Malaria: Unterschied zwischen den Versionen

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== Malaria in Deutschland und Europa ==
 
== Malaria in Deutschland und Europa ==
 
Bis ins 19. Jahrhundert war Malaria auch in Deutschland und Europa weit verbreitet. Sogar während der  sog. “Kleinen Eiszeit“ im 16. Und 17. Jahrhundert, der kältesten Periode in Europa seit dem Mittelalter, gab es Malaria-Epidemien in weiten Teilen Europas, so z.B. auch in Skandinavien und Großbritannien. In Deutschland erreichte die Malariaverbreitung ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte de 19. Jahrhunderts. Die Vorkommen lagen vor allem im Küstengebiet, aber auch entlang von Rhein und Donau. 1826 z.B. kam es an der Nordsee zu einer Epidemie mit ca. 10 000 Krankheitsfällen und vielen Toten. Außer im Mittelmeerraum war die Malaria in Europa Ende des 19. Jahrhunderts dann weitgehend verschwunden.  
 
Bis ins 19. Jahrhundert war Malaria auch in Deutschland und Europa weit verbreitet. Sogar während der  sog. “Kleinen Eiszeit“ im 16. Und 17. Jahrhundert, der kältesten Periode in Europa seit dem Mittelalter, gab es Malaria-Epidemien in weiten Teilen Europas, so z.B. auch in Skandinavien und Großbritannien. In Deutschland erreichte die Malariaverbreitung ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte de 19. Jahrhunderts. Die Vorkommen lagen vor allem im Küstengebiet, aber auch entlang von Rhein und Donau. 1826 z.B. kam es an der Nordsee zu einer Epidemie mit ca. 10 000 Krankheitsfällen und vielen Toten. Außer im Mittelmeerraum war die Malaria in Europa Ende des 19. Jahrhunderts dann weitgehend verschwunden.  
   
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Die Gründe für die weitgehende Ausrottung der Malaria in Europa lagen nicht in klimatischen Änderungen, die durch die allmähliche Erwärmung eher das Gegenteil hätten bewirken sollen. Vielmehr wurden die Lebensbedingungen der Anopheles-Mücken durch menschliche Maßnahmen zunehmend eingeschränkt. Eine entscheidende Rolle spielten die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Begradigung von Flüssen und der Ausbau von Kanalisationssystemen, durch die Mückenbrutplätze erheblich reduziert wurden. Außerdem lebten die Menschen durch Migration in die Städte oder durch verbesserte Wohnbedingungen auf dem Land zunehmend weniger in enger Gemeinschaft mit Nutztieren, die vielen Mücken als Wirt dienten. Hinzu kam ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Vernichtung der Anophelesmücken durch das Insektenbekämpfungsmittel DDT. Von 1900 bis 2002 wurden auf diese Weise die Risikogebiete von 53 % der globalen Landoberfläche auf 27 % verringert.
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Zu einem gewissen Wiederaufleben von Malariaerkrankungen in Deutschland kam es im und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Die Kriegsereignisse begünstigten die Verbreitung der Malariaerreger durch Flüchtlings- und Truppenbewegungen und die Brutbedingungen der Anopheles-Mücken durch Bombentrichter u.a. Landschaftszerstörungen. Seit Mitte der 1950er Jahre gilt die Malaria in Deutschland als ausgerottet. Entscheidend war die Verwendung des Insektizids DDT. Vereinzelt wieder aufgetretene Fälle sind durch den weltweiten Tourismus und Warentransport und das damit einhergehende Einschleppen von infizierten fremden Vektoren bedingt. Seit den 1990er Jahren belaufen sich diese Fälle auf ca. 1000 Erkrankungen pro Jahr. Malaria gilt damit als die bedeutendste Importkrankheit in Deutschland.
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== Bedeutung des Klimas ==
 
[[Bild:AnophelesGambiaemosquito.jpg  |thumb|250 px|Anopheles gambiae]]
 
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[[Bild:Plasmodium_falciparum_Ringformen.jpg |thumb|250 px|Ringformen von Plasmodium falciparum in roten Blutkörperchen (violett markiert)]]
 
