Ein Bild von Afrika

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Ein Bild von Afrika (An Image of Africa: Racism in Conrad’s Heart of Darkness) ist eine erschienene Essaysammlung des nigerianischen Autors Chinua Achebe.

In dem kleinen Essayband “Ein Bild von Afrika“ ragen die beiden Beiträge zum Rassismus in Joseph Conrads “Herz der Finsternis“ und den auf dem Horizonte Festival in Berlin 1979 gehaltene Vortrag “Hindernisse für einen Dialog zwischen Nord und Süd“ heraus. Herz der Finsternis hat seit seinem Erscheinen 1902 das Denken über Afrika nachhaltig geprägt und auch die Vorlage zum Film “Apocalypse Now“ geliefert. Nach Achebes Ansicht entwirft es ein Bild von Afrika als “der anderen Welt“, der Antithese zu Europa, also zur Zivilisation, einer Gegend, wo die Intelligenz und Verfeinerung des Menschen von triumphierender Bestialität schließlich lächerlich gemacht werden. Den Kongo hinaufzufahren, so Conrad, war wie eine Reise zurück zu den frühesten Anfängen der Welt. Conrad hat, so Achebe, das Bild von Afrika in seinem Buch nicht ursprünglich erschaffen, sondern nur dem in der westlichen Einbildung vorherrschenden Bild durch seine besondere Begabung Nachdruck verliehen. Nach Achebes Auffassung schwebt der Westen ständig in Angst um seine Zivilisation und brauche zur Selbstbestätigung ständig den Vergleich mit Afrika. Conrad sah und verurteilte zwar das Übel imperialer Ausbeutung, war aber seltsam blind für den Rassismus, an dem er seine eisernen Zähne schärfte, so Achebe.

In seinem Beitrag “Hindernisse für einen Dialog zwischen Nord und Süd“ stellt Achebe die Notwendigkeit des partnerschaftlichen Kulturaustausches zwischen Nord und Süd in den Mittelpunkt seiner Argumentation. Doch liegt im Schlüsselwort “partnerschaftlich“ zugleich der Ursprung für das Hindernis für einen Dialog, da keine Definition von Partnerschaft die Idee der Gleichberechtigung außer acht lassen könnte. Und Gleichberechtigung sei eben genau das, was die Europäer vor allem Afrikanern nicht zugestehen können. Demnach bliebe das Problem des Dialogs, das die afrikanisch-europäischen Beziehungen seit Jahrhunderten belastet, bis zu dem Tage ungelöst, an dem Europa endlich bereit sei, das völlige Menschsein des Afrikaners einzugestehen. Doch solange sie, die Afrikaner, der “Müll der Weißen“ seien, sei ein Dialog unmöglich. Erst wenn sich die Konstellation ändern würde, gäbe es vielleicht eine Chance, falls der “Müllberg nicht in der Zwischenzeit Feuer gefangen und die Welt in Brand gesteckt hat“.


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