Der Name der Rose

Aus Weltliteratur
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Mit einer gehörigen Portion Ironie schreibt Umberto Eco, der Leser möge bedenken, dass der vorliegende Bericht „die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch-französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfassten Textes“ sei.

Dieser auf Lateinisch verfasste Text stellt die Aufzeichnungen des Mönchs Adson von Melk (nach dem Benediktinerkloster Stift Melk) dar. Er zeichnet darin Ereignisse aus dem November des Jahres 1327 auf, als er Novize unter Aufsicht des Franziskanerpaters William von Baskerville war. Die Handlung findet im Wesentlichen in einer Benediktinerabtei im nördlichen Apennin statt.

Hier versammeln sich leitende Figuren des Franziskanerordens und eine Gesandtschaft des Papstes Johannes XXII., um theologische Fragen zur Notwendigkeit oder Nicht-Notwendigkeit der Armut der Kirche zu diskutieren und damit gleichzeitig Machtpositionen abzustecken. Der damalige römisch-deutsche Kaiser Ludwig IV. (Ludwig der Bayer) unterstützte die Forderung der Minoriten nach der theologischen Anerkennung der Armut Christi, da sie sich gleichzeitig gegen den prunksüchtigen Heiligen Stuhl richtete, der mit dem Kaiser um die weltliche Macht stritt. Parallel zu dieser politisch-theologischen Auseinandersetzung wird dem Leser der Klosteralltag vorgestellt.

Hauptbestandteil des Romans ist die ungewöhnliche Mordserie, der insgesamt fünf Mönche innerhalb weniger Tage zum Opfer fallen. Der ehemalige Inquisitor William von Baskerville, dessen Name und Charakter einerseits auf den Scholastiker Wilhelm von Ockham und andererseits (über den Kriminalroman Der Hund von Baskerville von Arthur Conan Doyle) auf Sherlock Holmes anspielt, wird vom Abt des Klosters um Aufklärung der Todesfälle gebeten.

In Ecos weitgreifender und tiefschürfender Darstellung des Mittelalters nimmt auch die Häresie eine Rolle ein. Anhand der Häretiker um Fra Dolcino und des Inquisitors Bernardo Gui werden die Phänomene der Ketzerei und der Inquisition dem Leser vor Augen geführt.

Eine Spur führt in die Klosterbibliothek und zum blinden Ex-Bibliothekar Jorge von Burgos. (Dessen Name ist eine Anspielung auf den Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Luis Borges, der ebenfalls im Alter erblindete.) Eine zentrale Rolle spielt hierbei ein besonderer Schatz in der Klosterbibliothek, nämlich das „Zweite Buch der Poetik“, welches die Komödie behandelt, von Aristoteles. Mit deren Zerstörung treibt Eco das den Prolog bestimmende Prinzip der Wissens-Entropie noch weiter auf die Spitze. Ebenfalls diesem Konzept entsprechend lässt Eco Adson zum Abschluss die bedauernden Worte „Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus“ („Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen“) niederschreiben.


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