[[Bild:Plasmodium_falciparum_Ringformen.jpg |thumb|250 px|Ringformen von Plasmodium falciparum in roten Blutkörperchen (violett markiert)]]
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Auch wenn die Geschichte der Malaria in Europa vor allem durch soziale und ökologische Faktoren geprägt war, ist weltweit gesehen das Klima für die Verbreitung der Malaria von entscheidender Bedeutung. Der Grund ist die hohe Abhängigkeit sowohl der Vektoren wie der Erreger von klimatischen Faktoren. So ist die Lebensaktivitäten der Anopheles-Arten einerseits an bestimmte Temperaturen, andererseits aber auch an ausreichende Feuchtigkeit gebunden. Bei den meisten Arten beginnt mit 10 °C die Entwicklung, die bei 25-30 °C das Optimum erreicht und ab 35 °C zum Absterben führt. Mit steigender Temperaturen erhöht sich auch die Blutverdauungsrate, wodurch die Stechfrequenz erhöht wird und die Infektionsgefahr zunimmt. Andererseits sind höhere Temperaturen oft mit größerer Trockenheit verbunden, die zur Austrocknung der Mücken führen kann und somit ihre Lebensbedingungen verschlechtert. Trockenheit kann aber auch zur Entstehung von Wasserlachen etwa als Überbleibsel von Flüssen führen, die ideale Brutplätze von Anopheles-Mücken sind. Und starke Regenfälle, die einerseits neue Brutplätze schaffen, können andererseits stehende Gewässer in Flüsse verwandeln, die die Mückenbrut wegschwemmen.
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Auch die Entwicklung der Krankheitserreger in der Mücke ist temperaturabhängig.  Der tropische Erreger Plasmodium falciparum braucht eine Minimaltemperatur von 18-20 °C bis zur Reife, in Europa verbreitete Erreger von 16,5 °C. Die Entwicklung zum infektiösen Stadium beschleunigt sich mit zunehmender Temperatur. So braucht das Plasmodium vivat 17 Tage bei einer Umgebungstemperatur von 20 °C, aber nur noch 9 Tage bei 25 °C. Bei Temperaturen über 32-34 °C kommt es zum Absterben der Erreger.
  
== Prognosen für das 21. Jahrhundert ==
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== Klimaprojektionen und Malaria ==
  
[[Bild:ModellMalaria.gif|thumb|550 px|Modell zur Beurteilung der Auswirkungen einer Klimaänderung auf das Übertragungspotential von Malaria]]
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=== Deutschland und Europa ===
[[Bild:PrognosenMalaria2020.gif|thumb|550 px|Prognostizierte Veränderung der Malaria-Übertragung 2020 gegenüber dem durchschnittlichen Risiko 1961-1990 ]]
 
[[Bild:PrognosenMalaria21.Jh.gif|thumb|550 px|Die weltweit zusätzliche Zahl von durch Vivax- und Falciparium-Malria gefährdete Menschen in den Jahren 2020, 2050 und 2080 nach Modellberechnungen]]
 
In Modellrechnungen ist versucht worden, die Auswirkungen einer möglichen Klimaänderung auf das Übertragungspotential von Malaria zu bestimmen. Dabei wurde berücksichtigt, wie sich ein Klimawandel auf das Verhalten der Moskitos (Lebensspanne, Freßverhalten, Entwicklung usw.) und der Parasiten auswirkt, nicht jedoch der Einfluß lokaler Umwelt-Faktoren wie etwa Wasserverfügbarkeit und -qualität, Parasitenreservoir, Gesundheitssystem usw. Die Ergebnisse sind daher nicht als genaue Vorhersagen zu werten und durch die lokalen Bedingungen zu variieren, lassen aber doch gewisse Trendaussagen zu. Bei einem Temperaturanstieg um 3-5 °C bis zum Jahre 2100 wird sich hiernach die Übertragungsgefahr von Malaria in tropischen Regionen verdoppeln und in gemäßigten Gebieten sogar mehr als verzehnfachen. Auch in Mitteleuropa muss mit einer künftigen Ausbreitung von Malaria gerechnet werden. Insgesamt wird sich in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrhunderts der Anteil der Weltbevölkerung, der in malariagefährdeten Gebieten lebt, von gegenwärtig 45% auf 60% erhöhen. Die Fälle von Malaria werden sich von 500 auf 550 bis 580 Millionen pro Jahr erhöhen.<ref>Watson, R.T., M.C. Zinyowera, R.H. Moss and D.J. Dokken (1998): The Regional Impacts of Climate Change. An Assessment of Vulnerability, Cambridge, p.7</ref>
 
