterschiedlich. Vor allem in Gebirgsregionen wie den Alpen, dem französischen Zentralmassiv und in Nordwestspanien, wo die Pflanzen an spezielle Klimabedingungen angepasst sind, könnten sogar über 80 % des Bestandes verloren gehen. Andererseits gibt es Gebiete in Europa wie in Südspanien, wo die Vegetation jetzt schon an heiße und trockene Bedingungen angepasst ist, oder in Norwegen, wo auch in Zukunft günstige Wachstumsbedingungen erwartet werden.

3 Einzelnachweise

  1. So das Fazit der Auswertung der weltweiten Forschung von C. Parmesan, (2006): Ecological and Evolutionary Responses to Recent Climate Change, Annual Review of Ecology, Evolution and Systematics 37, 637-69
  2. Böhme, W. und D. Rödder (2008): Amphibien und Reptilien: Verbreitungs- und Verhaltensänderungen aufgrund der Erderwärmung, in Lozán, J.L. u.a.: Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, S. 77-81
  3. IPCC (2014): Working Group II: Impacts, Adaptation and Vulnerability, 4.3.2.5
  4. Thomas, C.D. et al. (2004): Extinction risk from climate change, Nature 427, 145-148
  5. Thuiller,W., et al. (2005): Climate change threats to plant diversity in Europe. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 102, 8245-8250


4 Lizenzhinweis

Dieser Artikel ist ein Originalartikel des Klima-Wiki und steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können in einigen Fällen durch Anklicken dieser Mediendateien abgerufen werden und sind andernfalls über Dieter Kasang zu erfragen. CC-by-sa.png
Kontakt: Dieter Kasang

Meine Werkzeuge