Anthropozän: Unterschied zwischen den Versionen

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== Das Ende des Eiszeitalters? ==
== Das Ende des Eiszeitalters? ==


Der Antrieb durch die [[Erdbahnparameter]] kann heute recht genau berechnet werden. Der Beginn einer neuen Eiszeit hängt allerdings nicht nur von der Sonneneinstrahlung ab, sondern auch von der atmosphärischen [[Kohlendioxid-Konzentration|CO<sub>2</sub>-Konzentration]]. Nur wenn der Kohlendioxidgehalt unter das vorindustrielle Niveau sinkt, würde bei der aktuellen Konfiguration der Erdbahnparameter eine neue Eiszeit möglich sein. Klimaodellsimulationen zeigen jedoch eine Lebensdauer von anthropogenem CO<sub>2</sub> von mehreren Tausend Jahren. Selbst bei dem extrem niedrigen Szenario RCP2.6 wird die anthropogene Kohlendioxid-Konzentration noch bis zum Jahr 3000 über 300 ppm liegen.  Berechnungen mit verschiedenen Klimamodellen zeigen, dass mit dem Beginn einer neuen Eiszeit nicht vor 50 000 Jahren zu rechnen ist, wenn die Konzentration von CO<sub>2</sub> über 300 ppm verbleibt.<ref>IPCC (2013): Climate Change 2013, Working Group I: The Science of Climate Change, 5.8.3</ref>  
Der Antrieb durch die [[Erdbahnparameter]] kann heute recht genau berechnet werden. Der Beginn einer neuen Eiszeit hängt allerdings nicht nur von der Sonneneinstrahlung ab, sondern auch von der atmosphärischen [[Kohlendioxid-Konzentration|CO<sub>2</sub>-Konzentration]]. Nur wenn der Kohlendioxidgehalt unter das vorindustrielle Niveau sinkt, würde bei der aktuellen Konfiguration der Erdbahnparameter eine neue Eiszeit möglich sein. Klimaodellsimulationen zeigen jedoch eine Lebensdauer von anthropogenem CO<sub>2</sub> von mehreren Tausend Jahren. Selbst bei dem extrem niedrigen [[RCP-Szenarien|Szenario RCP2.6]] wird die anthropogene Kohlendioxid-Konzentration noch bis zum Jahr 3000 über 300 ppm liegen.  Berechnungen mit verschiedenen Klimamodellen zeigen, dass mit dem Beginn einer neuen Eiszeit nicht vor 50 000 Jahren zu rechnen ist, wenn die Konzentration von CO<sub>2</sub> über 300 ppm verbleibt.<ref>IPCC (2013): Climate Change 2013, Working Group I: The Science of Climate Change, 5.8.3</ref>  


Die Wahrscheinlichkeit scheint daher tatsächlich relativ hoch, dass die Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre durch den Menschen Folgen haben wird, die die Wiederkehr einer nächsten [[Eiszeitalter|Eiszeit]] verhindern könnten. Das rapide Abschmelzen des arktischen [[Meereis|Meereises]] und das wahrscheinliche, wenn auch längerfristige Abschmelzen des [[Grönländischer Eisschild|Grönlandeises]] werden Bedingungen schaffen, die die geringfügigen Schwankungen der [[Erdbahnparameter]] möglicherweise zu wenig zur Wirkung kommen lassen werden, um eine neue Eiszeit (Kaltzeit) einzuleiten.   
Die Wahrscheinlichkeit scheint daher tatsächlich relativ hoch, dass die Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre durch den Menschen Folgen haben wird, die die Wiederkehr einer nächsten [[Eiszeitalter|Eiszeit]] verhindern könnten. Das rapide Abschmelzen des arktischen [[Meereis|Meereises]] und das wahrscheinliche, wenn auch längerfristige Abschmelzen des [[Grönländischer Eisschild|Grönlandeises]] werden Bedingungen schaffen, die die geringfügigen Schwankungen der [[Erdbahnparameter]] möglicherweise zu wenig zur Wirkung kommen lassen werden, um eine neue Eiszeit (Kaltzeit) einzuleiten.   

Version vom 29. August 2015, 20:38 Uhr

Eine neue Epoche der Klimageschichte

Der Begriff "Anthropozän" wurde 2002 von dem Nobelpreisträger für Chemie Paul Crutzen geprägt.[1] Crutzen stellte in einem Nature-Artikel dar, dass seit 200-300 Jahren der Mensch ganz entscheidend die natürliche Umwelt verändere, zunehmend nicht mehr nur lokal, sondern global. Als wichtigste Veränderung sieht Crutzen den Klimawandel durch die Erhöhung der atmosphärischen Konzentration von Treibhausgasen. Daneben erwähnt er das antarktische Ozonloch, die Nutzung von 30-50 % der globalen Landoberfläche durch den Menschen, die Ausbeutung der Meere durch die Fischerei, Lanschaftsveränderungen durch Deichbauten, Flussumlenkungen u.a. Phänomene. Crutzen schlägt vor, das Anthropozän mit dem Beginn des Industriezeitalters am Ende des 18. Jahrhunderts beginnen zu lassen.

