StEG

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1 Hintergrund

Der Auf- und Ausbau schulischer Ganztagsangebote spielt in der aktuellen Bildungsreformdebatte eine bedeutende Rolle. Länder und Bund haben im Rahmen des Investitionsprogramms „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) nicht nur in eine erweiterte Infrastruktur investiert, sondern wollen auch die pädagogische Qualität von Ganztagsschulen befördern. Wie dies gelingen kann, untersucht die „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen – StEG“, die vom Bildungsministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter Nutzung von Mitteln der Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Die Studie wird unter Beteiligung aller 16 Bundesländer von einem Forschungskonsortium durchgeführt. Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF, Frankfurt am Main) hat die Federführung (Prof. Dr. Eckhard Klieme) sowie die Koordination der Studie (Dr. Jasmin Decristan) inne. Dem Konsortium gehören an: Prof. Dr. Thomas Rauschenbach (Deutsches Jungendinstitut, DJI München), Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels (Institut für Schulentwicklungsforschung, IFS Dortmund) und Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Gießen). Das StEG-Konsortium wird beraten durch einen administrativen Beirat und einen wissenschaftlichen Beirat. Als wissenschaftliche Begleitstudie zur Entwicklung von Ganztagsschulen befindet sich StEG aktuell in der zweiten Förderphase (2012–2015; erste Förderphase: 2005–2011). Weitergehende Informationen, Publikationen und Materialien sind über die Projekt-Webseite verfügbar: http://www.projekt-steg.de

2 Ziele der Studie

Ziel von StEG ist es, Rahmenbedingungen an Ganztagsschulen und Wirkungen von Ganztagsschulen empirisch über einen längeren Zeitraum hinweg zu erfassen und zu prüfen. Dazu werden die Arbeit und die Rahmenbedingungen an den Ganztagsschulen über einen längeren Zeitraum hinweg möglichst umfassend abgebildet, um eine Grundlage für eine zielgerichtete Schulentwicklungsarbeit und deren Unterstützung durch die Bildungspolitik zu schaffen. Im Fokus stehen Fragen danach

  • wie Ganztagsangebote in Kooperation mit außerschulischen Partnern konzipiert und gestaltet werden,
  • in welchen organisatorischen Formen dies geschieht und
  • unter welchen Voraussetzungen (schulische Bedingungen, außerschulischer sozialer Kontext der Schule und der Schülerinnen und Schüler) sie am besten eingeführt werden können und hohe Akzeptanz finden.

Daran anknüpfend wird untersucht, wie Ganztagsschulen den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen und ihren Kompetenzerwerb nachhaltig unterstützen können. Im Fokus stehen Fragen danach

  • wie sich die Teilnahme am Ganztag auf die kognitive, soziale und motivationale Entwicklung von Schülerinnen und Schülern auswirkt,
  • wie sie ihre Schullaufbahn und den weiteren Bildungsweg beeinflusst und
  • wie die außerunterrichtlichen Angebote gestaltet sein müssen, damit sie die angestrebten Wirkungen tatsächlich erzielen.

3 Projektdesign und Erhebungswellen

3.1 Erste Förderphase (2005–2011)

In der ersten Laufzeit (2005-2011) fanden im Längsschnitt angelegte Erhebungen mit allen am Ganztag beteiligten Personengruppen statt: Schülerinnen und Schüler verschiedener Klassenstufen, ihre Eltern/Erziehungsberechtigten, Schulleitungen, Lehrkräfte, das weitere pädagogisch tätige Personal und die an den Ganztagsangeboten beteiligten Kooperationspartner. Insgesamt wurden in drei Erhebungswellen – 2005, 2007 und 2009 – mehr als 50.000 Personen aus über 300 Schulen wiederholt befragt. Die gesamte Erhebungslogistik (Durchführung der Befragungen an den Schulen, Datenerfassung) wurde im Auftrag des Forschungskonsortiums vom IEA Data Processing Center (DPC) in Hamburg übernommen.

In Grundschulen erfolgten die Erhebungen jeweils im 3. Jahrgang, in Schulen der Sekundarstufe im 5., 7. und 9. Jahrgang. Dabei wurden in einem Panel-Längsschnitt Schülerinnen und Schüler über alle drei Erhebungszeitpunkte in den Jahrgängen 5, 7 und 9 begleitet und untersucht (s. Abbildung).

