Evaluation

Aus BildungsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff der Evaluation erfuhr in den letzten Jahren zunehmende Prominenz, sowohl in der theoretischen Auseinandersetzung als auch in der praktischen Anwendung. Der Bedeutungszuwachs von Evaluation resultiert zum einen aus dem gestiegenen Anspruch, die Qualität von Prozessen und Produkten zu verbessern, und wird zum anderen durch den erhöhten Legitimationsbedarf im Rahmen von Effizienz- und Kostendruck bedingt. Bildungsträger bzw. unterstützende Institutionen und Organisationen fordern zunehmend einen systematischen Nachweis von Erfolg und lohnender Investition. Zudem wird Evaluation - vor allem im Zusammenhang mit Qualitätsmanagement - zum Konkurrenzvorteil.

Dieses führte zu einer Erweiterung der Anwendungsfelder, zu einer Ausdifferenzierung der Herangehensweisen und der Entwicklung weiterer Evaluationsinstrumente. Ferner etablierte sich im Rahmen der Debatte um die Qualitätsentwicklung und -sicherung eine Abgrenzungsdiskussion zum betriebswirtschaftlichen Konzept des Controllings.

1 Definition

Evaluation (frz.: évaluer: abschätzen, berechnen; lat.: valere: stark sein, wert sein) - Allgemein: Analyse und Bewertung eines Sachverhalts. Häufig wird Evaluation zusammen mit Erfolgs-, Wirkungs- oder Qualitätskontrolle bzw. Begleit-, Effizienz- oder Bewertungsforschung genannt.

Eine allgemeine und präzise Definition von Evaluation lässt sich in der wissenschaftlichen Fachliteratur nicht finden. Eher scheint die Aussage zuzutreffen, dass es so viele Definitionen wie Evaluatoren gibt (vgl. Wottawa, H.; Thierau, H. 1990, S. 9). Als Grundlage für diesen Wiki-Beitrag werden folgende Definitionen angeboten:

• „Evaluation meint: 1. das methodische Erfassen und 2. das begründete Bewerten von Prozessen und Ergebnissen zum 3. besseren Verstehen und Gestalten einer Praxis-Maßnahme im Bildungsbereich durch Wirkungskontrolle, Steuerung und Reflexion“ (Reischmann, J. 2006, S. 18).

„Eine Evaluation macht Aussagen zur Qualität des untersuchten Gegenstandes im Hinblick auf seine Anwendbarkeit. In der Pädagogik ist die Aufgabe einer Evaluation die Analyse eines Bildungsprogramms mit dem Ziel, Entscheidungen herbeizuführen, die zu dessen Verbesserung beitragen“ (Ditton, H. 2006, S. 191).

„Evaluation dient als Planungs- und Entscheidungshilfe und hat somit etwas mit der Bewertung von Handlungsalternativen zu tun. Evaluation ist ziel- und zweckorientiert. Sie hat primär das Ziel, praktische Maßnahmen zu überprüfen, zu verbessern oder über sie zu entscheiden“ (Wottawa, H.; Thierau, H. 1998, S. 14).

„Wissenschaftliche Evaluation bezeichnet die Summe systematischer Untersuchungen, die empirische, d.h. erfahrungsbasierte Informationen bereitstellen über den Wert eines (in der Regel sozialen) Gegenstandes, den Evaluationsgegenstand“ (Beywl, W. 1999, S. 31).

Wie aus diesen Definitionen ersichtlich wird, geht die Bedeutung des Evaluationsbegriffes weit über eine reine Analyse und Bewertung von Sachverhalten hinaus. Vielmehr spiegelt die Vielfalt der Begriffsdefinitionen die Tatsache wider, dass es „…kein allgemein anerkanntes Paradigma ... [und] ... keinen Konsens über die spezifische Qualität von Evaluierungen [gibt, die] über die generelle Zustimmung zu den Kriterien der Gültigkeit (Validität) und Zuverlässigkeit (Reliabilität) hinausginge[n], wie sie für jede Form empirischer Sozialforschung anerkannt worden sind“ (Wesseler, M. 1999, S. 738). Der Begriff erfährt in diesem Zusammenhang eine politisch-demokratische Aufwertung, da in seiner Offenheit zugleich auch die Möglichkeit liegt, Ergebnisse von Evaluationen gemeinsam zu diskutieren und sie als Orientierungsrahmen für die gemeinsame Gestaltung von Entwicklungsmaßnahmen zu nutzen.

2 Geschichte

„Im Bereich der Evaluationsgeschichte lassen sich zunächst im Wesentlichen zwei historische unterschiedliche Entwicklungslinien im europäischen und US-amerikanischen Raum unterscheiden. Insbesondere in Europa sind differierende Entwicklungslinien erkennbar, die stark von der jeweiligen nationalen Entwicklung geprägt sind. Die Entwicklung der Evaluation – insbesondere in Deutschland im Vergleich und in Abgrenzung zu Europa und den USA – ist […] ein wichtiges Element, da diese zu unterschiedlichen theoretischen Ansätzen und institutionellen Verankerungen von Evaluation in verschiedenen Bereichen geführt hat. Insbesondere zeigen sich abweichende Evaluationskulturen in den angelsächsischen und den kontinental europäischen Ländern“ (Empfehlung für die Aus- und Weiterbildung in der Evaluation, S. 12).

Von Kardorff unterscheidet im geschichtlichen Prozess der qualitativen Evaluationsforschung drei Phasen:

1. Die Phase des Messens bis in die 30er Jahre

2. Die Phase der Beschreibung bis in die 50er Jahre

3. Die Phase der Beurteilung seit den 50er Jahren (vgl. von Kardorff, E. 2003, S. 241).


„Dort, wo sich die Erwachsenenbildungswissenschaft in den letzten Jahren mit Evaluationsfragen befasste, geschah dies bis in die allerjüngste Vergangenheit i.d.R. mit sehr aufwendigen, am Vorbild der empirisch-analytischen Forschung orientierten Designs, deren Anwendung in der Weiterbildungspraxis kaum durchgehalten werden konnte. Auch das Ideal einer differenzierten, d. h. einer zentralen Auswertung zugänglichen Datenbasis für evaluatorische Analysen, war kaum auf die realen Handlungsmöglichkeiten in der betrieblichen Weiterbildung aber auch anderer Träger bezogen. Deshalb mussten sich die Evaluierungsansätze der Praxis auf meist sehr bescheidene, theoriearme Zugriffe beschränken.“QUELLE?

