Ein Volksfeind

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Ein Volksfeind (norwegisch: En Folkefiende) ist ein Drama von Henrik Ibsen.

Das Stück hat fünf Aufzüge und wurde am 13. Januar 1883 am Christiania Theater in Oslo uraufgeführt.

1 Thema

Ein Thema des Dramas ist "Der Einzelne und die Öffentlichkeit"; ein anderes ist "Der Idealist und der Realist".Ein weiteres Thema ist der Konflikt zwischen Lüge und Wahrheit.

2 Handlung

Die Geschichte spielt in einer Küstenstadt im südlichen Norwegen. Die Hauptperson ist der Badearzt Tomas Stockmann. Er lebt mit seiner Familie, bestehend aus seiner Frau Katrine, der Tochter Petra und den beiden Söhnen Eilif (13 Jahre) und Morten (10 Jahre), erst seit einiger Zeit im Kurort.

2.1 1. Akt

Die Handlung beginnt im Wohnzimmer der Familie Stockmann, in dem gerade Billing (Mitarbeiter der Zeitung) und Hovstad (Redakteur der "Volksnachrichten") anwesend sind, wobei der Zweitgenannte erst etwas verspätet eintrifft. Auch der älteste Bruder von Tomas, Peter Stockmann, ist Teil des Geschehens. Er, der Amtsrat und Polizeidirektor sowie Vorsitzender der Kurverwaltung, macht bereits zu Beginn des Stücks einen unzufriedenen Eindruck, indem er einiges bemängelt und bereits hier das Gefühl hat, sich und seine Förderung des Kurbads verteidigen zu müssen. Danach treten sowohl Dr. Stockmann und Kapitän Horster sowie seine Söhne auf. Es bricht eine erste Diskussion zwischen Tomas und Peter aus, wobei die Volksnachrichten einen positiven Artikel über das Kurbad drucken wollen (der von Tomas stammt), was von Peter befürwortet würde, aber bei Tomas zu absolutem Widerstand fürht. Dr. Stockmann spricht zu diesem Zeitpunkt von unnormalen Verhältnissen im Kurbad, was jedoch noch nicht ganz aufgeklärt wird. Erst als Peter gegangen ist und Petra mit einem Brief von Postboten in die Szene eintritt, wird offensichtlich, um was es geht. Tomas hat das Seewasser und somit das Wasser des Kurorts von Chemikern an einer Universität analysieren lassen. Dabei wurde festgestellt, dass sich schädliche bzw. krankheitserregende Mikroorganismen darin befinden. Diese Feststellung verkündet er nach dem Lesen des Briefes den Anwesenden. Diese drücken sogleich ihre Begeisterung über seine Entdeckung aus und spekulieren darüber, wie man Tomas für sein Tun wohl danken wird. Ende des ersten Aktes.

2.2 2.Akt

Der zweite Akt beginnt mit dem Erhalt eines Briefes vom Amtsrat. Darauf erscheint Morten Kill, der Pflegvater von Katrine. Er, der Tomas nie richtig mochte, gratuliert diesem zu seinem gelungenen Streich. Morten Kill geht nämlich davon aus, dass die ganze Sache mit dem verdorbenen Wasser eine Lüge ist, um die großen Männer der Stadt hinters Licht zu führen. Sowohl Hovastad als auch Aslasken, der Buchdrucker, erscheinen und verkünden Tomas feierlich ihre Unterstützung, wobei Aslasken betont, dass mit Maß vorzugehen sei. Aslasken und Hovstad sind beide der Meinung, dass es wichtig und richtig ist, den Artikel von Dr. Stockmann möglichst schnell zu drucken, in dem die Missstände des Kurbads aufgeklärt werden. Nachdem Hovstad und Aslasken verschwunden sind, folgt der Auftritt von Peter. Er verlangt dabei von Tomas, seine Anschuldigungen gegenüber dem Kurbad für sich zu behalten. Einerseits versucht er, Tomas mit Argumenten zu überzeugen, etwa dass der gewünschte Umbau, der die von der Gerberei ausgehende Verschmutzung beheben könnte, mindestens zwei Jahre dauern würde und dass dieser Umbau immense Kosten mit sich bringen würde, den die kleinen Bürger mit ihren Geldern zu bezahlen hätten. Andererseits droht er ihm aber auch mit der Entlassung als Badearzt, wenn er es wagen würde, mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit zu gehen. Aus Angst vor dem Existenzverlust versucht Katrine, die Auseinandersetzung zu schlichten, wobei Petra mit ihrer Unterstützung gegenüber dem Vater genau das Gegenteil bezweckt. Nach diesem Streit der beiden Herren und einer Diskussion in der Familie, ist der zweite Akt beendet.

