Murasaki Shikibu

Aus Weltliteratur
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Murasaki Shikibu (Ende des 10. Jahrhunderts in Kyōto, † Anfang des 11. Jahrhunderts) war eine Hofdame am Kaiserhof und Schriftstellerin im Japan der Heian-Zeit. Sie ist die Autorin des Genji Monogatari (Geschichten des Prinzen Genji), dem ersten bedeutenden Roman der östlichen Welt und Meisterwerk der klassischen japanischen und Weltliteratur.

Murasaki Shikibu

1 Herkunft des Namens

Der Geburtsname von Japans erster Romanautorin ist wie so vieles von ihrem Leben unbekannt. Sie hat anstelle dessen den Namen Murasaki Shikibu (wörtlich: Violett der Zeremonie) erhalten, zu dessen Herkunft es die verschiedensten Theorien gibt.

Sicher ist, das sie aus einem unbedeutenderen, wenn auch literarisch tätigen Nebenzweig der Fujiwara-Familie stammte und sie zu Beginn ihres Hoflebens Tō no Shikibu genannt wurde. Die Bezeichnung Shikibu beruht wahrscheinlich darauf, dass ihr Vater und später auch Bruder Ämter im Ministeriums für Riten und Zeremonien, dem Shikibu Shō innehatten. Das Kanji-Schriftzeichen 藤, das sinojōapanisch als tō gelesen wird, kann reinjapanisch auch fuji bedeuten. Dies weist auf ihre Abstammung aus der Fujiwara-Familie hin, da fuji nicht nur die erste Silbe des Familiennamens darstellt, sondern auch übersetzt Glyzinie (auch Blauregen genannt, wegen ihrer bläulich-violetten Blüten) bedeutet, welche das Symbol der Fujiwara-Familie ist.

Zur Herkunft des Namens Murasaki gibt es mehrere Theorien: In einer heißt es, dass der Name sich auf ein bekanntes Gedicht aus dem Kokinshū bezieht, auf welches Kaiser Ichijō (980-1011) verwies als er Murasaki am Hof einführte. Zum anderen könnte er sich aber auch herleiten von der Blütenfarbe der Glyzinie als Familien-Symbol, denn Murasaki bedeutet übersetzt violett oder lila. Zufolge einer weiteren und weit verbreiteten Theorie soll der Name aus ihrem bekanntesten Werk, dem Genji Monogatari, stammen, in dem die weibliche Hauptfigur Murasaki (no) Ue heißt.

2 Leben

2.1 Abstammung und Kindheit

Über das Leben von Murasaki Shikibu existieren heute kaum noch präzise Quellen, wodurch sich die Rekonstruktion ihrer Biographie als äußerst schwierig gestaltet und oftmals nur Vermutungen angestellt werden können. Als einer der wenigen eindeutig belegbaren Fakten gilt, dass sie in Heian-kyō (dem heutigen Kyōto) zur Welt kam.

Ungewiss ist dann aber bereits das Geburtsjahr, für welches sowohl 970 als auch 973, spätestens aber 978 zu finden ist. Murasaki könnte sowohl im Hause ihres Vaters Fujiwara Tametoki (947-?) als auch im Haus ihres Großvaters mütterlicherseits, Fujiwara Tamenobu, geboren worden sein, da es damals nicht selten vorkam, dass eine Frau für die Geburt ihres Kindes in das Haus ihrer Familie zurückkehrte.

Ebenfalls unbekannt ist, ob Murasakis Vater überhaupt mit ihrer Mutter, ebenfalls eine Fujiwara, verheiratet war, da er zeitgleich auch mit einer anderen Frauen Kinder hatte und Polygamie in der damaligen Adelsschicht weit verbreitet war. Sicher ist, dass das Paar drei Kinder hatte: Murasakis ältere Schwester, Murasaki selbst und ihren jüngeren Bruder Nobunori (974-1011), bei dessen Geburt die Mutter gestorben sein soll.

Von ihrer Mutter schien Murasaki eine schriftstellerische Begabung geerbt zu haben, und auch väterlicherseits folgte sie auf zwölf in Literatur und Schrift außergewöhnlich begabte Vorfahren. So war ihr Urgroßvater Fujiwara Kanesuke (877-933) einer der Sanjūrokkasen (Gedichtsammlung 36 großer Dichter), und ihr Vater war berühmt für seine ausgezeichnete Beherrschung der chinesischen Schrift.