3 Ziele

Eine Evaluation hat das Ziel, praktische Maßnahmen zu bewerten - a) sie zu überprüfen, um B) sie zu verbessern und c) über Alternativen entscheiden zu können.

"Evaluation zielt […] auf eine Verbesserung der pädagogischen Interaktion und wurde deshalb zum integralen Bestandteil des erwachsenenpädagogischen Handelns (Hartz, S.; Meisel, K. 2004, S. ??). Zudem soll Evaluation gesellschaftliche und organisationsinterne Veränderungen anregen und im Sinne entdeckender Sozialforschung neue Erkenntnis bringen" (vgl. von Kardorff, E., 2003, S. 239).

Wesentlich ist ferner die Fragestellung, ob eine Evaluation eine gesamte Organisation bewerten soll oder sollen nur einzelne Programme auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden?

Der Sinn und Zweck von Evaluation:

- Die Überprüfung, ob Weiterbildungsmaßnahmen den gewünschten Erfolg haben.

- Evaluation soll eine Entscheidungshilfe sein und zu einer Optimierung führen.

- Evaluation richtet den Blick auf die Ergebnisse von Bildungsarbeit.

- Evaluation macht nur Sinn, wenn aus den Bewertungsergebnissen praktische Konsequenzen folgen (nie Selbstzweck!).

- Evaluation ist nur dann sinnvoll, wenn der zu erwartende Nutzen größer ist als der Aufwand.

- Evaluation ist dann sinnvoll, wenn sie ihr eigenes Vorgehen ständig reflektiert.

4 Phasen

Evaluationsprozess.png

5 Evaluationsstandards

Das Mitte der 70er Jahre gegründete Joint Comitee on Standards for Educational Evaluation entwickelte Evaluationsstandards, um Evaluatoren/innen einen Leitfaden für ihre Forschungen an die Hand zu geben und deren Ausarbeitungen effektiver zu gestalten (vgl. Sanders, J. R. 1999, S. 19-21). Die Evaluationsstandards lassen sich zusammenfassen zu:

5.1 Nützlichkeitsstandards

Nützlichkeitsstandards dienen der Überprüfung, ob eine Evaluation sich "(...) an den Informationsbedürfnissen der vorgesehenen Evaluationsnutzer ausrichtet" (Sanders, J. R. 1999, S. 47). Folgende Standards stellen die Nützlichkeit sicher:

N1 ermittelt und identifiziert die an der Evaluation Beteiligten und Betroffenen (dazu zählen sowohl Auftraggeber, Dritte, als auch die Personengruppen, deren Arbeit evaluiert wird) um deren Interessen und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Hier ist es hilfreich eine Stakeholderanalyse durchzuführen.

N2 besagt das der die durchführende Evaluator/in vertrauenswürdig und kompetent sein soll, damit die Ergebnisse der Evaluation ein "Höchstmaß an Glaubwürdigkeit erreicht"(Sanders, J. R. 1999, S. 47). "Evalutoren/innen sind in dem Maße glaubwürdig, wie sie Ausbildung, technische Kompetenz, Sachwissen, Erfahrung, Integrität; Fertigkeiten in Öffentlichkeitsarbeit und andere Eigenschaften aufweisen, die von den Auftraggebern und weiteren Benutzern des Berichts als notwendig erachtet werden" (Sanders, J. R. 1999, S. 55).

N3 betrifft den Umfang und die Auswahl der Informationen. Der/ die Evaluator/in muss selektieren, welche Informationen wichtig und erforderlich sind und welche nicht. Des weiteren sollte, bevor mit der Datenerhebung begonnen wird,"(...) der Evaluationsplan mit den vorgesehenen Informationserhebungen vom Auftraggeber und weiteren relevanten Beteiligten und Betroffenen eingesehen werden" (Sanders, J. R. 1999, S. 62), um sicher zu stellen, dass die Informationen für den Untersuchungsgegenstand relevant sind.

N4 dieser Standard besagt, dass Evaluator/innen die Informationen, die sie bei der Evaluation gewinnen, bewerten und interpretieren müssen. Der Grund des Werturteils muss für die Beteiligten klar ersichtlich sein.

Eine Klarheit des Evaluationsberichts ist erforderlich. Dazu gehört eine leicht verständliche, klar gegliederte und lückenlose Berichterstattung, die für alle Beteiligte einen guten Überblick verschafft.

Evaluatoren/innen sollten die Nutzer/innen sowohl über End-, als auch wichtige Zwischenergebnisse rechtzeitig informieren (vgl. Sanders, J. R. 1999, S. 77).

Die Vorlage des Evaluationsberichts hat noch nicht unmittelbaren Einfluss auf die Entscheidungen der Adressaten, deswegen sollten diese ermuntert werden, am Prozess der Evaluation teilzuhaben, damit die Evaluation auch eine Wirkung hat.

5.2 Durchführbarkeitsstandards

Durchführbarkeitsstandards dienen der Überprüfung, ob Evaluation gut durchdacht ist, d.h. das vorrausschauend verschiedene Interessengruppen ausfindig gemacht werden (falls es welche gibt)und die Evaluation verschiedene Positionen in die Durchführung der Arbeit miteinbezieht. Desweiteren soll die Evaluation "(...) realistisch (...), diplomatisch und kostenbewußt ausgeführt" werden (Sanders, J.R., 1999, S. 87).

D1 Die Verfahren der Evaluation sollen praktisch sein und mögliche Störquellen sollen minimiert werden.Dazu müssen die Evaluationsinstrumente so abgestimmt sein, das das Evluationspersonal in der Lage ist die Evaluation durchzuführen ( eventuelle Weiterbildungssmßnahmen des Personals müssen in Betracht gezogen werden), ebenfalls muss der Aufwand der Evaluation abgeschätzt werden. Der Aufwand muss vertretbar und realistisch sein.