  
Eine jüngere Modellrechnung kommt zu dem Ergebnis, dass es im Jahre 2080 durch den Klimawandel 300 Millionen Menschen mehr in durch Plasmodium falciparium und 150 Millionen mehr in durch Plasmodium vivax gefährdeten Gebieten als 1990 geben wird.<ref>McMichael, A. and A. Githeko (2001): Human Health, IPCC, WG II, TAR, 9.7.1.; Martens, P., R.S. Kovats, S. Nijhof, P. de Vries, M.T.J. Livermoore, D.J. Bradley, J. Cox and A.J. McMichael (1999): Climate change and future populations at risk of malaria, Global Environmental Change, 9, S89-S107</ref> Das entspricht einer zusätzlichen Erhöhung um 2-4% der aus anderen Gründen erwarteten Zunahme der der Malaria-Gefahr ausgesetzten Bevölkerung auf etwa 8 Milliarden. Die stärksten Veränderungen wird es hiernach in gemäßigten Klimazonen wie Europa, Nordamerika und Teilen Chinas geben, da hier die untere Temperaturgrenze zur Entwicklung des Parasiten und zur Übertragungsmöglichkeit neu überschritten wird. Auch in den Hochlandgebieten in Afrika und der Anden in Südamerika wird eine Zunahme des Übertragungspotentials erwartet. Außerdem wird sich in manchen Gebieten, vor allem in Afrika, die Infektionszeit auf bestimmte Jahreszeiten begrenzen, das es in anderen für das Überleben des Vektors zu trocken sein wird. In anderen Gebieten, so z.B. in Pakistan wird sich die bisherige saisonale Übertragungsperiode auf das ganze Jahr ausweiten.
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Es gibt jedoch keine einfache Beziehung zwischen Klimafaktoren und der Ausbreitung der Malaria. Eine Abschätzung der möglichen Malariaausbreitung unter veränderten Klimabedingungen in der Zukunft ist daher mit großen Unsicherheiten verbunden. Die Hauptschwierigkeit besteht in den fehlenden Daten über die gegenwärtige Abhängigkeit von Malariaerregern und -vektoren von klimatischen Faktoren. In Deutschland wie in vielen anderen Staaten ist dafür nicht zuletzt das Zurückschrauben der Forschung auf diesem Gebiet verantwortlich, da die Malaria als ausgerottet angesehen wurde. Da die Daten die Grundlage für die Entwicklung von Modellen bilden, die eine künftige Ausbreitung der Malaria projizieren, ist auf deren Ergebnisse nur begrenzt Verlass.  
  
Eine andere globale Modellstudie<ref>Rogers, D.J. and S.E. Randolph: The Global Spread o Malaria in a Future, Warmer World, Science, 289, 1763-1765</ref> kann keine signifikante Netto-Veränderung der Bevölkerung in malariagefährdeten Gebieten bis zum Jahre 2050 feststellen, da die Zunahme des Übertragungspotentials in einigen Gebieten wie den südlichen USA, in der Türkei, Turkmenistan, Usbekistan, Brasilien und China durch die Abnahme in anderen in etwa wieder aufgewogen wird. Keine der Modellrechnungen berücksichtigt allerdings künftige Anpassungsmaßnahmen in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge oder im Verhalten der Menschen, die besonders in den entwickelten Ländern der gemäßigten Zone zu einer deutlichen Verringerung der Malariagefahr beitragen können.
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Viele Modellrechnungen berücksichtigen außerdem oft nur die Temperatur als beeinflussenden Klimafaktor. Wenn neben der Mitteltemperatur auch die Minimum- und Maximumtemperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit beachtet werden, die für das Überleben von Vektor und Patogen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, ist in den gemäßigten Zonen eher nicht mit einer nennenswerten Ausbreitung der Malaria aufgrund klimatischer Änderungen zu rechnen. Hinzu kommt, dass das Klima, wie die Geschichte der Malariaverbreitung in Europa gezeigt hat, wahrscheinlich nur eine sekundäre Rolle gegenüber menschlichen Aktivitäten spielen wird. Bei dem gegenwärtigen Stand des Gesundheitssysteme z.B. in der EU ist daher eine Ausbreitung der Malaria mit der globalen Erwärmung auf lange Sicht höchst unwahrscheinlich.  
  