2.3 3.Akt

Der dritte Akt beginnt im Redakionsbüro des Volksboten. Billing und Hovstad sprechen über Dr. Stockmanns Artikel. Beide freuen sich darüber, den großen Herren der Stadt eins auszuwischen zu können. Dann taucht Tomas auf und verkündet, dass sein Artikel in den Druck gehen kann, worüber sich die beiden Herren lautstark freuen. Es wird sogar von einer Revolution gesprochen, wobei Aslasken dem Druck des Artikels auch zustimmt, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass eine gewisse Mäßigung bei dem Vorhaben vorhanden sein muss. Dr. Stockmanne geht. Im Verlauf des Gesprächs kommt außerdem ans Licht, dass Billing sich für einen Sekretariatsposten beworben hat, und das, obwohl er sich ja als Gegner der Obrigkeit darstellt. Danach befindet sich Hovstad alleine im Büro und Petra stattet ihm einen Besuch ab. Hovstad gibt an diesem Punkt zu, dass seine Unterstützung für Tomas auch mit seinem Gefallen an Petra zusammenhängt, was diese jedoch sehr wütend macht, so dass sie wieder geht. Dann folgt der Auftritt des Amtsrates. Ihm gelingt es, sowohl Aslasken als auch Hovstad und Billing von ihrem Vorhaben abzubringen. Einerseits, indem er sie einschüchtert, und andererseits, indem er sie mit seinen Argumenten zu überzeugen versucht. Der Zufall will es, dass genau in diesem Moment Tomas in das Büro hereinkommt, und Peter sich verstecken muss. Auch Katrine taucht auf. Sie will den Druck des Artikels ihres Mannes nicht zulassen, weil sie Angst hat ihre Existenz zu verlieren. Doch der Amtsrat bleibt nicht lange unentdeckt. Sein Hut und sein Stock haben ihn verraten. Danach eskaliert die Situation. Tomas stellt fest, dass weder die geschlossene Mehrheit noch einer der drei Männer hinter ihm stehen. In diser Situation bekennt sich Katrine erstmals zum Standpunkt von Tomas und garantiert ihm ihre Unterstützung. Somit schließt der dritte Akt.

2.4 4.Akt

Der vierte Akt spielt in einem Saal des Kapitän Horsters. Niemand außer ihm war bereit gewesen, Dr.Stockmann einen Raum für eine Kundgebung zur Verfügung zu stellen. Es ist eine große Menge an Menschen anwesend sowie auch seine Familie, Aslasken, Hovstad, Billing und der Amtsrat. Im Vorfeld dieser Versammlung hatte man unter anderem im Volksboten darüber berichtet, dass die Aussagen von Tomas nicht stimmten, und dass dieser nur die ganze Stadt ruinieren wolle. Dadurch gelingt es Hovstad, Aslasken, Billing, aber vor allem dem Amtsrat, die Leute im Saal nur mit wenigen Worten gegen Tomas aufzuhetzen. Die Menge gibt danach an, nichts über die Missstände im Kurbad hören zu wollen. Doktor Stockmann versichert darauf, nichts davon zu erwähnen, was zu Erstaunung im Saal führt. Er berichtet dabei energisch und mit heftigen Worten von den Missständen in der Gesellschaft, wobei er immer wieder gewählte Vergleiche zu den schlimmen Zuständen im Kurbad zieht. Dabei erregt er die Zuhörer mit Aussagen wie: "Der größte Feind der Wahrheit und der Freiheit, das ist die geschlossene Mehrheit. Ja, diese verfluchte, geschlossene, liberale Mehrheit - die ist es! Jetzt wissen Sie's." Oder mit dem Ausruf: "...es kann doch nie und nimmer richtig sein, dass die Dummen über die Klugen herrschen." Und noch ein letztes Zitat aus seiner Rede:"Die Mehrheit hat die Macht -leider-, aber das Recht hat sie nicht." Nach diesen Aussagen ist die Versammlung wütend. Es wird von Aslasken eine Abstimmung herbei geführt, in der darüber abgestimmt wird, ob Tomas Stockmann ein Volksfeind ist oder nicht. Damit wird er mit allen Stimmen außer der eines Betrunkenen zum Volksfeind erklärt. Die Menschenmenge ist tobend und wütend. Sie entscheidet sich, ihre Wut an der Familie Stockmanns und an deren Haus auszulassen. Kapitän Horster hilft der Familie in ihr Haus zurück zukehren, womit der vierte Akt sein Ende findet.

