Charles Baudelaire

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Charles-Pierre Baudelaire (* 9. April 1821 in Paris; † 31. August 1867 ebd.) war ein französischer Schriftsteller. Er gilt heute als einer der größten französischen Lyriker überhaupt und als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen literarischen Moderne.

Charles Baudelaire

1 Biographie

Charles Baudelaire (so sein Name in der Literaturgeschichte) war einziges Kind aus der späten zweiten Ehe eines wohlhabenden Ex-Verwaltungsbeamten. Mit sechs wurde er durch den Tod seines knapp 68-jährigen Vaters Halbwaise. Zusätzlich traumatisiert durch die rasche Wiederheirat seiner Mutter mit dem autoritären und ehrgeizigen Offizier Jacques Aupick sowie durch Umzüge von Paris nach Lyon (1832) und wieder zurück nach Paris (1836), entwickelte er sich zu einem schwierigen, oft depressiven, sich ungeliebt und wurzellos fühlenden Jungen, den man in Internate abschob und der kurz vor dem Baccalauréat (Abitur) noch wegen Ungehorsams von der Schule verwiesen wurde.

Nachdem er als Externer 1839 das "bac" dennoch abgelegt hatte, begann er lustlos ein Jurastudium, trieb sich aber meist in der Pariser Literaten- und Künstler-Bohème herum, schrieb Gedichte (was er spätestens seit 1838 tat), machte Schulden und hatte ein Verhältnis mit einer Prostituierten.

Auf Drängen seiner Mutter und vor allem seines Stiefvaters, der inzwischen General geworden war und sich des offenbar missratenden Stiefsohnes schämte, trat Baudelaire im Juni 1841 eine Schiffsreise an, die ihn bis nach Indien führen und auf andere Gedanken bringen sollte. Er fuhr aber nur bis zu den Inseln Mauritius und La Réunion im Indischen Ozean mit, deren exotische tropische Natur seine Vorstellungswelt prägte und ihn zu Gedichten inspirierte.

Als er nach gut acht Monaten zurückkam, gelobte er seinem Stiefvater zwar Besserung, schloss sich aber rasch wieder der Bohème an. Nach Erreichen der Volljährigkeit 1842 verlangte er seinen Anteil am Erbe des Vaters (sehr stattliche ca. 75.000 Francs) und begann das Geld in einer luxuriösen Dandy-Existenz zu verschleudern, tatkräftig unterstützt von seiner neuen Geliebten, der Schauspielerin Jeanne Duval, die ihn vermutlich auch mit Syphilis ansteckte. 1844 ließ ihn die besorgte Familie gerichtlich unter die finanzielle Vormundschaft eines Notars stellen, was ihn zutiefst kränkte und vielleicht 1845 zu einem Selbstmordversuch beitrug. Immerhin garantierte ihm der verbliebene Rest des Erbes eine monatliche Rente von 200 Francs (von der eine sparsame Einzelperson damals durchaus leben konnte).

Seine Schriftstellerei, die er nun systematischer betrieb, vor allem als Feuilletonist, blieb wenig einträglich. Nur sporadisch konnte er Gedichte in Zeitschriften unterbringen; erst Anfang 47 bekam er die wohl schon 1843/44 entstandene kurze Novelle La Fanfarlo gedruckt, seinen einzigen erzählenden Text; einige Dramenentwürfe, die er zwischen 1843 und 54 skizzierte, darunter ein Stück La Fin de Don Juan, blieben Projekt, ebenso die vielen Skizzen zu weiterer Prosa. Mehr Glück hatte er mit den Berichten über Kunstausstellungen (Salons), die er ab 1845 mit zunehmender Kompetenz verfasste. Da er sich jedoch den Konsum von Haschisch, Opium und Alkohol angewöhnt hatte, war er ständig in Geldnot, was wiederum seine Neigung zu Depressionen verstärkte.

Während der sozialen und politischen Agitation des Jahres 1847 wurde Baudelaire Sozialist Fourierscher Observanz. Bei Ausbruch der Februarrevolution 1848 war er begeisterter Revolutionär in den Pariser Straßen, gründete mit zwei Freunden eine kurzlebige linke Zeitschrift und betätigte sich auch anderweitig als politischer Publizist. Am Juni-Aufstand der aus den staatlichen Werkstätten entlassenen Pariser Arbeiter beteiligte er sich an vorderster Front. Angesichts des anschließenden schrittweisen Sieges der konservativen "Partei der Ordnung" fühlte er sich zunehmend frustriert, wie so viele engagierte jüngere Intellektuelle. Nach seiner Teilnahme am kurzen und vergeblichen gewaltsamen Widerstand gegen den rechtsgerichteten Staatsstreich Louis Napoléon Bonapartes (2. Dez. 1851) zog er sich ganz zurück auf eine Existenz als unpolitischer Schriftsteller, der sich darauf beschränkte, mit Lyrik, Kurzprosa, Essays und Kritiken im Pariser literarischen Leben präsent zu sein.