D2 Die Evaluation soll politisch tragfähig sein. " Evaluationen sind in dem Maße politisch tragfähig, wie ihre Ziele unter fairer und gerechter Anerkennung von ausgeübten Einflüssen und Aktivitäten verschiedener an der Evaluation beteiligter Interessengruppen erreicht werden können" (Sanders, J. R., 1999, S. 93).

D3 stellt die Kostenwirksamkeit sicher. Bei der Durchführung einer Evaluation sollte möglichst darauf geachtet werden, dass die Kosten nicht größer sind als der Nutzen, bzw. das der Nutzen und die Kosten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.


5.3 Korrektheitsstandards

Korrektheitsstandards beziehen sich hauptsächlich auf die Einhaltung von rechtlichen Vorschriften und ethischen Grundsätzen.

K1 " Die Evaluation sollte so geplant werden, daß Organisationen dabei unterstützt werden, die Interessen und bedürfnisse des ganzen Zielgruppenspektrums zu berücksichtigen und ihre Tätigkeiten danach auszurichten" (Sanders, J. R., 1999, S. 109).

K2 Bei der Durchführung einer Evaluation sollten Vereinbarungen formal festgehalten werden, d.h. Pflichten der Verantwortlichen sollten schriftlich (z. B. in Form eines Protokolls) verfasst werden , so dass die Vertragsparteien gewillt sind ihre Verpflichtungen einzuhalten und diese klar definiert sind. Formale Vereinbarungen dienen der Übersichtlichkeit der einzelnen Aufgabenfelder der beteiligten Personen, sowie deren Rechte und Verantwortlichkeiten.

K3 Dieser Korrektheitsstandard umfasst den Schutz der individuellen Menschenrechte. " Evaluationen sollten so geplant und durchgeführt werden, daß die Rechte und das Wohlergehen der Menschen respektiert und geschützt sind"(Sanders, J. R., 1999,S. 119).Bei einer Evaluation sollen nicht nur die gesetzlich festgelegten Rechte gelten (z.B. Persönlichkeitsrecht: Freiwilligkeit an der Teilnahme an einer Evaluation...), sondern auch ethische Grundsätze und allgemeine Verhaltensnormen (sowie z.B. Regeln der Höflichkeit)sollen eingehalten werden.Werden gesetzlich oder ethisch festgelegte Rechte mißachtet, können Evaluatoren/innen und deren Verstöße vor das Gericht gebracht werden. Dieses hätte sowohl Auswirkungen auf die Evaluation, als auch auf die weitere Berufsausübung der Person, die gegen Rechte verstoßen hat(vgl. Sanders, J. R., 1999, S. 119).

K4 soll die human gestaltete Interaktion sichern. Zwischenmenschliche Beziehungen sollen so gestaltet sein, dass die Würde und der Wert des Menschen respektiert werden (moralische Grundsätze sollen hier nicht mißachtet werden).

K5 Im Evaluationsbericht sollen alle positiven und negativen Aspekte des Programms ausgearbeitet werden, die Evaluation soll damit eine vollständige und faire Einschätzung liefern (vgl.Sanders, J.R., 1999,S.133).

K6 Dieser Standard plädiert für eine Offenlegung der Evalautionsergebnisse.Dieses ist notwendig, "(...) wenn die Evaluation vertretbar und verteidigbar sein soll" ( Sanders, J. R., 1999, S. 139). Dieser standard ermöglicht eine konstruktive Arbeit mit dem Ergebnissen einer Evaluation. Von der Offenlegung der Evaluationsergebnisse ist nur abzusehen, wenn diese die "(...) öffentliche Sicherheit gefährdet oder persönlhe Freiheiten beschneidet" ( Sanders, J. R., 1999, S. 139).

K7 Interesenskonflikte (persönliche/ finanzielle Konflikte)beeinflussen die Evaluation und sollten möglichst schnell erkannt und aus der Welt geschaffen werden, um die Evaluation und deren Ergebnisse nicht zu beieinträchtigen (vgl. Sanders, J. R., 1999, S. 145).

K8 Evaluatoren/innen tragen eine finanzielle Verantwortung. Es ist wichtig, dass über die Gelder, die zu Durchführung der Evaluation in Anspruch genommen werden Buch geführt wird (allgemein anerkannte Verfahren der Buchhaltung/ des Rechnungswesens sollen dabei eingehalten werden) und die Evaluatoren/innen ihre Verantwortung nicht mißbrauchen (durch z. B. Veruntreuung, Bestechung), da dadurch die Glaubwürdigkeit der Evaluation in Frage gestellt werden würde (vgl. Sanders, J. R., 1999, S. 149).


5.4 Genauigkeitsstandards

Genauigkeitsstandards sollen sicherstellen, daß eine Evaluation über die Güte und/ oder die Verwendbarkeit des evaluierten Programms fachlich angemessene Informationen hervorbringt und vermittelt" (Sanders, J. R., 1999, S. 155).

G1 Dieser Standard besagt, dass das Programm, das es zu evaluieren gilt, eindeutig zu identifizieren sein muss. Dazu muss das Programm klar dokumentiert und beschrieben werden (vgl. Sanders, J. R., 1999, S. 157).

G2 umfasst die Kontextanalyse.Die Kontextfaktoren des Evaluationsprogramms müssen bestimmt werden um die Ergebnisse einer Evaluation ausreichend interpretieren zu können." Zum Kontext des Programms zählen die geographische Verortung des Programms, der zeitliche Rahmen, das politische und soziale Umfeld, parallel laufende konkurrierende Aktivitäten, das Personal und relevante wirtschaftliche Bedingungen" (Sanders, J. R., 1999, S. 163).

G3 besagt, dass Evalualionsziele definiert werden sollen und des Weiteren angegeben werden soll, wie die Ergebnisse genutzt werden sollen. Evaluatoren/innen und deren Auftraggeber/innen sollten vor Beginn der Evaluation aufzeigen, welche Erwartungen sie an die Zwecke und Verfahren der Evaluation haben. Diese sollten wenn möglich auch von unabhängigen Evaluatoren/innen überprüft und beurteilt werden. Die Evaluationszwecke und -verfahren sollten vor der Evaluation grob aufgezeichnet werden und während der Evaluation konkretisiert und während der einzelnen Phasen beschrieben und aufgezeichnet und wenn nötig überarbeitet werden. (vgl.Sanders, J. R., 1999, S. 167).