2.5 5.Akt

Der fünfte und letzte Akt startet wie der erste Akt im Haus der Stockmanns. Es werden Steine aufgelesen, die in der Nacht vom erbosten Volk durch die Fenster geschleudert wurden. Es wird noch einen Momentlang über die Steine gesprochen. Nach und nach werden die Auswirkungen der Rede von Tomas deutlich. Der Amtsrat legt seinem Buder die Kündigung vor, weil es aufgrund der Ansicht der Bevölkerung nicht anders geht. Der Vermieter kündigt der Familie den Vertrag, weil er vor dem Volk nicht anders kann. Die Vorgesetzte von Petra kündigt ihr, weil sie muss, wegen der Meinung der Mehrheit. Der Einzige, der zur Familie hält, ist Kapitän Horster. Auch er wurde entlassen, weil auch sein Vorgesetzter es so tun muss, wegen der öffentlichen Meinung. Der Kapitän ist bereit, die Stockmanns in die neue Welt, also nach Amerika mitzunehmen. Dann tritt eine überraschende Wendung ein. Morten Kill taucht auf und setzt Tomas darüber in Kenntnis, dass er bis vor kurzem Geld zur Seite gelegt hatte, das sowohl Katrine, als auch den Kindern zu Gute kommen sollte. Doch nun habe er das Geld in Aktien des Kurbades investiert und beinahe alle Wertpapiere aufgekauft. Wenn Tomas also die Zukunft seiner Familie nicht vollkommen ruinieren wolle, dann müsse er sich entschuldigen für das Gesagte und zugeben, dass er sich, was die Verschmutzungen im Kurbad betreffe, geirrt habe. Nur so würden die Aktien wieder steigen und die Zukunft der Familie bliebe gesichert. Diese Handlung von Morten Kill ist relativ unerwartet, doch er hat einen konkreten Beweggrund für sein Handeln. Er ist der Besitzer der Gerberei, von der die Verschmutzung des Kurorts ausgeht, und er will verhindern, dass sein Ruf und der seiner Gerberei Schaden nimmt. Weil darauf Hovstad und Aslasken glauben, dass die ganze Aktion von Tomas nur dazu diente, die Aktien des Kurbades zu senken, um es günstig zu erwerben, sind sie auf einmal wieder auf der Seite von Tomas, wobei sich die beiden von ihm finanzielle Unterstützung für ihre Zeitung erhoffen. Darauf dreht Tomas durch. Er bedroht die beiden Herren mit einem Regenschirm, lehnt das Angebot von Morten Kill ab und beschließt, nicht nach Amerika auszuwandern. Er will in seiner Heimatstadt bleiben, seine beiden Jungs mit der Hilfe von Petra unterrichten. Außerdem würden noch andere Kinder von Freidenkern oder Bedürftigen seinen Unterricht besuchen. Unterkunft würden sie bei Kapitän Hortser finden. Dr. Stockmanns Entschluss steht fest, sie werden sich der Gesellschaft nicht beugen. Ende des fünften Aktes und des Stücks.

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