TIMS-Studie

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TIMSS war ursprünglich ein Akronym für Third International Mathematics and Science Study (Dritte Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie), eine Schulleistungsuntersuchung, die 1994/95 von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) durchgeführt wurde; ihre Ergebnisse wurden 1997/98 veröffentlicht.

Die Studie wird seitdem in vierjährigem Turnus fortgeführt. Der 1999er-Durchgang wurde als TIMSS-R bezeichnet (R für Repeat); seit TIMSS 2003 steht das Akronym für Trends in Mathematics and Science Study.

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben sich nur an TIMSS 1995 beteiligt.

Vorgänger-Studien waren FIMS (First International Mathematics Study, 1964, 12 Länder) und SIMS (Second International Mathematics Study, 1980-82, 20 Länder, ohne deutsche Beteiligung) sowie FISS and SISS (First and Second International Science Study, 1968-1972 und 1982-1986, SISS ohne deutsche Beteiligung).

Inhaltsverzeichnis

1 Durchführung

Auf deutscher Seite beteiligten sich Bildungsforscher vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel und der Humboldt-Universität Berlin. Mehrere beteiligte Forscher haben in den folgenden Jahren die PISA-Studien der OECD betreut.

Mit TIMSS wurden Daten zu den Leistungen von mehr als einer halben Million Schüler aus rund 15000 Schulen in 46 Ländern ermittelt und Hintergrundinformationen über den Unterricht, die Lehrer, die Schulen sowie Aspekte der außerschulischen Lebensumwelt der Schülerinnen und Schüler gewonnen.

Mit TIMSS wurden zum ersten Mal gleichzeitig die Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen von Schlüsseljahrgängen in der Grundschule (TIMSS I, ohne deutsche und Schweizer Beteiligung), in der Sekundarstufe I (TIMSS II) und Sekundarstufe II (TIMSS III) untersucht, wobei sich Deutschland an den Teilstudien II und III beteiligt hat.

2 Ergebnisse

In Deutschland ähnlich schlecht wie in der PISA-Studie. Auffällig und viel zitiert war das Ergebnis, dass es eine breite Überschneidung der mathematischen Kompetenzen von Hauptschülern und Gymnasisasten gegeben hat.

Die Ergebnisse von TIMSS/III für die deutschen Schüler und Schülerinnen im Einzelnen:

2.1 Mathematisch-naturwissenschaftliche Grundbildung

  • Hier liegen die Testleistungen deutscher Schüler in der Gruppe vergleichbarer Länder im unteren Bereich.
  • Die potentiell leistungsstärksten deutschen Schüler können im Vergleich mit Spitzenschülern europäischer Nachbarländer nicht bestehen.
  • Relative Schwächen bestehen bei Aufgaben, die
  • das selbständige Anwenden von Gelerntem,
  • die Übertragung in neue Kontexte oder
  • ein flexibles Umstrukturieren von Problemkonstellationen
erfordern. Deutsche Schüler und Schülerinnen erzielen eher in Routine-Aufgaben gute Ergebnisse.
  • Das Defizit in mathematischer Grundbildung ist nicht nur auf das berufliche Bildungswesen beschränkt, sondern auch Kennzeichen der gymnasialen Oberstufe.

2.2 Fachleistungen im voruniversitären Mathematikunterricht

  • In den Spitzengruppen schneiden deutsche Schüler ebenfalls nur mittelmäßig ab.
  • In der internationalen Spitzengruppe sind die deutschen Schüler nicht vertreten. Je anspruchsvoller eine Aufgabe, umso mehr fallen die deutschen Abiturienten hinter Schülern anderer europäischer Länder zurück.

2.3 Fachleistungen im voruniversitären Physikuntericht

  • Die Testleistungen deutscher Schüler, die Physikkurse der gymnasialen Oberstufe besuchen, liegen im mittleren Bereich.
  • Auch bei den leistungsstärksten Schülern liegen deutsche Schüler in einem breiten Mittelfeld.
  • Zwar schneiden deutsche Schüler beim Vergleich der Leistungsstärksten deutlich besser ab als die Schüler aus den USA, aber internationale Spitzenleistungen skandinavischer Schüler werden von deutschen Schülern nicht erreicht.
  • Deutsche Abiturienten tun sich besonders schwer mit Aufgaben, die die Überwindung typischer Fehlvorstellungen verlangen oder besondere konzeptuelle Kenntnisse voraussetzen. Vergleichsweise erfolgreich sind sie hingegen bei offenen Aufgabenformaten.

3 Rezeption

Unter Pädagogen heftig diskutiert, von der breiten Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen, hat TIMSS vielleicht doch Grund bereitet für die intensive Rezeption der wenige Jahre später folgenden PISA-Studie.

4 Literatur

  • Baumert, J., Bos, W., & Lehmann, R. (Hrsg.): TIMSS/III: Dritte Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie - Mathematische und naturwissenschaftliche Bildung am Ende der Schullaufbahn. Opladen 2000
  • Hiebert, J., Gallimore, R., Garnier, H., Givvin Bogard, K., Hollingsworth, H., Jacobs, J., Miu-Ying Chui, A., Wearne, D., Smith, M., Kersting, N., Manaster, A., Tseng, E., Etterbeek, W., Manaster, C., Gonzales, P. & Stigler, J. (2003). Teaching Mathematics in Seven Countries - Results From the TIMSS 1999 Video Study. U.S. Department of Education, Washington D.C.: National Center for Education Statistics.
  • Moser, U., Ramseier, E. & Keller, C.: Schule auf dem Prüfstand: eine Evaluation der Sekundarstufe 1 auf der Grundlage der "Third International Mathematics and Science Study". Chur [u.a.]: Rüegger, 1997.
  • Ramseier, E., Keller, C., Moser, U.:Bilanz Bildung: eine Evaluation am Ende der Sekundarstufe II auf der Grundlage der "Third International Mathematics and Science Study". Chur [u.a.]: Rueegger, 1999

5 Weblinks

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