Im Februar 2008 haben Wissenschaftler der Londoner Geologischen Gesellschaft Crutzens Vorschlag aufgegriffen und weiter ausgearbeitet.[2] Sie heben hervor, dass das Holozän die stabilste Klimaphase seit mindestens 400 000 Jahren war, mit Temperaturschwankungen innerhalb einer Amplitude von ca. 1 °C, und damit eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung der menschlichen Zivilisation darstellte. Inzwischen aber habe der Anstieg der Treibhausgas Kohlendioxid und Methan ein Niveau erreicht, das schon in diesem Jahrhundert zu einem Temperaturanstieg vergleichbar mit dem Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum vor rund 50 Millionen Jahren führen könne. Der gegenwärtige CO2-Gehalt sei ähnlich wie der im mittleren Pliozän, 4 Millionen Jahre v.h., als allerdings der Meeresspiegel 10-20 m höher lag. Das Klima der Erde werde vielleicht zurückkehren in wärmere Phasen, wie sie zuletzt im Miozän oder Pliozän vorherrschten. Möglicherweise werde damit die Epoche des Quartärs zu Ende gehen. Die Autoren schlagen vor, das Anthropozän mit dem Jahr 1800 beginnen zu lassen.[3]

Das Ende des Eiszeitalters?

Der Antrieb durch die Erdbahnparameter kann heute recht genau berechnet werden. Der Beginn einer neuen Eiszeit hängt allerdings nicht nur von der Sonneneinstrahlung ab, sondern auch von der atmosphärischen CO2-Konzentration. Nur wenn der Kohlendioxidgehalt unter das vorindustrielle Niveau sinkt, würde bei der aktuellen Konfiguration der Erdbahnparameter eine neue Eiszeit möglich sein. Klimaodellsimulationen zeigen jedoch eine Lebensdauer von anthropogenem CO2 von mehreren Tausend Jahren. Selbst bei dem extrem niedrigen Szenario RCP2.6 wird die anthropogene Kohlendioxid-Konzentration noch bis zum Jahr 3000 über 300 ppm liegen. Berechnungen mit verschiedenen Klimamodellen zeigen, dass mit dem Beginn einer neuen Eiszeit nicht vor 50 000 Jahren zu rechnen ist, wenn die Konzentration von CO2 über 300 ppm verbleibt.[4]

Die Wahrscheinlichkeit scheint daher tatsächlich relativ hoch, dass die Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre durch den Menschen Folgen haben wird, die die Wiederkehr einer nächsten Eiszeit verhindern könnten. Das rapide Abschmelzen des arktischen Meereises und das wahrscheinliche, wenn auch längerfristige Abschmelzen des Grönlandeises werden Bedingungen schaffen, die die geringfügigen Schwankungen der Erdbahnparameter möglicherweise zu wenig zur Wirkung kommen lassen werden, um eine neue Eiszeit (Kaltzeit) einzuleiten.

Dabei sind die neuen Klimaverhältnisse nur ein Merkmal, wenn auch vielleicht das entscheidende des neuen Zeitalters. Der Mensch prägt in vielerlei Hinsicht seine Umwelt selbst und sieht sich zunehmend veranlasst, die Folgen zu bewältigen. Damit nimmt er radikal Abschied von seinem früheren Verhältnis zur Natur, auf die er keinen Einfluss hatte, und sieht sich mehr und mehr einer Umwelt gegenüber, die sein eigenes Produkt ist, das auf ihn zurückwirkt, das er aber auch zu beherrschen lernen muss, will er nicht sein eigenes Opfer werden.

Einzelnachweise

  1. Paul J. Crutzen (2002): Geology of mankind, Nature 415, 23; sowie neuer: Steffen, W., P.J. Crutzen and J.R. McNeill (2007): The Anthropocene: Are Humans Now Overwhelming the Great Forces of Nature?, Ambio 36, 614-621
  2. Jan Zalasiewicz et al. (2008): Are we now living in the Anthropocene?, GSA TODAY, 18/2, 4-8
  3. Offiziell benennen könnte eine solche Epoche nur die Internationale Stratigraphische Kommission (ICS). Der Artikel der britischen Geologen ist als Appell an die ICS zu verstehen.
  4. IPCC (2013): Climate Change 2013, Working Group I: The Science of Climate Change, 5.8.3

Literatur

  • Ehlers, Eckart (2008): Das Anthropozän. Die Erde im Zeitalter des Menschen, Darmstadt

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