Das Manuskript in der Flasche

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Das Manuskript in der Flasche (auch „Die Flaschenpost“) von Edgar Allan Poe ist seine zweite Kurzgeschichte und die erste, mit der er Geld verdiente: Er gewann mit ihr 1833 die ausgelobten 50 Dollar eines Wettbewerbs des Baltimore Saturday Visitor. Zusammen mit Der Bericht des Arthur Gordon Pym und Der Sturz in den Maelström bildet sie die Gruppe von Poes Seefahrtsgeschichten in der Traditionslinie von Samuel Taylor Coleridges Der alte Seemann zu Moby Dick von Herman Melville.


1 Inhalt

Der namenlose Ich-Erzähler hebt mit einer der für Poe typischen Vorreden an, die seine Glaubwürdigkeit steigern soll. Dann beschreibt er den Aufbruch zu einer Seereise, die ihn auf einem Lastensegler von Batavia auf der Insel Java zum Sunda-Archipel führen soll. Unterwegs gerät das Schiff zuerst in eine Windstille, dann in einen furchtbaren Sturm; die erste Welle bricht mit der Plötzlichkeit eines Tsunami über das Schiff herein und zerstört Masten und Takelage. Nur ein Schwede und der Ich-Erzähler überleben. Das Wrack wird ständig weiter nach Süden getrieben, bis es in die südliche Polarnacht gerät und in dieser mit einem riesigen Schiff zusammenprallt, auf das der Ich-Erzähler hinübergeschleudert wird. Er versteckt sich vor der Mannschaft im Schiffsbauch, entdeckt dann aber, dass die uralten und gebrechlichen Seeleute ihn weder bemerken noch bemerken wollen. Er kann sich gefahrlos unter ihnen bewegen, kann sich auch Schreibzeug besorgen und so dieses Manuskript fortsetzen, das er als Flaschenpost absetzen will. Immer höhere Eisberge tauchen auf, das Schiff hat trotz des Sturms alle Segel gesetzt und ist so schnell, dass es sich manchmal übers Wasser in die Luft erhebt. So nähert es sich einem Abgrund, den der Ich-Erzähler mit einem Amphitheater vergleicht, und schießt in ihn hinab.


2 Deutung

Poes Vorrede ist, gemessen an seiner Biographie, zugleich wahr und unwahr; denn in der Tat wurde er von der Familie, in der er aufwuchs, schlecht behandelt und hat sich ihr und seiner Heimatstadt Richmond entfremdet. Aber geerbt hat er nicht einen Cent.

Die Erzählung reflektiert zum einen die Sage vom Fliegenden Holländer , zum anderen die von John Cleves Symmes jun. aufgestellte Theorie der hohlen Erde: Die Erde sei hohl und habe an Nord- und Südpol Öffnungen, in die sich der Ozean strudelartig hinein ergösse. Beide Motive werden von Poe zu einer Symphonie der Angst zusammenkomponiert. In welcher Form Poe die Legende vom Fliegenden Holländer kennengelernt hat, ist unbekannt, möglicherweise durch eine Übersetzung von Wilhelm Hauffs Gespensterschiff. Wer sich auf die Suche nach Symbolen begibt, wird um die beiden Schiffe und deren bauchige Weiblichkeit, in der der Ich-Erzähler Geborgenheit sucht, nicht herumkommen: Beim Tod seiner Mutter wurde Poe im wörtlichsten Sinne von der leiblichen zur Ziehmutter hinübergeschleudert, nur um in der Welt der letzteren in die Katastrophe der endgültigen Verwaisung zu schliddern.

3 Literatur

4 Weblinks


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