Über Murasakis Kindheit und wie sie aufgewuchs ist nicht viel bekannt. Das Wenige, dass wir wissen, stammt aus vereinzelten Tagebucheinträgen. Es wäre denkbar und nicht unüblich, dass Murasaki bis 987, als ihr Großvater Tamenobu in den Priesterstand eintrat, in dessen Haushalt aufgewachsen und erst danach zu ihrem Vater gezogen ist. Dagegen spricht jedoch, dass sie gemeinsam mit ihrem Bruder in der Kindheit von ihrem Vater in den „chinesischen Studien“ (Literatur und Schrift) unterrichtet worden und Nobunori darin sogar übertroffen haben soll. Zu dieser Zeit war es jedoch eher ungewöhnlich, Mädchen eine umfangreiche Bildung zu ermöglichen, da man der Meinung war, ein oberflächliches Wissen in Literatur und Kunst reiche völlig aus. Deshalb lag der hohe Bildungsstand, den Murasaki durch das gemeinsame Lernen mit ihrem Bruder erreichte, durchaus außerhalb der Norm.

2.2 Die erwachsene Murasaki Shikibu

996 wurde Murasakis Vater der Verwalter der Provinz Echizen (heute Präfektur Fukui), für Murasaki eine einmalige Gelegenheit die Hauptstadt zu verlassen, denn als Tochter aus gutem Haus war es ihr untersagt, zu reisen, wenn jene Reisen keinem Zweck dienten, oder zu weit entfernten Destinationen führten, was für eine wissbegierige Frau wie sie ein schwerer Schlag war. Da sie zu jener Zeit (nimmt man 973 als Geburtsjahr) 23 und somit im heiratfähigem Alter war, besteht die Möglichkeit, dass Murasaki vor dieser Reise bereits einmal verheiratet gewesen sein könnte, bewiesen kann diese Theorie jedoch nicht werden. Nach ca. 1½ Jahren kehrt Murasaki nach Kyōto zurück, und heiratet im Jahre 998 (999?) Fujiwara Nobutaka (952-1001), ein Cousin vierten Grades, welcher zwanzig Jahre älter als sie und nur vier oder fünf Jahre jünger als ihr Vater war. Er hatte zum Zeitpunkt dieser Heirat bereits erwachsene Kinder, sein ältester Sohn war gleich alt wie Murasaki, und es wird vermutet, dass er nicht nur Murasaki, sondern auch ihrer jüngeren Schwester Interesse entgegenbrachte. 999 brachte Murasaki eine Tochter zur Welt, Katako, die später als Daini no Sanmi (999-1077) ebenfalls eine bekannte Schriftdtellerin wurde. Es gibt Annahmen, denen zufolge Katako, nach dem Tode ihrer Mutter, das Genji Monogatari vollendet haben soll, bestätigende Quellen gibt es aber keine. Jedenfalls starb Murasakis Ehemann Nobutaka im Jahre 1001 und im Herbst desselben Jahres begann sie mit der Abfassung des Genji Monogatari.

Fujiwara no Michinaga (966-1027), Herrscher im frühen 11. Jahrhundert in der Heian Periode

2.3 Das Leben bei Hof (I)

Am 29. Tag des zwölften Monats im zweiten Jahr Kankō (1005) tritt Murasaki nach einiger Zeit der Überredung durch Fujiwara no Michinaga (996-1028) und dessen Frau in die Dienste der Kaiserin Jōtōmon’in (988-1074, auch bekannt als Fujiwara no Shoshi), der Tochter Michinagas, ein. Natürlich war es eine große Ehre und doch ging Murasaki nur widerwillig und kehrte nach kurzer Zeit wieder nach hause zurück. Das Leben bei Hof war so gar nicht wie sie es aus Erzählungen kannte und es sich vorgestellt hatte, man war ihr gegenüber kritisch eingestellt, behauptete sogar, ihr Vater wäre es gewesen, der sich die Handlung des Genji Monogatari ausdachte, sie solle es nur niederschreiben und ausschmücken. Doch selbst wenn sie von den anderen Höflingen gekränkt, gehasst und hinabgesetzt wurde, blieb sie, auf Bitten der Kaiserin selbst, als Hofdame in ihrem Dienst. Außerdem erfuhr sie die Unterstützung des Kaisers Ichijō (980-1011), welcher sie für so intelligent hielt, dass er äußerte, sie habe mit Sicherheit das Nihongi, eines der beiden alten historischen Werke der japanischen Geschichte, geschrieben in klassischem Chinesisch, gelesen. Die Besonderheit daran war, dass zur Heian-Zeit Frauen weder Chinesisch lesen noch schreiben konnten, sondern sich der sog. „Frauenschrift“ (onna-de) bedienten. Murasaki besaß aber sehr wohl die Fähigkeit, Chinesisch zu lesen. Doch es gab noch eine weitere Schriftstellerin bei Hofe, von der bekannt war, dass sie der chinesischen Schrift mächtig war, Sei Shōnagon.