== Prognosen für das 21. Jahrhundert in Europa ==
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=== Tropen ===
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Weltweit ist die Situation allerdings anders einzuschätzen. Eine globale Simulation der Bevölkerung, die bis in die 2080er Jahre durch den Klimawandel zusätzlich dem Malaria-Risiko ausgesetzt sein wird, zeigt ein sehr differenziertes Bild je nach Klima-Szenario und Region.  So zeigen die Szenarien A1Fl und B2 eine Zunahme der Risikobevölkerung, die während einer Zeit von mehr als drei Monaten im Jahr der Gefahr einer Malariainfektion ausgesetzt sein wird, um 100 bzw. 31 Millionen Menschen, während A2 und B1 eine deutliche Abnahme von 141 bzw. 153 Millionen zeigen. Die Abnahmen sind im wesentlichen bedingt durch geringere Niederschläge, die z.B. im Amazonasgebiet, Mittelamerika und Pakistan erwartet werden. Gerade in den ärmeren Regionen, die heute relativ stark der Malariagefahr ausgesetzt sind, wird der Klimawandel das Malariarisiko eher verringern, da sich hier die Bedingungen für die Vektoren verschlechtern. Zu einem höheren Risiko kommt es dagegen in den Hochlandgebieten in Ostafrika, in Mittelasien und China.
  
Für die zukünftige Verbreitung von Malaria in Europa liegen nur wenige Studien vor. Für Großbritannien wird vorausgesagt, dass sich die Gebiete, in denen es warm genug für eine Übertragung von Plasmodium vivax ist, in Zukunft vergrößern werden <ref name="Kampen">Kampen, H./ Maier, W. A. (2007/2008): Wird die Malaria wieder eine Gefahr für Europa. In: Lozán, J.L. (Hg.): Warnsignal Klima. Gesundheitsrisiken. Gefahren für Pflanzen, Tiere und Menschen. Hamburg, Freiburg, Bonn, List/Sylt. S. 169-172.</ref>. Weitere Analysen für Großbritannien ergeben unter der Voraussetzung eines gleich bleibenden Gesundheitssystems selbst bei einer Temperaturerhöhung um 2,5°C bis 2050 nur sehr geringe Wahrscheinlichkeiten für eine erneute Ausbreitung von Malaria <ref name="Kampen" />. Für Niedersachsen wurde auf der Basis der IPCC-Szenarien berechnet, dass die Zeitspanne, in der Malaria tertiana (verursacht durch Plasmodium vivax) übertragen werden kann, im Jahr 2020 auf vier Monate begrenzt sein wird <ref name="Kampen" />. Insgesamt wird bei gleich bleibenden Gesundheitssystemen eine erneute, durch den Klimawandel bedingte Etablierung von Malaria oder das Auftreten von Epidemien im mitteleuropäischen Raum als unwahrscheinlich betrachtet. Dennoch können zukünftig häufiger einzelne Fälle von Malariaerkrankungen auftreten, da sich die Umweltbedingungen im Rahmen des Klimawandels wahrscheinlich zu Gunsten von Vektoren und Malariaparasiten verändern werden.
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Obwohl die afrikanischen Malaria-Gebiete weniger als die Hälfte der weltweiten Risiko-Gebiete ausmachen, sind gegenwärtig ca. 85 % der Erkrankungen und Todesfälle in Afrika zu beklagen. Eine Untersuchung über die zukünftigen Malaria-Risiken in Afrika kommt zu dem Ergebnis, dass die durch Malaria gefährdeten Gebiete sich bis 2100 nur um 5-7 % ausweiten werden.  Die Vergrößerung der Risikogebiete wird danach hauptsächlich durch eine Ausdehnung in die Höhe erfolgen (z.B. Äthiopien und Zimbabwe), während die Ausdehnung nach Norden und Süden, hier vor allem in Südafrika, nur gering ausfällt. Die Zunahme der Risikobevölkerung zeigt dagegen mit 16-28 % wesentlich höhere Werte. Der Grund liegt vor allem in der saisonalen Ausweitung des Infektionsrisikos in schon bestehenden Risikogebieten.
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== Ausbreitung von Malaria in gemäßigten Klimaten in der Vergangenheit ==
 