G4 Für eine Programmevaluation sollten unterschiedlice Informationsquellen genuzt werden. Die gewonnenen Informationen sollten miteinander verglichen werden, um zu überprüfen, ob diese miteinander übereinstimmen bzw. neue Sichtweisen eröffnen. Es gilt den Inhalt der Informationen inhaltlich zu analysieren, damit die Angemessenheit dieser eingeschätzt werden kann(vgl.Sanders, J. R., 1999, S. 171).

G5 Dieser Standard umfasst die Validität, also die Güte und Glaubwürdigkeit der gewonnenen Informationen. Das Validierungsverfahren beinhaltet " (...) eine genaue Beschreibung der Konstrukte und Verhaltensweisen, über die Informationen bereitgestellt werden (...)", die Analyse, welche Informationen gewonnen werden sollen, eine genaue Beschreiung der Umsetzung des angewandten Verfahrens, eine Rechtfertigung für die Auswahl des Verfahrens (sowohl qualitativ, als auch quantitativ).

G6 Die Verfahren zur Informationsgewinnung sollen reliabel sein. Reliabilität besagt, dass "(...) Messinstrumente bei wiederholter Messung unter gleichen Bedingungen auch das gleiche Ergebnis produzieren müssen" (http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ein_voll.htm( Stand 07.02.2008)).

G7 Um mögliche Fehlerquellen zu erkennen, aufzudecken und zu beseitigen, müssen die in und aus der Evaluation gewonnenen Informationen systematisch überprüft werden. Regelmäßige Kontrollen und Genauigkeitsverfahren sowie Schulungsprogramme können Fehlerentstehungen vorbeugen (vgl.Sanders, J. R., 1999, S. 189).

G8 Durch Evaluation entstehen verschiedene quantitative Informationen bzw. werden quantitative Informationen untersucht. Zu diesen Informationen zählen unter anderem " (...) Alter und sozio-ökonomische Merkmale der Befragten; Maße für Leistung, Einstellung und Verhalten; Beschreibungen der Eigenschaften des zu evaluierenden Programms, Projektes oder Unterrichtsmaterials (Sanders, J. R., 1999, S. 195). Diese quantitativen Informationen gilt es zu analysieren, um Fragestellungen effektiv beantworten und auswerten zu können.

G9 Die systematische Analyse soll auch bei qualitativen Informationen geschehen. Bei qualitativen Informationen der Evaluation handelt es sich um Beschreibungen und Interpretationen.

G10 Schlußfolgerungen, die in einer Evaluation gezogen werden, müssen begründet werden, um diese für die Beteiligten und Betroffenen nachvollziehbar zu machen, damit auch sie diese einschätzen können. Die Schlussfolgerungen sollten dabei auf alle für die Sache relevanten gesammelten Informationen eingehen und von den Evaluatoren/innen ausdrücklich begründet werden (vgl.Sanders, J. R., 1999, S. 207).

G11 Die Bericherstattung soll unparteilich und fair erfolgen. Um den Bericht nicht zu verzerren, sollen alle zu berücksichtigenden Sichtweisen miteinbezogen werden, also auch diejenigen Sichtweisen, die nicht denen entsprechen, deren Arbeit evaluiert wird (vgl.Sanders, J. R., 1999, S. 211).

G12 Auch Evaluationen sollten evaluiert werden. Ist dies der Fall, spricht man von einer Meta-Evaluation. Meta-Evaluationen können sowohl externe Meta- Evaluatoren/innen durchführen, als auch die Auftraggeber. " Meta- Evaluationen haben zwei bedeutende Funktionen: Die formative Funktion besteht darin, die Planung und Umsetzung einer Programmevaluation anzuleiten. (...)die summative Funktion der Meta-Evaluation besteht darin, die Verwendbarkeit und die Güte einer abgeschlossenen Programmevaluation einzuschätzen" (Sanders, J. R., 1999, S. 215).

6 Evaluationstypen/-arten/-formen/-instrumente/-modelle

In der Literatur findet man die unterschiedlichsten Bezeichnungen, um die verschiedenen Herangehensweisen und "Arten" zu differenzieren. Aus diesem Grund ist die Überschrift so vielfältig. Manche der folgenden Beschreibungen ergänzen sich und andere wiederum widersprechen sich zum Teil. Ein genauerer Blick in die entsprechende Literatur ist dabei sehr hilfreich. Die Ausdifferenzierung der Evaluationsgebiete (Anwendungsfelder) hat auch die Anwendung einer Vielzahl von Evaluationsmethoden zur Folge, die in ihrer Leistungsfähigkeit unterschiedlich bewertet werden. Anhand der zu untersuchenden Gegenstände und des formulierten Evaluationszieles wählt man den entsprechenden Evaluationstyp heraus. Reischmann und andere bieten einen guten Überblick über viele der Evaluationsformen:

Kontext-Evaluation: Unter diesen Begriff werden Untersuchungen zusammengefasst, die die verschiedenen, auf den Evaluationsgegenstand wirkenden Einflussgrößen herausarbeiten. Das können beispielsweise die sozialen, kulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die Institutionskultur oder auch das politische Klima sein, unter dem die Evaluation vorgenommen werden soll. Eine Kontextevaluation, die vor der Übernahme eines Evaluationsprojekts durchgeführt wird, kann dem Evaluator als Entscheidungsgrundlage für eine Annahme oder Ablehnung des Evaluationsauftrags dienen.

Input-Evaluation: Eine Input-Evaluation beinhaltet eine Untersuchung und Bewertung der Ressourcen einer Maßnahme. Dies können sowohl materielle und finanzielle Ressourcen wie auch Ressourcen der beteiligten Personen sein, z.B. die Teilnehmer/innenqualifikation, die Motivation oder die Trainer/innenkompetenz (vgl. Oram, M. 1999, S. 21)

Prozess-Evaluation: Während einer Maßnahme kann eine Prozessevaluation beispielsweise die Didaktik und Methodik eines Programms untersuchen, Informations- und Kommunikationsstrukturen ermitteln oder auch die Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden in den Blick nehmen. Des Weiteren kann sie dazu dienen, Veränderungen der Rahmenbedingungen oder Zielsetzungen, auftretende Störungen und unvorhergesehene Entwicklungen anzuzeigen, auf die der Evaluator gegebenenfalls reagieren kann.

