Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

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Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (frz. Original: À la recherche du temps perdu, erschienen zwischen 1913 und 1927) ist das Hauptwerk von Marcel Proust und einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts.

Das Werk besteht aus 7 Bänden:

  1. In Swanns Welt
  2. Im Schatten junger Mädchenblüte
  3. Guermantes
  4. Sodom und Gomorrha
  5. Die Gefangene
  6. Die Entflohene
  7. Die wiedergefundene Zeit


1 Inhalt

Ein Ich-Erzähler, der wie der Autor Marcel heißt und ihm auch sonst in vielem ähnelt, berichtet – recht chronologisch – von seinem Leben und vom Vorgang des Erinnerns.

Der Roman spielt im Frankreich des fin de siècle in der gehobenen Gesellschaft. Marcel stammt aus einer Familie des Pariser Bürgertums, die den Sommer üblicherweise bei Verwandten auf dem Land verbringt. Hier verbringt Marcel eine glückliche Kindheit und lernt Personen kennen, die in seinem weiteren Leben eine Rolle spielen werden, etwa den Kunstliebhaber Swann, der mit der ehemaligen Kurtisane Odette verheiratet ist und die lokale Adelsfamilie, die Guermantes.

Als Marcel alt genug ist, einen Beruf zu wählen, weckt ein Theaterbesuch in ihm das Interesse für Kunst, und er will Schriftsteller werden. Allerdings hindert ihn seine schwache Gesundheit und seine Faulheit daran, ein Studium zu beginnen oder ein literarisches Werk zu schaffen. Nur erlebt er bei der genauen Beobachtung der Natur immer wieder Augenblicke höchster Konzentration, die er gerne verarbeiten würde, nur kommt er niemals dazu.

In der Sommerfrische in dem fiktiven Badeort Balbec verliebt er sich erstmals in die junge Albertine. Er freundet sich auch mit dem Marquis de Saint-Loup an, der mit den Guermantes verwandt ist.

In der Folge steigt Marcel in der Welt des Adels auf und besucht die Salons. Hier macht er sich über das leere Geplauder der Menschen lustig, aber er ist auch fasziniert, und er kann sich nicht von ihnen trennen, um sein Werk zu schaffen.

Die politischen Affären seiner Zeit interessieren ihn kaum, er bekommt nur mit, dass die Dreyfus-Affäre es manchen Personen erlaubt, gesellschaftlich aufzusteigen, während sie andere zum Abstieg zwingt.

Nach verschiedenen Liebesaffären wird er schließlich der Geliebte Albertines, wobei er aber kein Glück findet, sondern wegen seiner Eifersucht sehr leidet und auch ihr Leben zur Hölle macht. Die Entwicklung seiner Gefühle schildert er minutiös. Albertine läuft am Ende von ihm weg und stirbt bei einem Unfall.

Während des Ersten Weltkrieges bleibt Marcel in Paris, denn er ist untauglich. Sein Freund Saint-Loup fällt im Krieg und die Familie der Guermantes wird von der Gesellschaft geächtet, weil sie mit dem deutschen Adel eng verwandt ist.

Lange nach dem Krieg besucht Marcel ein letztes Mal eine Gesellschaft. Er ist jetzt alt und krank und merkt, dass er die Personen, die er einst kannte, kaum wiedererkennt, so sehr haben sie sich verändert. Außerdem scheinen sie völlig vergessen zu haben, wer früher angesehen war und wer nicht. Die Guermantes wurden vergessen, und früher verachtete Neureiche werden gefeiert.

Marcel bemerkt, dass die Vergangenheit einzig in seiner Erinnerung noch bewahrt ist. Er erkennt am Ende seines Lebens, dass er über seinen Liebesaffären und Kontakten zu belanglosen Menschen nie die Zeit und die Mühe aufbrachte, das Kunstwerk zu schaffen, das er sich vorgenommen hatte. Die letzte Möglichkeit ist, den Roman seiner Erinnerungen zu schreiben, die mit seinem Tod sonst unwiederbringlich verloren gingen. Und so endet das Buch, indem der Autor beginnt, es zu schreiben.

„Verlorene Zeit“ ist damit mehrdeutig:

  • Zeit, die der Erzähler vergeudet hat
  • Zeit, die unwiederbringlich verloren ist, wenn sie nicht in der Erinnerung oder in einem Kunstwerk konserviert wurde
  • die Erinnerung oder Imaginationen, die Namen oder Gegenstände hervorrufen

1.1 Eine Liebe von Swann

Un amour de Swann ist der Mittelteil des ersten Bandes und fällt formal aus dem Rahmen der Recherche, denn diese in sich abgeschlossene Erzählung ist in der Er-Form geschrieben, während der sonstige Roman ausschließlich eine Ich-Erzählung ist.

"Eine Liebe von Swann“ schildert minutiös die Entwicklung der Liebe des Lebemanns Swann zu der Kurtisane Odette de Crécy. Odette ist Swann zunächst gleichgültig, er interessiert sich nicht für sie. Erst als er bemerkt, dass sie einem Kunstwerk ähnlich sieht, wird er aufmerksamer, und als Odette sich scheinbar von ihm abwendet, entfacht das seine Liebe. Diese Liebe weckt Swanns Eifersucht, und je eifersüchtiger er wird, desto mehr liebt er Odette, während die Liebe wiederum seine Eifersucht steigert. Dieser Kreislauf endet, als ihm Odette wieder gleichgültig wird.

In der Erzählung werden viele Motive vorweggenommen, die in der „Suche“ dann ausführlicher ausgebreitet werden. Kunst spielt bereits hier eine wichtige Rolle; die eifersüchtige Liebe Swanns entspricht der Liebe des Autors zu Gilberte und Albertine. Swann wird durch die Liebe und das mondäne Salonleben daran gehindert, ein bleibendes Werk zu schaffen, was dem Ich-Erzähler im letzten Moment doch noch gelingt. Nicht zuletzt wird in der „kleinen Phrase“, einer Melodie, die Swann gemeinsam mit Odette hört und die beim erneuten Hören seine Erinnerungen weckt, bereits die unfreiwillige Erinnerung angedeutet.

2 Unterricht

3 Literatur

4 Weblinks

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