Die Elenden

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Die Elenden (französisch: Les Misérables) ist ein Roman von Victor Hugo, den er 1862 im Exil beendete.

1 Inhalt

Illustration zu Die Elenden von Emile Bayard

Geschildert wird die französische Gesellschaft von der Zeit Napoleons bis zur Zeit des Bürgerkönigs Louis Philippe. Im Mittelpunkt steht der ehemalige Bagno-Sträfling Jean Valjean. Nach 19 Jahren Haft, die er für den Diebstahl eines Stücks Brot sowie für mehrere Fluchtversuche erhalten hat, ist er ein von der Gesellschaft gebrandmarkter und innerlich verhärteter Mensch. Durch seine Begegnung mit dem Bischof von Digne, M. Myriel, einem sehr gutherzigen Bischof, der ihn Güte erfahren lässt, bekehrt er sich und wird zu einem moralisch guten Menschen. Unter dem Namen M. Madeleine erarbeitet sich Valjean Bildung, Reichtum und Ansehen, er wird sogar Bürgermeister und Fabrikant in Montreuil-sur-Mer.

Dort trifft er auch Fantine, eine verarmte junge Frau, die von einem Studenten mit ihrer Tochter Cosette sitzengelassen worden ist. Um nicht der Sittenlosigkeit angeklagt zu werden, hat sie diese dem habgierigen Gastwirt Thénardier zur Pflege gegeben und arbeitet in Montreuil-sur-Mer hart, um dessen immer höhere Geldforderungen erfüllen zu können. „Madeleine“ wird auf Fantine - nachdem sie an Lungenentzündung erkrankt ist - aufmerksam, bezahlt ihre Schulden und will Cosette ihrer todkranken Mutter zurückbringen.

Doch als ein Unschuldiger angeklagt wird, der untergetauchte ehemalige Häftling Valjean zu sein, gibt er sich zu erkennen und verliert alles, was er aufgebaut hat. Fantine stirbt an einem Schock, als Valjean an ihrem Krankenbett verhaftet wird. Aus der erneuten Haft kann Valjean fliehen, sein Lebensinhalt ist nun seine Vaterliebe zu Cosette, die er aus Thénardiers Klauen befreit. Lange Zeit leben die beiden, vollkommen glücklich, versteckt in Paris. Jean Valjean hat sein Vermögen retten können und wird zu einem bekannten Wohltäter, genannt Fauchelevent.

Ihr Idyll wird bedroht, als sich Cosette in den jungen Studenten Marius verliebt. Zudem wird ihr Ziehvater, was Cosette nicht ahnt, bereits seit Jahren von Inspektor Javert verfolgt, einem unerbittlichen, hartherzigen Verfechter des Rechts. Als Valjean die Liebe bemerkt, das einzige, was er in seinem Altruismus für ihm allein gehörig ansieht, versucht er sie zu unterdrücken und will mit Cosette nach England fliehen. Marius, der nun keinen Grund mehr zum Weiterleben sieht, beteiligt sich zusammen mit seinen Freunden an den Barrikadenkämpfen des Jahres 1832, in der Hoffnung, dort zu sterben. Valjean erfährt dies und rettet aus Liebe zu Cosette ihren Geliebten - ohne dass Marius es weiß. Javert, dem er ebenfalls in den Kämpfen das Leben gerettet hat, ist in seinem Glauben an die Gerechtigkeit des Rechts erschüttert, lässt Valjean, als dieser sich ihm stellen muss, laufen und begeht Selbstmord.

Nach der Hochzeit von Cosette und Marius offenbart Jean Valjean seinem Schwiegersohn Marius seine wahre Identität als ehemaliger Häftling, woraufhin Marius versucht, ihn von Cosette fernzuhalten, was den ohnehin schon sehr alten Mann vor Verzweiflung krank werden lässt. Als Marius - ironischerweise durch einen Versuch Thenardiers, Valjean zu verleumden - erfährt, was für ein Mensch Valjean wirklich ist, möchte er ihn um Verzeihung bitten. Marius und Cosette kommen beinahe zu spät: sie treffen Valjean auf dem Sterbebett an. Die Handlung ist weitgesponnen - im Grunde handelt es sich um einen politisch-ethischen Roman im Kleide eines Liebes- und Abenteuerromans.

Neben dem Schicksal der Einzelpersonen stehen die Pariser Barrikadenkämpfe von 1832 im Zentrum des Romans. Hugo schildert sie mit deutlicher Sympathie für die aufständischen Republikaner. An der Barrikade treffen alle positiven Haupt- und Nebenfiguren des Romans zusammen, fast so, als sei es eine Anstandspflicht, sich an den Aufständen zu beteiligen. Die Gestalt des heldenhaft geschilderten Pariser Gassenjungen Gavroche ist besonders einprägsam, ihr Gegenstück der abgrundtief schlechte Gastwirt Thénardier und seine Familie. Sowohl Gavroche als auch Thénardier tauchen im Verlauf des Romans immer wieder auf und beeinflussen den Fortgang der Handlung stark. Eine Pointe des Romans ist, dass es sich bei Gavroche um Thénardiers vernachlässigten Sohn handelt.

Hugo, der das Dasein der Unterschichten sehr genau schildert, sieht einen wichtigen Beitrag zur Lösung der sozialen Frage in der Errichtung der Republik. Zugleich zeigt er wiederholt, wie Elend durch ethisches Handeln Einzelner behoben oder gelindert wird. Der Roman wurde von vielen Lesern sehr positiv aufgenommen. Er trug durch seine Themen- wie Sprachwahl wesentlich zur Herausbildung der realistischen Literatur im 19. Jahrhundert bei. Vermutlich aufgrund seines historischen Anspielungsreichtums und seiner häufigen Verwendung von „Argot“, der französischen Gossensprache, sind die meisten deutschen Übersetzungen des Romans gekürzt.

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