Output-Evaluation: Diese Evaluation erfasst alle kurzfristig beobachtbaren Resultate einer Maßnahme. Dabei sollten nicht nur die beabsichtigten, sondern auch unbeabsichtigte, vielleicht sogar den ursprünglichen Zielvorgaben widersprechende Ergebnisse, aufgeführt werden.

Outcome- oder Wirkungsevaluation: Im Gegensatz zur reinen Outputevaluationen werden hier die längerfristigen Folgen der Ergebnisse untersucht, z.B.: Kann das Gelernte auch tatsächlich angewendet werden, ändert sich vielleicht das Einkommen oder die Karriere der Teilnehmer oder hat eine Maßnahme soziale, kulturelle oder politische Veränderungen zur Folge?

Formative Evaluation: Eine formative Evaluation wird während einer Maßnahme im Sinne einer prozessbegleitenden und verlaufssteuernden Untersuchung durchgeführt. „Die Messung dient im Lernprozess als Informationsquelle für die effektive Formung des Weiterlernens“ (Reischmann, J. 2006, S. 35).

Summative Evaluation: Hierbei werden am Ende einer Evaluation Ergebnisse zusammengefasst und bewertet, somit kann noch mal konkret aufgelistet werden, welche Erfolge/Misserfolge sich während der Maßnahme eingestellt haben. Kurz gesagt handelt es sich um eine abschließende Beschreibung und Bewertung der Ergebnisse (vgl. Reischmann, J. 2006, S. 35).

Innere Evaluation/Selbstevaluation: Diese Art der Evaluation erfolgt durch die Beteiligten selbst, d.h. sie sind für die Messung und Bewertung des zu untersuchenden Gegenstandes zuständig. Besonders in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung „[…] sollten die Betroffenen – sowohl die „Macher“ solcher Bildungsangebote als auch die Teilnehmer – selbst in den Stand versetzt werden, über ihre Arbeit nachzudenken und sie zu gestalten […]" (Reischmann, J. 2006, S. 107).

Äußere Evaluation/Fremdevaluation: Die Evaluation wird von Außenstehenden durchgeführt. Diese Art der Evaluation ist zwar aus forschungswissenschaftlicher Sicht objektiver, andererseits kann aber gerade in Bezug auf das Evaluationsfeld Bildung argumentiert werden, dass nur diejenigen erkennen können, was wichtig ist, die auch selbst im Bildungsfeld engagiert sind.

Intrinsische Evaluation: Der Schwerpunkt liegt hier auf der Analyse von Struktur- und Prozessmerkmalen. Die Bewertung erfolgt im Unterschied zur extrinsischen Evaluation unabhängig von den konkreten Auswirkungen. Dokumentiert und bewertet werden anhand der eigenen Ansprüche Ziele, Maßnahmenverläufe und didaktische Produkte wie z.B. der Mitarbeiterbefragungsbogen eines Unternehmens.

Extrinsische Evaluation: Bei dieser Evaluation werden die erzielten Effekte und Wirkungen einer Maßnahme festgestellt und bewertet, z.B. ob die Teilnehmer am Ende eines Sprachkurses das gewünschte Sprachlevel erreicht haben.

Mikroevaluation: Mikroevaluation meint die Evaluation einzelner Teilaspekte oder Strukturelemente. Von Interesse sind nur Details, z.B. die didaktischen Aufbereitungen eines Unterrichtstextes.

Makroevaluation: Hier erfolgt eine Untersuchung komplexer Systemzusammenhänge, z.B. Fragen der Schulorganisation.

Vergleichende Evaluation: Bei einer vergleichenden Evaluation wird der Ist-Soll-Vergleich an zwei vergleichbaren Datensätzen vorgenommen, z.B. an einer Untersuchungsgruppe und der dazugehörigen Kontrollgruppe. „Vergleichende Evaluation erfasst Merkmale gezielt und explizit bei einer Personengruppe oder zu einem Messzeitpunkt und vergleicht sie mit dem (vorhandenen oder speziell erhobenen) Datensatz einer anderen Personengruppe oder eines anderen Messzeitpunkts“ (Reischmann, J. 2006, S. 105).

Nicht-vergleichende Evaluation: Wenn die Evaluation keine Datensätze hervorbringt, die vergleichbar sind mit anderen Datensätzen, so können die Daten nicht verglichen werden und die Evaluator/innen können nur ihre selbsterstellen Daten sammeln und bewerten (vgl. Reischmann, J. 2006, S. 105-106).

Quantitative Evaluation: In einer quantitativen Evaluation werden hauptsächlich Größen erfasst, die sich in Zahlen ausdrücken lassen, z.B. die Teilnehmerzahl, Kursentgelte, Stundenanzahl etc. Auch Merkmale, die eigentlich "qualitativ" sind, können ggf. durch geeignete Skalierung in Zahlen ausgedrückt werden(vgl. Reischmann, J. 2006, S. 108).

Qualitative Evaluation: Im Gegensatz zur quantitativen Evaluation werden die Fragen bei einer qualitativen Untersuchung offen formuliert. Der Befragte kann individuell antworten und muss sich nicht an vorgegebene Antwortkategorien halten. Allerdings wird die Auswertungsarbeit dadurch aufwendiger, da nicht - wie bei einer rein quantitativen Untersuchung - die einzelnen Zahlenwerte, die der Befragte angekreuzt hat, ermittelt werden, sondern die individuellen Antworttexte oder Interviewaufzeichnungen einzeln analysiert und interpretiert werden müssen. Daher bieten sich qualitative Verfahren eher für kleinere Untersuchungseinheiten an.

Hypothesenprüfende Evaluation: Bei dieser Art von Evaluation werden bereits entwickelte Hypothesen auf ihre Gültigkeit hin überprüft. So könnte eine Hypothese lauten: ‚Je weniger Bücher Kinder lesen, desto schlechter ihre Lesekompetenz’. Mit einer Untersuchung an einer repräsentativen Stichprobe kann festgestellt werden, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit diese Hypothese korrekt ist.