  
Ein weiterer Gesichtspunkt, der in der Debatte um die zukünftige, durch den menschlichen Klimawandel bedingte Ausbreitung der Malaria eine wichtige Rolle spielt, ist die Betrachtung der Geschichte der Krankheit in gemäßigten Klimagebieten. Besonders für England belegen zahlreiche historische Quellen, dass es Malaria bereits im Mittelalter gab und die Krankheit selbst in der Kleinen Eiszeit seit dem 16. Jahrhundert weit verbreitet war. Auch in vielen anderen europäischen Ländern gab es zahlreiche Fälle von Malaria im 18. und 19. Jahrhundert, in Schweden und Finnland sogar rund um den Bottnischen Meerbusen bis fast an den Polarkreis. Dass die Krankheit dann seit dem Ende des 19. Jahrunderts stark abnahm, in einer Zeit, als die Temperaturen deutlich stiegen, hatte zahlreiche nichtklimatischen Ursachen wie die Entwässerung von Sümpfen, die zunehmende Tierhaltung, die die Moskitos zunehmend das Blut von Tieren statt von Menschen saugen ließen, die zudem verstärkt vom Land in die Stadt zogen und in abgedichteten Behausungen lebten. Außerdem spielte die medizinische Entwicklung und die fallenden Kosten für Chinin eine wesentliche Rolle. Endgültig frei von Malaria wurde Europa dann durch die Anwendung von DDT nach dem Zweiten Weltkrieg. Die historische Betrachtung zeigt, dass auch für die zukünftige Verbreitung der Krankheit andere Faktoren von großer wenn nicht größerer Bedeutung sein können als die klimatischen Verhältnisse.
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[[Bild:ModellMalaria.gif|thumb|550 px|Modell zur Beurteilung der Auswirkungen einer Klimaänderung auf das Übertragungspotential von Malaria]]
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== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==

Version vom 18. März 2010, 19:50 Uhr

Verbreitungsgebiete von Malaria

1 Verbreitung

Bei der Malaria handelt es sich um eine fieberhafte Erkrankung, die durch Plasmodien verursacht wird, in Europa vor allem durch Plasmodium vivax, in den Tropen durch Plasmodium falciparum. Als Überträger wirken die zahlreichen Arten der Anopheles-Mücke. Anopheles-Mücken gibt es auch in Deutschland, die jedoch gegenwärtig nicht infiziert sind.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO leben heute ca. 3 Milliarden Menschen, das sind 48 % der Weltbevölkerung, in malariagefährdeten Gebieten. Jährlich kommt es zu ca. 400-500 Millionen Infektionsfällen mit mehr als einer Million Toten, vor allem bei Kindern. Nach Schätzungen der WHO werden die Infektionsfälle allein durch das Bevölkerungswachstum bis 2050 auf 750 bis 1100 Millionen zunehmen.

2 Malaria in Deutschland und Europa

Bis ins 19. Jahrhundert war Malaria auch in Deutschland und Europa weit verbreitet. Sogar während der sog. “Kleinen Eiszeit“ im 16. Und 17. Jahrhundert, der kältesten Periode in Europa seit dem Mittelalter, gab es Malaria-Epidemien in weiten Teilen Europas, so z.B. auch in Skandinavien und Großbritannien. In Deutschland erreichte die Malariaverbreitung ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte de 19. Jahrhunderts. Die Vorkommen lagen vor allem im Küstengebiet, aber auch entlang von Rhein und Donau. 1826 z.B. kam es an der Nordsee zu einer Epidemie mit ca. 10 000 Krankheitsfällen und vielen Toten. Außer im Mittelmeerraum war die Malaria in Europa Ende des 19. Jahrhunderts dann weitgehend verschwunden.