Auswertungsperspektiven (Schüler/-innen)

Die Eingangserhebung hatte das Ziel, die Genese der schulischen Projekte, die Art der Angebote und deren Implementierung zu beschreiben sowie eine Bestandsaufnahme der Merkmalsbereiche zu leisten, für die spätere Entwicklungen dokumentiert werden sollen. Mit der Zwischenerhebung wurden, neben der Wiederholung der Eingangsbefragung in ihren Kernbestandteilen, vor allem bereichsspezifische Vertiefungen (Organisationskultur, Unterrichtskultur, Freizeit, Familie und Kooperationsstrukturen sowie systemische Auswirkungen) untersucht. Bei der Abschlusserhebung standen (neben Wiederholungsbefragungen) mittelfristige Qualitätsveränderungen – insbesondere in den Bereichen der Qualität der Schulkultur und Schulorganisation, der Lernkultur und des Unterrichts, der Kompetenzen bei den Lernenden sowie im System der regionalen Bildungs- und Erziehungslandschaft – im Mittelpunkt.

Die Dokumentation der StEG-Instrumente 2005 bis 2009 kann über die Datenbank zur Qualität von Schule (DaQS) eingesehen werden Datenbank zur Qualität von Schule (DaQS). Die Ergebnisse der ersten Förderphase sind in zwei Büchern sowie einer Praxisbroschüre zusammengefasst.[1][2][3] Diese Broschüre ist im Internet abrufbar, so dass hier auf eine Darstellung von Befunden verzichtet werden kann.

3.2 Zweite Förderphase (2012–2015)

In der zweiten Förderphase wird anhand von Schulleitungsbefragungen das Bildungsmonitoring im Bereich ganztägiger Bildung und Betreuung fortgesetzt; daneben gehen die vier Konsortialpartner in unabhängigen, aber inhaltlich und methodisch aufeinander bezogenen Teilstudien Fragen nach Qualität und Wirkung von Ganztagsangeboten nach. Die Projekte sind inhaltlich so verknüpft, dass die Ergebnisse aufeinander bezogen werden können und zu gemeinsamen Konsequenzen führen.

Schulleitungsbefragung: Bildungsmonitoring Ganztagsschule
Die Schulleitungsbefragung bildet die Basis für die Fortsetzung des Bildungsmonitoring Ganztagsschule, das 2005 mit der ersten derartigen Erhebungswelle in der ersten Förderphase gestartet ist. Die Erhebungen liefern inhaltliche Informationen darüber, wie die Ganztagsschulen in Deutschland – und, soweit Interesse der Länder an solchen Auswertungen besteht, auch landesspezifisch – strukturiert und organisiert sind und bieten für Bildungsverwaltung, Bildungspolitik sowie die einzelnen Schulen Informationen zur systematischen Weiterentwicklung des Ganztags. Im Rahmen der aktuellen StEG-Forschung bilden die Daten außerdem eine Grundlage für die weiteren Teilstudien: Sie liefern beispielsweise wichtige Informationen für die Auswahl der teilnehmenden Schulen. → weiterführende Informationen

3./4. Klasse (StEG-P)
Erhebungen in den Klassen 3 und 4 sollen ein möglichst genaues Bild davon zeichnen, unter welchen Bedingungen Kinder in der Ganztagsgrundschule am besten lernen. Dazu soll geprüft werden, unter welchen Bedingungen sich die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler besonders gut entwickelt, wie außerunterrichtliche Angebote gestaltet sein müssen, um Begeisterung und Verständnis für die Naturwissenschaften zu wecken, und welche Aspekte des Ganztags sich besonders positiv auf das Sozialverhalten auswirken. → weiterführende Informationen

5./6. Klasse (StEG-S)
Der Übergang in die Sekundarstufe I ist eine besonders kritische Phase im Bildungsverlauf: Die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler sinkt allgemein ab, außerdem tritt vermehrt problematisches Sozialverhalten auf. In StEG-S sollen die sozialen Fähigkeiten und das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern eingehender untersucht und dazu geprüft werden, welche Faktoren entscheidend für den Erfolg entsprechender Förderangebote sind. Auch eine Interventionsstudie zur Förderung der Lesekompetenz im Ganztag gehört dazu. → weiterführende Informationen

