Die Nashörner

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Die Nashörner (Originaltitel: Rhinocéros) ist ein Theaterstück des französischen Dramatikers Eugène Ionesco, das häufig fälschlicherweise als eine Art Parabel verstanden wird, die das Aufkommen und Erstarken des Faschismus im Dritten Reich zum Thema hat. Das Stück gehört zur Dramenrichtung des absurden Theaters. Grundlage der einseitigen Interpretation des Stückes in drei Akten ist die Uraufführung desselben 1959 in Düsseldorf, die aus dem Grunde in Deutschland – und nicht in Frankreich – stattfand, weil die Handlung als zu brisant für Frankreich eingestuft wurde. Das deutsche Publikum jedoch interpretierte den Inhalt vor dem eigenen historischem Hintergrund und blendete dabei die spezifische Bedeutung des Stückes im Frankreich der fünfziger Jahre aus.

Schon im Herbst 1957 erschien eine Erzählung Ionescos mit dem Titel Rhinocéros, mit der Ionesco auf den Ausbruch von Patriotismus und Rassismus reagierte, den Frankreich während eines Höhepunktes des Algerienkrieges (im Winter 1956/1957) erlebte.

Im Stück Die Nashörner wurden Handlung und Personen von der gleichnamigen Erzählung Rhinocéros übernommen und leicht verändert. Diesmal war es Ionescos Reaktion auf die Wahl Charles de Gaulles, von dem er ein eher autoritäres Regime erwartete.

Inhaltlich beschreibt Ionesco in einer fiktiven Gesellschaft eine fortschreitende Umwandlung der Personen in Nashörner, wobei dieser Prozess jedoch nur von einigen wenigen wahrgenommen wird, und die letztlich – bis auf den Protagonisten – alle erfasst. Weder Warnungen, noch deskriptive Hinweise der Hauptfiguren des Stückes können an diesem Vorgang etwas ändern; im Gegenteil – sie verschlimmern die Situation dieser Figuren noch mehr, da ihnen nicht geglaubt wird.

1 Interpretation

Es handelt sich um eine Erzählung, deren Interpretation offen bleibt. Die wahrscheinlichste Interpretationsmöglichkeit ist die der Kritik an sämtlichen totalitären Regimen (Nationalsozialismus, Stalinismus und andere) und am Verhalten des Volkes, das widerstandslos folgt, als einheitliche Masse (daher das Bild der Nashörner), aus Angst vor dem Regime. Ionesco kritisiert im Speziellen das Verhalten der Franzosen zu Beginn der deutschen Besetzung. Außerdem zeigt er auf, wie sich alle totalitären Regime vermischen, um die Orientierung der Menschen anzugreifen und Intellektuelle (vertreten durch den Logiker) sowie den ordentlichen Jean in Herdentiere, wie Nashörner zu verwandeln. Bérenger, dessen Veränderung der Zuschauer während des gesamten Stückes verfolgt, ist am Ende der Einzige, der der Krankheit, der „Rhinocérite“, widersteht. Seine Reaktion bleibt die einzige normale: „Ein Mensch, der sich in ein Nashorn verwandelt, das ist unbestritten nicht normal.“ Er repräsentiert die Résistance, die sich Stück für Stück während des Zweiten Weltkrieges bildete. Ionesco benutzt in seinem Werk das Absurde und das Komische, um Fakten zu verdeutlichen.

2 Sekundärliteratur

  • Bahners, Klaus: Eugène Ionesco: Die kahle Sängerin/Die Unterrichtsstunde/Die Nashörner. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 392). Hollfeld: C. Bange Verlag 1997


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