2.4 Erbitterte Rivalinnen – Murasaki Shikibu und Sei Shōnagon

Sei Shōnagon (966?-1025?), die Autorin des Makura no Sōshi (dt.: Kopfkissenbuch) kannte sich mit dem Leben bei Hofe aus, sie war provozierend und selbstsicher und auch eine ausgezeichnete Schriftstellerin. Die kleine Stiefschwester Murasakis heiratete einen Beamten, welcher am Hof des Kaisers tätig war. Ein Plan, welchen dieser Beamte entworfen hatte, war von ihm in so unleserlichen Schrift kommentiert worden, dass sich Sei Shōnagon die Freiheit nahm ihn nun durch eine Anmerkung ihrerseits zum Gespött bei Hofe zu machen, auch sprach sie schlecht über Fujiwara Nobutaka, welcher, wie bereits erwähnt, der verstorbene Gatte Murasakis war. Murasaki, deren Kenntnisse der chinesischen Schrift der Shōnagons überlegen gewesen sein mussten, rümpfte, als sie eines von Shōnagons Schriftstücken sah, nur die Nase. Auch ließ sie in ihrem Tagebuch kein gutes Wort über sie fallen.

Ein weiterer Grund für ihre gegenseitige Abneigung war, dass sie im Gefolge unterschiedlicher Kaiserinnen dienten. Die erste und demnach rangälteste Gemahlin Ichijōs war Kaiserin Sadako (oder Teishi, 977-1000), in deren Gefolge sich Sei Shōnagon befand. Zu jener Zeit waren es jedoch die Fujiwara, welche an der Macht waren, allen voran Fujiwara Michinaga und als er es schaffte, seine eigene Tochter zur Kaiserin zu machen, stellte er sicher, dass sie es war, die den für eine Frau höchsten Rang innehatte. Dies war natürlich ein schwerer Schlag für Kaiserin Sadako und ihr Gefolge, die der neuen Kaiserin und ihrem Gefolge, welchem auch Murasaki angehörte, nicht gerade wohlgesinnt gegenüberstanden.

2.5 Das Leben bei Hof (II)

Murasaki verbrachte viel Zeit damit das Genji Monogatari zu schreiben, musste sich aber auch ihren Verpflichtungen bei Hof widmen. Sie musste das Spielen der Koto erlernen, sich im kalligraphischen Schreiben üben und die Kaiserin unterhalten. Sie unterwies die Kaiserin nicht nur in den von Ministern und dem Kaiser empfohlenen Werken, sondern heimlich auch in Sammlungen von Gedichten, in denen Murasaki die Möglichkeit sah, aus der Kaiserin eine Frau mit höchsten moralischen Vorstellungen zu machen, was ihr Vater Michinaga sehr begrüßte. Im Herbst 1008 begann sie das Murasaki Shikibu nikki, welches ihr Leben bei Hof beschrieb und die Zeit vor und nach der Geburt des Kronprinzen Atsuhira, des späteren Go-Ichijō Tennō (1008-1036), behandelte. In ihrem Tagbuch schrieb sie, bis zur Vollendung im Jahre 1010 all ihre Gedanken über Veranstaltungen, und Ereignisse, sowie ihre Meinung über andere Hofdamen nieder.

Es wird angenommen, dass Murasaki im Jahr 1011 den Hof für einige Zeit verließ, da auch sie den Tod eines geliebten Menschen zu verkraften hatte, den ihres Bruders Nobunori. Wann sie wieder an den Hof zurückkehrte und wie ihr weiteres Leben bis zu ihrem Tode verlief, ist unklar.

Auch das Todesjahr ist ungewiss, hier wird 1014, 1016 oder 1025 genannt. Am wahrscheinlichsten ist aber das Jahr 1016, da ihr Vater in jenem Jahr in ein buddhistisches Kloster eintrat. Man nimmt an, dies sei aufgrund seiner Trauer um Murasaki und ihren nur wenige Jahre zuvor verstorbenen, jüngeren Bruder Nobunori geschehen.

Murasaki Shikibus Grab soll südlich des Byakugō-in, eines dem Urin-in zugehörigen Klosters in Kyōto, und westlich des Grabes von Takamura no Ono (Höfling, Dichter und Gelehrter, 802-853) liegen. Diese Gräber wurden nicht verlegt und befinden sich bis heute dort.

3 Werke

4 Literatur

  • Katharina Maier: Die großen Literaten der Welt. Amerika und Asien, Wiesbaden 2007

5 Weblinks

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