9./10. Klasse (StEG-A)
Ergebnisse aus der ersten Phase von StEG deuten darauf hin, dass Ganztagsschülerinnen und -schüler reibungsloser durch die Schulzeit kommen und der Übergang in die Ausbildung für sie leichter ist als für Jugendliche, die nicht an Ganztagsangeboten teilgenommen haben. In StEG-A wird daran anknüpfend geprüft, wie die Teilnahme von Jugendlichen der 9. und 10. Klasse an außerunterrichtlichen Angeboten den Verlauf der Schulzeit sowie den Übergang in die berufliche Ausbildung beeinflusst. Diese Studie hat zwar in Schulen begonnen, wird dann aber als Einzelbefragung fortgesetzt. → weiterführende Informationen

2.–7. Klasse (StEG-Q)
Wie der Alltag an deutschen Ganztagsschulen konkret abläuft, dazu gibt es bislang kaum wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Deshalb wird in StEG-Q untersucht, wie alle Beteiligten gemeinsam den Ganztag mit Leben füllen. Dafür konzentriert sich die Teilstudie auf konkrete Handlungen und individuelle Wahrnehmungen von Einzelpersonen und arbeitet weitgehend mit qualitativen Methoden. In Hinblick auf Schülerinnen und Schüler werden die gleichen Klassenstufen einbezogen, mit denen sich auch die Teilprojekte StEG-P und StEG-S befassen, um die Erkenntnisse aus den Teilprojekten miteinander zu verknüpfen. → weiterführende Informationen

4 Rückmeldungen an Schulen und Länder

Ergebnisrückmeldungen während der Laufzeit der länderübergreifenden Studien und die Dokumentation von Entwicklungen in Schulen und Regionen gehören zu den festen Bestandteilen von StEG. Das über die Erhebungen generierte Steuerungswissen wird beispielsweise als Feedback regelmäßig in anonymisierter Form an die Länder und die teilnehmenden Schulen gemeldet, so dass es unmittelbar für die Weiterentwicklung der Ausbauprogramme genutzt werden kann. Damit wird es möglich, Erkenntnisse und Transferwissen (insbesondere zu Gestaltungsansätzen, Realisierungsmöglichkeiten und Gelingensbedingungen) an die Schulen weiterzugeben, damit sie vor Ort als Basis von Schulentwicklungsprozessen genutzt werden können.

Dazu wurden die in Form eines Bundesberichts präsentierten Ergebnisse [4] um länderspezifische Auswertungen ergänzt und spezifisch an jedes der 16 Bundesländer rückgemeldet. Die einbezogenen Schulen können die für sie relevanten Daten über einen passwortgeschützten Zugang auf der StEG-Website direkt abrufen.

Um sicherzustellen, dass mit den Daten der Rückmeldungen sinnvolle Aussagen getroffen werden können und ein realistisches Bild der Schule nachgezeichnet werden kann, erfolgt eine Rückmeldung der einzelnen Kennwerte nur dann, wenn beispielsweise in der Lehrerbefragung (und allen anderen Befragungsgruppen) ein gewisses Quorum erfüllt ist (z.B. über 50%).

5 Referenzen

  1. Holtappels, H. G., Klieme, E., Rauschenbach, T. & Stecher, L. (Hrsg.) (2007). Ganztagsschule in Deutschland. Ergebnisse der Ausgangserhebung der "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG). Weinheim: Juventa. ISBN 978-3779921509FIS Bildung
  2. Fischer, N., Holtappels, H.-G., Klieme, E., Rauschenbach, T., Stecher, L. & Züchner, I. (Hrsg.) (2011). Ganztagsschule: Entwicklung, Qualität, Wirkungen. Längsschnittliche Befunde der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG). Weinheim: Juventa. ISBN 978-3779921561FIS Bildung
  3. StEG-Konsortium (Hrsg.) (2010). Ganztagsschule: Entwicklung und Wirkungen. Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005–2010.
  4. StEG-Konsortium (Hrsg.) (2013). Ganztagsschule 2012/2013. Deskriptive Befunde einer bundesweiten Befragung.

6 Weblinks

6.1 Projektseite

6.2 Weiterführende Links

7 Förderer

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