Hundert Jahre Einsamkeit

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Hundert Jahre Einsamkeit (spanischer Originaltitel: Cien años de soledad) ist ein Roman des kolumbianischen Autors Gabriel García Márquez, der 1982 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

1 Inhalt

Hundert Jahre Einsamkeit begleitet sechs Generationen der Familie Buendía und hundert Jahre wirklichen Lebens in der fiktiven Welt von Macondo, wobei auf den ersten Blick kaum ein chronologischer Ablauf erkennbar ist. Ein wichtiges Stilmittel stellen in diesem Roman Vor- und Rückgriffe (Ana- und Prolepsen) dar, die beim ersten Lesen den Eindruck entstehen lassen, es handle sich hier um ein wildes Durcheinander von Episoden aus dem Leben der Protagonisten. (Vervollkommnet wird das auf den ersten Blick empfundene Chaos durch zahlreiche Homonymien der Charaktere.) Tatsächlich aber entspricht beispielsweise die Reihenfolge der einzelnen Kapitel der Chronologie der darin erzählten Ereignisse – mit Ausnahme des Auftaktkapitels, welches ein einziger großer Vorgriff ist. (Eine ausführliche Aufzählung der Ana- und Prolepsen findet sich im Buch Los laberintos del tiempo von Alfonso de Toro.)

2 Aufbau

Eine Reihe von Literaturwissenschaftlern, darunter Mechthild Strausfeld, kommen zum Schluss, dass sich die Geschichte Macondos (und somit die Handlung des Romans) grob in vier Perioden aufteilen lässt:

  • 1. Auszug der Buendías und Gründung Macondos

Der Stammvater der Buendías zieht, da er einen Mord begangen hat und vor dem Geist des von ihm Ermordeten flüchtet, mit seiner Frau sowie einigen anderen Familien durch den Dschungel, auf der Suche nach einem geeigneten Ort zur Gründung eines Dorfes. Sie gründen schließlich Macondo. Bald darauf taucht eine Gruppe von Zigeunern auf, zu denen u.a. Melquíades gehört, eine weitere Hauptperson des Romans.

  • 2. Auftauchen des Landrichters und Verlauf der Bürgerkriege [Bearbeiten]

Das Auftauchen eines Landrichters besiegelt die Eingliederung Macondos ins System staatlicher Verwaltung und Gewalt, vor dem seine abgelegene Topographie die Bewohner ja gerade bewahren sollte. Da dieses Dorf nun ebenfalls Teil der Republik ist, spielt auch der Bürgerkrieg zwischen Konservativen und Liberalen für die Bewohner von Macondo eine Rolle. Der Oberst Aureliano Buendía, die wohl wichtigste Figur des Romans, tut sich hier besonders hervor.

  • 3. Die Bananenfirma [Bearbeiten]

Nach dem Bürgerkrieg wird eine nordamerikanische Bananenfirma zum wichtigsten Arbeitgeber des Dorfes. Deren Umgang mit den Arbeitern ist aber alles andere als glimpflich; so kommt es u.a. zu einem Massaker auf dem Bahnhof, bei dem zahlreiche Arbeiter sterben.

  • 4. Der langsame Verfall und die vollkommene Zerstörung des Dorfes [Bearbeiten]

In den letzten Kapiteln liegt Macondo in einer tiefen Agonie, in der alles verfällt bzw. der Urwald sich das ihm einst von dem Menschen abgetrotzte Territorium langsam zurückholt, ohne dass es die Bewohner besonders stört oder auch nur verwundert. Die Geschichte kulminiert in einem mystischen und unerwarteten Schluss: Aureliano Babilonia, der letzte noch lebende Nachfahr José Arcadio Buendías, entziffert die verschlüsselten Schriften des Melquíades, die sich als eine Chronik und Prophezeiung der Geschichte Macondos herausstellen; sie endet mit der Zerstörung des Dorfes, bei der auch Aureliano Babilonia zu Tode kommt – just in dem Moment, als er davon in Melquíades' Prophezeiung liest.

3 Interpretationsansatz

Der Roman enthält viele Bezüge zu katholischem Glauben und der Bibel, nicht zuletzt in dem Bogen, den er von der Gründung des Ortes (Genesis) bis zu seiner Zerstörung (Apokalypse) spannt. Außerdem gilt die Handlung des Buches unter vielen Literaturwissenschaftlern als eine Allegorie auf die Geschichte Lateinamerikas. Diese teilt Strausfeld in vier Epochen ein, wie sie auch den oben aufgeführten vier Abschnitten des Romans vier Epochen zuteilt:

  • Entdeckung, Eroberung, Kolonialzeit (1492 – 1830)
  • Republik: Beginn der Bürgerkriege (1830 – 1902)
  • Beginn des Imperialismus: Bananen etc. (1899 – 1930)
  • Aktualität – Neoimperialismus (1930 – )

4 Wirkung

Seit der Erstveröffentlichung 1967 in Buenos Aires wurden weltweit über 30 Millionen Exemplare verkauft. Der Roman wurde in 35 Sprachen übersetzt und gilt als eines der wichtigsten Werke des Magischen Realismus sowie der lateinamerikanischen Literatur überhaupt. Der Autor selbst behauptet zwar, es keineswegs für sein bestes Werk zu halten, doch die lange Entstehungsgeschichte, wie sie u.a. in der García-Márquez-Biographie von Juri Paporow (siehe unter Quellen) beschrieben wird, deutet zumindest darauf hin, dass der Autor es als sein Opus magnum ansieht.

Trotz des weltweiten Erfolges gibt es bis heute keine Verfilmung von Hundert Jahre Einsamkeit. Der Grund hierfür liegt in García Márquez' ablehnender Haltung einer möglichen Verfilmung gegenüber. Zwar gibt es eine mexikanische Verfilmung seiner Erzählung El coronel no tiene quien le escriba („Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt“, 1999, Regie: Arturo Ripstein), deren Handlung von vielen Philologen als zumindest verwoben mit der von Hundert Jahre Einsamkeit angesehen wird, doch García Márquez' Weigerung, den Roman verfilmen zu lassen, bleibt bestehen. Gerüchten zufolge bot man ihm vor einigen Jahren für die Filmrechte zehn Millionen US-Dollar, die er jedoch ablehnte. Des weiteren ist davon auszugehen, dass er den Wunsch nach einer Nichtverfilmung des Romans zu einem Teil seines Testamentes gemacht hat. Nach seinem Tode hätten jedoch seine Erben darüber zu entscheiden, ob man die Filmrechte preisgibt oder nicht.

5 Literatur

6 Weblinks

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