Um diese Zeit begann er eine intensive Beschäftigung mit dem amerikanischen Erzähler und Lyriker Edgar Allan Poe (1809-1849), den er kurz vor dessen Tod in Paris getroffen hatte, als einen Geistesverwandten empfand und den er 1852 in einem längeren Artikel den Lesern der Revue de Paris vorstellte, ehe er seine Werke zu übertragen anfing. Sein Vorwort zur franz. Ausgabe einiger Poe-Geschichten ist eine wichtige zeitgenössische Quelle über Poe (s. Werke).

Von 1852 bis 57 himmelte er platonisch in Briefen und Gedichten die großbürgerliche Madame Apollonie Sabatier an – und machte ihr bittere Vorwürfe, nachdem sie sich ihm schließlich hingegeben hatte und damit in seinen Augen als Idealbild und Inspirationsquelle für Gedichte untauglich geworden war.

1857, mit 36, veröffentlichte er das Werk, mit dem er in die Literaturgeschichte eingehen sollte: Les Fleurs du Mal, eine Sammlung von 100 Gedichten, die ab ca. 1840 entstanden und teilweise schon einzeln gedruckt erschienen waren und jetzt, nach Themen geordnet, ein quasi komponiertes Ganzes zu bilden versuchten. Die Grundstimmung dieser formal äußerst ausgefeilten, meist eher kurzen Gedichte ist (wie auch oft bei den Romantikern) Desillusion, Pessimismus, Melancholie; die evozierte Realität erscheint (anders als bei den Romantikern) als überwiegend hässlich und morbide, der Mensch als hin und her gerissen zwischen den Mächten des Hellen und Guten ("l'idéal") und denen des Dunklen und Bösen, ja Satans ("le spleen").

Obwohl einige klarsichtige Kollegen rasch erkannten, dass die besten Gedichte aus den Fleurs zu den bleibenden Leistungen der französischen Lyrik zählen würden, war der Erfolg des Bandes zunächst gering. Sechs von gutbürgerlichen Literaturkritikern als obszön oder blasphemisch empfundene Gedichte trugen dem Autor und seinem Verleger Auguste Poulet-Malassis sogar einen Strafprozess wegen "Beleidigung der öffentlichen Moral" ein. Sie wurden deshalb 1861 ausgelassen, als eine um 35 neue Gedichte erweiterte zweite Auflage der Fleurs erschien.

Das historische Verdienst Baudelaires ist die Integration der Welt der Großstadt in die Lyrik – einer als insgesamt eher abstoßend und düster vorgestellten Welt, was allerdings durchaus der Realität im übervölkerten, explosionsartig wachsenden und schmutzigen Paris der Zeit entsprach.

Die Welt der Stadt ist meist auch das Thema der lyrischen Prosatexte, die Baudelaire ab 1855 verfasste. Nachdem zu seinen Lebzeiten nur wenige davon gedruckt worden waren, kreierten sie, als sie 1869 postum gesammelt als Le Spleen de Paris erschienen, eine neue literarische Gattung, das poème en prose.

Baudelaire erlebte seine Anerkennung jedoch nicht mehr. Er starb mit 46, bereits seit Monaten durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt und sprechunfähig (aber betreut von seiner 1857 wieder verwitweten Mutter) in einem Pariser Pflegeheim, nachdem er die Jahre 1864 bis 66 zunehmend krank, vergrämt und elend in Brüssel verbracht hatte, wohin er in der Hoffnung auf einträgliche Vortragstourneen durch Belgien gereist war.

Schon der nachfolgenden Lyriker-Generation, den Symbolisten, z.B. Verlaine, Mallarmé oder Rimbaud, galt Baudelaire als schulemachendes Vorbild, das auch in andere Länder hinüberwirkte und in Deutschland u.a. Stefan George beeinflusste. Für die direkten Zeitgenossen allerdings, d.h. für die wenigen, die seinen Namen kannten, war er vor allem ein kompetenter Verfasser von Berichten über Kunstausstellungen, ein Wagner-Enthusiast und –promotor (ab 1860) und fleißiger Übersetzer Poes.

2 Werk

3 Bedeutung und Wirkung

4 Unterricht

5 Literatur

6 Weblinks


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