Heimkehr in ein Fremdes Land

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Heimkehr in ein Fremdes Land (No Longer at Ease) ist ein 1960 erschienener Roman des nigerianischen Autors Chinua Achebe.

In seinem zweiten Roman “Heimkehr in ein Fremdes Land“ versetzt Achebe seinen Protagonisten Obi Okonkwo, Enkel des Selbstmörders aus dem ersten Roman, in die Zeit kurz vor der Unabhängigkeit. Obi erhält von Igbos in einer der vielen Enklaven der nigerianischen Diaspora einen üppigen Ausbildungskredit, um in Großbritannien studieren und dann später die Interessen ihrer Partei besser vertreten zu können. Achebe thematisiert in diesem Roman die massiven Identitätsprobleme der “Have Been To“, zu denen auch Obi zählt, die in der späten Kolonialzeit und zu Beginn der Unabhängigkeit zwischen der westlichen Glitzerwelt in Europa und den USA und den noch weit verbreiteten traditionellen Strukturen in Afrika aufgerieben und vielfach auch zerrieben werden. Achebe erzählt die Geschichte Obis als Rückblende, der im Gerichtssaal auf sein Urteil wegen Korruption wartet. Ort des Geschehens ist die aufstrebende Haupt- und Hafenstadt Lagos im Südwesten Nigerias, wohin viele Igbo gezogen sind auf der Suche nach Glück und Geld. Auch Obi bleibt nach seiner Rückkehr in Lagos, wo er eine gut bezahlte Anstellung bei der Behörde mit guten Karriereaussichten bekommt, die die lukrativen Ausbildungsstipendien vergibt. Dort muss er schnell erfahren, dass nicht die Qualifikation über ein Stipendium entscheidet, sondern Schmiergeldzahlungen oder Sex. Doch zunächst hält er dem Druck stand und stellt Empfehlungen nur nach überprüfbaren Kriterien aus. Erst die Begegnung mit nach wie vor bestehenden traditionellen Vorstellungen und Praktiken in seiner Heimatregion verwandeln den Helden dieses Romans in die tragische Figur. Die Liebe zu einer Frau, die aber auf Grund ihrer Herkunft innerhalb der Igbo-Gesellschaft als “Osu“, als “Ausgestoßene“ gilt, erzeugt einen familiären Konflikt, dem sich Obi, trotz seines aufgeklärten Denkens und den christlichen Überzeugungen seiner Eltern, nicht entziehen kann. Die traditionellen Vorstellungen in der Familie richten eine unüberwindbare Mauer auf, die Obi letztlich nicht überqueren kann. Er überredet seine von ihm geschwängerte Freundin zur Abtreibung, die daraufhin die Beziehung zu ihm abbricht. Der üppige Lebensstil, die Rückzahlung des Kredites, die Arztkosten und die Ausbildungskosten seiner Geschwister übersteigen schon bald seine finanziellen Möglichkeiten. Er geht daraufhin den Weg des geringsten Widerstandes und passt sich den korrupten Verhältnissen in der Behörde an. Doch er scheitert, denn er steht bereits unter Beobachtung, wird mit einer gestellten Falle der Korruption überführt und landet schließlich im Gefängnis.


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