Hypothesengenerierende Evaluation: Gerade im sozialwissenschaftlichen Bereich kommt es im Unterschied zu den Naturwissenschaften aber oft darauf an, Hypothesen erst zu entdecken und zu formulieren. So könnte man zwar feststellen, dass viele Kinder über eine geringe Lesekompetenz verfügen, hat aber vielleicht nur ungefähre Vorstellungen, warum dies so ist. Dann bieten sich Beobachtungen im Feld, Recherchen zum Thema und Gespräche mit Beteiligten an, „[…] um überhaupt erst einmal plausible Annahmen darüber auszuarbeiten, was denn eigentlich zu untersuchen ist. Im Wissenschaftsjargon: Hypothesen zu generieren“ (Reischmann, J. 2006, S. 110).

7 Anwendungsfelder (Beispiele für Evaluationsfelder)

Zunächst ist festzustellen, dass es die klassischen Felder der Evaluation kaum gibt. Heutzutage könnte man meinen, dass der Bildungsbereich das Hauptevaluationsfeld sei, z.B. Evaluationen in (Hoch-)Schulen und Bildungseinrichtungen. Weitere Anwendungsfelder:

• Entwicklungspolitik, Psychologie, Gesundheitswesen, Umweltforschung, Politik, berufliche und betriebliche Aus- und Weiterbildung, Strukturpolitik, Medien, Forschung und Technologie, Verwaltung, soziale Dienstleistungen.

[1]DeGEval - Gesellschaft für Evaluation e.V.; c/o ZQ Uni Mainz; Forum universitatis 4; D-55099 Mainz

Ferner - etwas konkreter - können Programme, die Teilnahme, der Kurserfolg, die Zielgruppenerreichung, die (Kurs-)Inhalte etc. evaluiert werden.


Veranstaltungsevaluation: partielle Lehr-/ Lerneinheiten oder gesamte Veranstaltungen [Seminare, Kurse, Tagungen] werden vor allem hinsichtlich ihres methodischen organisatorischen Ablauf evaluiert.

Programmevaluation: dient der Überprüfung bzw. Entwicklung von didaktischen Konzepten, Programmen von Veranstaltungen oder das Jahresprogramm eines Weiterbildungsträgers.

Systemevaluation: bezeichnet die Evaluation z.B. einer Weiterbildungsinstitution. Im Vordergrund dieser Praxishilfe sollen Methoden und Instrumente der Evaluation von Veranstaltungen hinsichtlich ihrer lern-/lehrorganisatorischen Aspekte und Momente stehen. (vgl. Jagenlauf, M. 1989)

8 Evaluierung in der betrieblichen Weiterbildung

Ausgehend von der Einbindung betrieblicher Weiterbildungsevaluation in das Gesamtkonzept betrieblicher Organisationsentwicklung, stellt Rolf Arnold, der den deutschen Begriff Erfolgskontrolle synonym mit dem Begriff der Evaluation verwendet, vier Aspekte eines pragmatischen Begriffs von Erfolgskontrolle in der Weiterbildung vor (vgl. Arnold, R. 1996, S. 225). Erfolgskontrolle kann sich danach auf

- die Zufriedenheit der Teilnehmer (Zufriedenheitserfolg)

- die Qualität des Lernprozesses (Lernerfolg)

- das Kosten-Nutzen-Kalkül (betriebswirtschaftlicher Erfolg) und

- die Verbesserung betrieblicher Abläufe (Transfererfolg)

beziehen.

Dabei zeichnet sich die betriebliche Weiterbildung nach Arnold dadurch aus, dass sie sowohl den Lernerfolg wie auch den Transfererfolg evaluieren kann. Denn im Unterschied zu schulischen Institutionen beruflicher Weiterbildung ist der Betrieb „[…] nicht nur für die Vermittlung von Qualifikationen, sondern auch gleichzeitig für deren Verwendung zuständig“ (Arnold, R. 1996, S. 228). Dabei wird aber je nach Art und Entwicklungsgrad der Unternehmen unterschiedlich mit dem Thema Weiterbildung und deren Evaluation umgegangen. Arnold stellt vier charakteristische Typen von Erfolgskontrolle vor, die jeweils eine andere Unternehmenskultur widerspiegeln:

Typ I: Seminarorientierte Erfolgskontrolle

Hier steht die Kontrolle des Zufriedenheitserfolgs bei den Teilnehmern im Vordergrund. Fachliche und angebotsorientierte Weiterbildung dominiert, ohne dass die Bedeutung der Weiterbildung für den Prozess der Organisationsentwicklung ausreichend in den Blick genommen wird.

Typ II: Legitimationsorientierte Erfolgskontrolle

Auch bei diesem Evaluationstypus wird hauptsächlich die Zufriedenheit der Teilnehmer kontrolliert. Jedoch dienen aufsummierte Zufriedenheitsindizes dann zur Rechtfertigung von Weiterbildungsmaßnahmen. Die Evaluation wird zu einem „Legitimations- und „public-relations- Instrument“ (Arnold, R. 1996, S. 231. S. 231).

Typ III: Transferorientierte Erfolgskontrolle

Unter Einbeziehung der Fachabteilungen im Unternehmen wird bei diesem Typ versucht, den Erfolg der Maßnahme für die betriebliche Praxis zu ermitteln. Dabei steht jedoch außer Frage, dass die Weiterbildungsabteilung für diese Erfolgskontrolle zuständig ist. Gerade dies kann jedoch nach Arnold angezweifelt werden, der die anwendungsbezogene Evaluation eher dem operativen Unternehmensbereich zugeordnet wissen will.

Typ IV: Entwicklungsorientierte Erfolgskontrolle

Dieser Typus wird von Arnold als Evaluierungsstrategie bezeichnet, „[…] die den höchsten professionellen Reifegrad betrieblicher Weiterbildung dokumentiert“ (Arnold, R. 1996, S. 231). Die Weiterbildungsabteilung leistet hier einen Beitrag zur Organisationsentwicklung und unterstützt andere Abteilungen prozessbegleitend bei der Lösung von Problemen. Eine systematische Erfolgskontrolle findet unter anderem deshalb nicht mehr statt, weil die Weiterbildungsabteilung ihre Evaluationszuständigkeit auf die Kontrolle der Qualität der Lernprozesse begrenzen will (vgl. Arnold, R. 1996, S. 233).

