Kompetenz
Aus BildungsWiki
[Bearbeiten] 1 Kompetenz
„Kompetenz“ lässt sich als eine Fähigkeit definieren, ein komplexes Bedürfnis zu befriedigen oder eine komplexe Tätigkeit auszuführen bzw. eine komplexe Aufgabe zu bewältigen. Kompetenzen können in unterschiedlichen Anforderungssituationen konstruiert und aktiviert werden, indem das Individuum seine Ressourcenausstattung kombiniert und mobilisiert. So definiert, handelt es sich bei dem Kompetenzbegriff um ein holistisches Konstrukt. Eine Kompetenz ist dabei mehr als die Summe der aktivierten Ressourcen. Ressourcen sind: Temperament, Begabungen, kulturspezifische Erfahrungen, Interessen, Motive, implizites und explizites Wissen, Fakten- bzw. lexikalisches Wissen, Fertigkeiten, Erfahrung in ähnlichen Situationen, physische Ressourcen (z. B. Kraft, Schnelligkeit, Geschicklichkeit), soziale Ressourcen, Zugänge zu Wissen und Erfahrung.
Kompetenzen müssen dem Individuum nicht unbedingt bewusst sein, um sie konstruieren und aktivieren zu können. Denn selbst was Experten bewusst wissen, ist nur ein Bruchteil des Wissens, welches sie einsetzen, wenn sie etwas tun. Was Menschen tun, ist wiederum nur ein Teil dessen, wozu Menschen gegebenenfalls fähig sind. Eine Kompetenz ist so betrachtet etwas, was Experten wissen, können und gegebenenfalls wagen, ohne das immer zu tun und ohne ihr eingesetztes Wissen und ihre weiteren eingesetzten Ressourcen notwendig zu kennen.
Wenn Kompetenzen, wie in dieser Definition, als komplexe Gebilde angesehen werden, sind sie nicht am Input einzelner Ressourcen, sondern nur am Output, also z. B. an der mehr oder weniger erfolgreichen Problemlösung zu erkennen. Das aber bedeutet, dass der Erwerb von Kompetenzen nicht auf einzelne pädagogische Aktivitäten zurückgehen kann. Man kann folglich Kompetenzen nicht lehren. Aus erfassten Kompetenzen prospektiv auf notwendige Unterrichtsinhalte oder -gegenstände zu schließen, ist nur mit einer hohen Investition in die Erschließung von Hintergrundinformationen zum schulisch und außerschulisch angeregten und gespeisten Kompetenzentwicklungsprozess möglich. Letztlich können nur erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen mit vertretbarem Aufwand aus erfassten Kompetenzen relevante Schlüsse für ihre Arbeit ziehen.
[Bearbeiten] 2 Literatur
- Carle, Ursula/Berthold, Barbara (2006): Definition grundschulpädagogischer Kompetenzniveaus im Thüringer Schulversuch "Veränderte Schuleingangsphase". In: Rinkens, H.-D.; Hilligus, A. H.(Hrsg.): Standards und Kompetenzen - neue Qualität in der Lehrerausbildung? Münster: LIT, S. 71-79
- Rychen D. S. / Tiana, A. (2004): Developing Key Competencies in Education: Some Lessons from International and National Experience, Geneve: UNESCO-IBE, Studies in Comparative Education
- Zentralstelle für Weiterbildung der Lehrpersonen (Hrsg.)(1998): Sonderpublikation Kompetenzen 3, Luzern
--Prof. Dr. Ursula Carle 17:57, 27. Jul 2007 (CEST) [http//www.grundschulpaedagogik.uni-bremen.de]
Weiterführende oder spezialisiert vertiefende Literatur:
Dass Kompetenzen nicht gelehrt, wohl aber gelernt werden können ("Kompetenzentwicklung") ist ausführlich dargestellt in: Bauer, H. G. / Brater, M. / Büchele, U. / Dufter-Weis, A. / Maurus, A. / Munz, C. (2007, 2. Aufl.): Lern(prozess)begleitung in der Ausbildung - Wie man Lernende begleiten und Lernprozesse gestalten kann. Ein Handbuch. Schriftenreihe "Arbeit-Lernen-Persönlichkeitsentwicklung", herausgegeben von der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung GAB-München. wbv, Bielefeld
Baethge, M., Baethge-Kinsky, V. (2002): Arbeit – die zweite Chance. In: Kompetenzentwicklung 2002. Auf dem Weg einer neuen Lernkultur (Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung). Münster: S. 69 – 140 Baranowski, A.; Jäkel, L.; May, M.; Prager, M.; Salazar, Y.; Schülken, T.; Thiel, C.; Thomas, E.; Weißbach, B.; Zavarzina, M.: Interkulturelle Kompetenzentwicklung. Handlungsanleitung für die Praxis, Nr. 11. Berlin 2006 Bergmann, B.: Kompetenzentwicklung – eine Aufgabe für das gesamte Erwerbsleben. In: QUEM-Bulletin 3/2001, S. 1-6 u.V.m.