Die Gründe für die weitgehende Ausrottung der Malaria in Europa lagen nicht in klimatischen Änderungen, die durch die allmähliche Erwärmung eher das Gegenteil hätten bewirken sollen. Vielmehr wurden die Lebensbedingungen der Anopheles-Mücken durch menschliche Maßnahmen zunehmend eingeschränkt. Eine entscheidende Rolle spielten die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Begradigung von Flüssen und der Ausbau von Kanalisationssystemen, durch die Mückenbrutplätze erheblich reduziert wurden. Außerdem lebten die Menschen durch Migration in die Städte oder durch verbesserte Wohnbedingungen auf dem Land zunehmend weniger in enger Gemeinschaft mit Nutztieren, die vielen Mücken als Wirt dienten. Hinzu kam ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Vernichtung der Anophelesmücken durch das Insektenbekämpfungsmittel DDT. Von 1900 bis 2002 wurden auf diese Weise die Risikogebiete von 53 % der globalen Landoberfläche auf 27 % verringert.

Zu einem gewissen Wiederaufleben von Malariaerkrankungen in Deutschland kam es im und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Die Kriegsereignisse begünstigten die Verbreitung der Malariaerreger durch Flüchtlings- und Truppenbewegungen und die Brutbedingungen der Anopheles-Mücken durch Bombentrichter u.a. Landschaftszerstörungen. Seit Mitte der 1950er Jahre gilt die Malaria in Deutschland als ausgerottet. Entscheidend war die Verwendung des Insektizids DDT. Vereinzelt wieder aufgetretene Fälle sind durch den weltweiten Tourismus und Warentransport und das damit einhergehende Einschleppen von infizierten fremden Vektoren bedingt. Seit den 1990er Jahren belaufen sich diese Fälle auf ca. 1000 Erkrankungen pro Jahr. Malaria gilt damit als die bedeutendste Importkrankheit in Deutschland.

3 Bedeutung des Klimas

Anopheles gambiae
Ringformen von Plasmodium falciparum in roten Blutkörperchen (violett markiert)

Auch wenn die Geschichte der Malaria in Europa vor allem durch soziale und ökologische Faktoren geprägt war, ist weltweit gesehen das Klima für die Verbreitung der Malaria von entscheidender Bedeutung. Der Grund ist die hohe Abhängigkeit sowohl der Vektoren wie der Erreger von klimatischen Faktoren. So ist die Lebensaktivitäten der Anopheles-Arten einerseits an bestimmte Temperaturen, andererseits aber auch an ausreichende Feuchtigkeit gebunden. Bei den meisten Arten beginnt mit 10 °C die Entwicklung, die bei 25-30 °C das Optimum erreicht und ab 35 °C zum Absterben führt. Mit steigender Temperaturen erhöht sich auch die Blutverdauungsrate, wodurch die Stechfrequenz erhöht wird und die Infektionsgefahr zunimmt. Andererseits sind höhere Temperaturen oft mit größerer Trockenheit verbunden, die zur Austrocknung der Mücken führen kann und somit ihre Lebensbedingungen verschlechtert. Trockenheit kann aber auch zur Entstehung von Wasserlachen etwa als Überbleibsel von Flüssen führen, die ideale Brutplätze von Anopheles-Mücken sind. Und starke Regenfälle, die einerseits neue Brutplätze schaffen, können andererseits stehende Gewässer in Flüsse verwandeln, die die Mückenbrut wegschwemmen.

Auch die Entwicklung der Krankheitserreger in der Mücke ist temperaturabhängig. Der tropische Erreger Plasmodium falciparum braucht eine Minimaltemperatur von 18-20 °C bis zur Reife, in Europa verbreitete Erreger von 16,5 °C. Die Entwicklung zum infektiösen Stadium beschleunigt sich mit zunehmender Temperatur. So braucht das Plasmodium vivat 17 Tage bei einer Umgebungstemperatur von 20 °C, aber nur noch 9 Tage bei 25 °C. Bei Temperaturen über 32-34 °C kommt es zum Absterben der Erreger.