9 Unterschied von Evaluation und Forschung

Ist die Evaluation eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin oder ein Teilgebiet der empirischen Forschung?

Diese Frage wird vor allem in Deutschland noch intensiv diskutiert, während „[…] in den USA (und anderen Staaten des angelsächsischen Sprachraums) weitgehend Einigkeit herrscht, daß Evaluation eine eigenständige, interdisziplinäre wissenschaftliche Vorgehensweise darstellt […]“ (Beywl, W. 1999, S. 32). Grundlegendes Unterscheidungsmerkmal ist jedoch, welche Zielsetzungen mit beiden Begriffen verbunden werden: „Der Evaluation geht es vorrangig um eine durch wissenschaftliche Untersuchungsmethodik vorbereitete Praxiseinwirkung“ (Beywl, W. 1999, S. 33), während empirisch-wissenschaftliche Forschung allgemeingültige Erkenntnisse gewinnen will und dem wissenschaftlichen Diskurs mit dessen Wahrheitsansprüchen verpflichtet ist. Das bedeutet aber nicht, dass Evaluationen sich nicht nach den methodischen Regeln der empirischen Sozialforschung zu richten hätten: Auch für Evaluationen müssen Daten methodisch korrekt erhoben, ausgewertet und interpretiert werden, denn sonst könnten ihre Gültigkeitsansprüche schnell angezweifelt werden. Jedoch werden bei Evaluationen in der Regel weniger aufwendige Forschungsdesigns angewendet, die für den gewünschten Praxisnutzen aber ausreichend sind.

Es bietet sich daher an, zwischen Forschung und Evaluation zu unterscheiden, „[…] denn wenn von Forschung unmittelbare Verwertbarkeit gewonnener Befunde für praktische Vorhaben verlangt wird, wenn von Evaluation verallgemeinerungsfähige, theoriebegründende Erkenntnisse erwartet werden, dann provoziert dies Enttäuschungen“ (Beywl, W. 1999, S. 34).

10 Abgrenzung von Evaluation zu Controlling und Qualitätssicherung

Sehr schnell tauchen im Zusammenhang mit Evaluation die Themen Controlling und Qualität auf. Aber wie grenzen sich die Themenfelder gegeneinander ab, oder sind die Übergänge fließend? Eine Abgrenzung zu den Bereichen Controlling und Qualitätssicherung bieten uns Stefanie Hartz und Klaus Meisel:


- [betriebliche Sicht] Rahmenbedingungen: Qualität hinsichtlich organisationaler Funktionalität (Strukturen, Prozesse, interne u. externe Kundenorientierung)

- [betriebliche Sicht] Wirtschaftlichkeit: Controlling hinsichtlich Effizienz (Wirtschaftlichkeit, Kosten-Nutzen-Verhältnis)

- [pädagogische Sicht] Lehr-/Lerngeschehen: Evaluation (als Untersuchung der Wirksamkeit des Lehr- und Lerngeschehens)


Nach Faulstich kann man Evaluation als Arbeitsfeld eher im Bereich der Personalentwicklung wieder finden, Controlling sei eher im Bereich der Organisationsentwicklung angesiedelt (vgl. Faulstich, P 1998, S. 209-211). Diese Abgrenzung ist aber in der Praxis nicht strickt einhaltbar. Bestimmte Methoden sind zwar relativ einfach dem einen oder anderen Bereich zuzuordnen, sobald man sich aber mit umfassenden Konzepten beschäftigt, verschwimmen die Grenzen. Ein Teil eines Qualitätsmanagment-Prozesses kann eine Evaluation sein. Und Controllingprozesse können ihre Erkenntnis durch Evaluationen gewinnen.

Einfacher ist es, mit Beispielen zu verdeutlichen was die einzelnen Bereiche fokussieren. Führt der Englischlehrer einer Volkshochschule am Ende des Semesters eine fragebogengestützte Befragung durch, dessen Ergebnisse er auswertet und analysiert und weiterverwendet, so handelt es sich hierbei um eine Seminarevaluation (vergleiche hierzu beispielsweise die zu Beginn aufgeführte Definition von Wottawa und Thierau).

Gründet sich eine Weiterbildungseinrichtung und arbeitet mit der DIN ISO 9000 ff, welche mittlerweile von vielen Kunden als Voraussetzung für Auftragserteilung gesehen wir, handelt es sich um eine Form des Qualitätsmanagements/Qualitätssicherungssystems. Durch seine Voranstellung der Orientierung am Menschen hebt sich Qualitätsmanagement von anderen Managementkonzepten ab. Es orientiert sich nicht an der Organisation, Technologie oder an Finanzen (vgl. Kamiske, G.F.; Umbreit, G. 2001, S. 10)


Zusatz Bildungsträger die im Bereich der SBG III-geförderten Weiterbildung arbeiten, sind verpflichtet, sich und die jeweilige Maßnahme nach der AZWV durch eine fachkundige Stelle zertifizieren zu zulassen, da dies die Voraussetzung zur Förderung durch die Agentur für Arbeit ist. Nach der AZWV wird man u.a. zugelassen, wenn man ein QM-System hat. QM wird somit zur Pflicht, wenn man durch die Agentur für Arbeit finanziert werden will! LINK http://www.arbeitsagentur.de/nn_26846/Navigation/zentral/Institutionen/Traeger/Zertifizierung/Zertifizierung-Nav.html


Stellt die Volkshochschule nun einen Betriebswirtschaftler ein, welcher die Aufgabe bekommt, herauszufinden, welche einzelnen Kurse schwarze bzw. rote Zahlen schreiben, er also beginnt den betriebswirtschaftlichen Input und Output zu analysieren und Handlungsempfehlungen ausgibt und durchführt, handelt es sich um einen Controllingprozess (vergleiche hierzu die Controlling-Definition von Götz, K. 1998, S. 209)

Aus den vorhergegangen Definitionen ist zu erkennen, dass der Begriff Controlling ein Aspekt der Betriebswirtschaftlehre ist. Controlling ist auf das Erreichen von wirtschaftlichen Zielen ausgerichtet und orientiert sich an Kennzahlen.