4 Klimaprojektionen und Malaria

4.1 Deutschland und Europa

Es gibt jedoch keine einfache Beziehung zwischen Klimafaktoren und der Ausbreitung der Malaria. Eine Abschätzung der möglichen Malariaausbreitung unter veränderten Klimabedingungen in der Zukunft ist daher mit großen Unsicherheiten verbunden. Die Hauptschwierigkeit besteht in den fehlenden Daten über die gegenwärtige Abhängigkeit von Malariaerregern und -vektoren von klimatischen Faktoren. In Deutschland wie in vielen anderen Staaten ist dafür nicht zuletzt das Zurückschrauben der Forschung auf diesem Gebiet verantwortlich, da die Malaria als ausgerottet angesehen wurde. Da die Daten die Grundlage für die Entwicklung von Modellen bilden, die eine künftige Ausbreitung der Malaria projizieren, ist auf deren Ergebnisse nur begrenzt Verlass.

Viele Modellrechnungen berücksichtigen außerdem oft nur die Temperatur als beeinflussenden Klimafaktor. Wenn neben der Mitteltemperatur auch die Minimum- und Maximumtemperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit beachtet werden, die für das Überleben von Vektor und Patogen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, ist in den gemäßigten Zonen eher nicht mit einer nennenswerten Ausbreitung der Malaria aufgrund klimatischer Änderungen zu rechnen. Hinzu kommt, dass das Klima, wie die Geschichte der Malariaverbreitung in Europa gezeigt hat, wahrscheinlich nur eine sekundäre Rolle gegenüber menschlichen Aktivitäten spielen wird. Bei dem gegenwärtigen Stand des Gesundheitssysteme z.B. in der EU ist daher eine Ausbreitung der Malaria mit der globalen Erwärmung auf lange Sicht höchst unwahrscheinlich.

4.2 Tropen

Weltweit ist die Situation allerdings anders einzuschätzen. Eine globale Simulation der Bevölkerung, die bis in die 2080er Jahre durch den Klimawandel zusätzlich dem Malaria-Risiko ausgesetzt sein wird, zeigt ein sehr differenziertes Bild je nach Klima-Szenario und Region. So zeigen die Szenarien A1Fl und B2 eine Zunahme der Risikobevölkerung, die während einer Zeit von mehr als drei Monaten im Jahr der Gefahr einer Malariainfektion ausgesetzt sein wird, um 100 bzw. 31 Millionen Menschen, während A2 und B1 eine deutliche Abnahme von 141 bzw. 153 Millionen zeigen. Die Abnahmen sind im wesentlichen bedingt durch geringere Niederschläge, die z.B. im Amazonasgebiet, Mittelamerika und Pakistan erwartet werden. Gerade in den ärmeren Regionen, die heute relativ stark der Malariagefahr ausgesetzt sind, wird der Klimawandel das Malariarisiko eher verringern, da sich hier die Bedingungen für die Vektoren verschlechtern. Zu einem höheren Risiko kommt es dagegen in den Hochlandgebieten in Ostafrika, in Mittelasien und China.

Obwohl die afrikanischen Malaria-Gebiete weniger als die Hälfte der weltweiten Risiko-Gebiete ausmachen, sind gegenwärtig ca. 85 % der Erkrankungen und Todesfälle in Afrika zu beklagen. Eine Untersuchung über die zukünftigen Malaria-Risiken in Afrika kommt zu dem Ergebnis, dass die durch Malaria gefährdeten Gebiete sich bis 2100 nur um 5-7 % ausweiten werden. Die Vergrößerung der Risikogebiete wird danach hauptsächlich durch eine Ausdehnung in die Höhe erfolgen (z.B. Äthiopien und Zimbabwe), während die Ausdehnung nach Norden und Süden, hier vor allem in Südafrika, nur gering ausfällt. Die Zunahme der Risikobevölkerung zeigt dagegen mit 16-28 % wesentlich höhere Werte. Der Grund liegt vor allem in der saisonalen Ausweitung des Infektionsrisikos in schon bestehenden Risikogebieten.



Modell zur Beurteilung der Auswirkungen einer Klimaänderung auf das Übertragungspotential von Malaria


5 Einzelnachweise


6 Siehe auch


Dieser Artikel ist ein Originalartikel des Klima-Wiki und steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland. Informationen zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können in einigen Fällen durch Anklicken dieser Mediendateien abgerufen werden und sind andernfalls über Dieter Kasang zu erfragen. CC-by-sa.png
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