11 Aus- und Weiterbildung zum Thema Evaluation

Eine explorative Studie vom Herbst 2000, bei der 15 Evaluationsexperten in einem Leitfadeninterview sich systematisch zum Thema Qualifizierungsmöglichkeiten äußern konnten, stellt den hohen Bildungsbedarf im Bereich der Evaluationsthemen deutlich dar. Die Experten kennen wenige Bildungsangebote. Sie erachten die Vernetzung der einzelnen Experten als sehr wichtig, viele haben sich bereits Gedanken zur Weiterbildung gemacht. Aber einen eigenen Studiengang zur Qualifikation findet keiner der Befragten wichtig, eher ein Aufbaustudium. Die Notwendigkeit einer Qualitätssicherung wird angesprochen, um zu verhindern, dass sich jeder Evaluationsfähigkeiten zuschreibt (vgl. Beywl, W. u.a. 2001 S. 35-48).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Weiterbildungsangebot in Deutschland starke Defizite aufweist. Die Deutsche Gesellschaft für Evaluation (DeGEval) [2] gründete aus diesem Grund 2001 einen Arbeitskreis zu diesem Thema, der die schwierige Aufgabe übernommen hat, erste Leitgedanken für ein Aus- und Weiterbildungsprogramm in der Evaluation zusammenzustellen (vgl. Hennen, M.; Schmidt, U. 2000, S. 31-34).


Eine Ausbildung soll sich an folgenden vier Themenschwerpunkten orientieren:

1) Technische Dimension: Entwicklung methodischer Kompetenzen

- Methoden der empirischen Sozialforschung, deskriptive und schließende Statistik und betriebswissenschaftliche Methoden.

2) Soziale Dimension

- Verständnis der Evaluation als Prozess der Mobilisierung, der hauptsächlich im Bereich der Qualitätsentwicklung an Einfluss gewinnt.

- Transformation von Wissen, Herstellung gemeinsamer Handlungsgrundlagen und Synthese unterschiedlicher Handlungsmotive spielen eine Rolle

- Rollendefinition des Evaluators im Spannungsfeld von Auftraggeber und Standards

- Fähigkeit zur Situationsdefinition

- Vermittlungsfähigkeit

Dies erfordert Kompetenzen, die der Arbeitskreis in vermittelbare und in Praktika zu fördernde Kompetenzen einteilt:

Vermittelbare Kompetenzen: Moderation, Präsentation, Gesprächsführung, Rhetorik

Zu fördernde Kompetenzen: Empathiefähigkeit, Reflexions- und Abstraktionsfähigkeit, Lern- und Kritikfähigkeit, Selbststeuerungskompetenz

3) Vermittlung von Fach- und Feldkompetenzen

- Organisationstheorie, -psychologie, -entwicklung

- Grundlagen der Politikwissenschaft

- Einführung in verwaltungs- und rechtswissenschaftliches Denken

- Wissenschaftstheoretische Grundkenntnisse

4) Kenntnis über Theorie und Geschichte der Evaluation

- Evaluationsformen

- Evaluation im internationalen Vergleich

- Wirkungen, Ergebnisse und Kosten-Nutzen-Analysen

Für aktuelle Informationen zum Stand der Aus-und Weiterbildung im Bereich der Evaluation lohnt sich ein Besuch auf der Internetseite der DeGEval[3].

12 Herausforderungen

Es gibt einige Herausforderungen an das Evaluationsverfahren und seine Durchführenden bzw. Teilnehmenden. Die Rolle des Evaluators/der Evaluatorin ist ein entscheidender Faktor (Fragen zur Ethik). Evaluation ist ein professionelles Handlungsfeld und weniger ein Tätigkeitsfeld für "so nebenbei". Insbesondere die Anfangssituation, die Zielklärung ist wesentlich. Häufig schwanken die Zielvorgaben, d.h. im Prozess werden bspw. noch weitere Ziele formuliert. Besonders schwierig wird die Situation, wenn die Beteiligten der Evaluation diese nicht akzeptieren. Ein Evaluationsprozess wird als "Schicksal" empfunden, d.h. die Evaluierten fühlen sich beobachtet und kontrolliert. Durch Einbezug der Stakeholder und damit aller an der Evaluation Beteiligten und von ihr Betroffenen, kann diesem vorgebeugt werden (siehe Punkt Evaluationsstandards). Ferner findet eine z.T. willkürliche Nutzung der Ergebnisse statt.

13 Ausblick

Die Durchführung einer Evaluation sollte nicht dem Selbstzweck dienen, sie sollte vielmehr mit dem Ziel der Veränderungen und Verbesserungen der gewonnenen Ergebnisse stattfinden. Auch wenn dies zunächst sehr einleuchtend klingt, ist die Weiterverwendung der Ergebnisse nicht die Regel. Das Projekt PAVE (ein Projekt im EU Aktionsprogramm LEONARDO DA VINCI vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie) untersucht die Evaluationspraktiken in europäischen Unternehmen. Die Befragten deutschen Unternehmen gaben zu 75,5 % keine Antwort auf die Frage, wie sie die Evaluationsergebnisse weiterverwenden. 9,7 % gaben immerhin noch an, dass sie die Ergebnisse zur Effektivitätssteigerung der Weiterbildungsmaßnahmen einsetzen. Ein Feedback an den Mitarbeiter/innen, oder die Verwahrung bei den Personalakten findet so gut wie nie statt (vgl. Oram, M. 1999 S. 34). Die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und daraus folgenden Veränderungen sind für die Zukunft eine wichtige Aufgabe (siehe auch "didaktische Funktion" von Evaluation bei Reischmann).

„Bei Beachtung und Respektierung der Grenzen der Wissenschaft und unter Verwendung von sozialwissenschaftlichen Grundlagen kann Evaluation auf vielen unterschiedlichen Einsatzgebieten einen wertvollen Beitrag leisten. Beachtet man bei der Planung und Durchführung von Evaluationsprojekten die speziellen Ziele und Bewertungskriterien der Zielgruppen und Auftraggeber, wird sich die Evaluation als gesellschaftliches Gestaltungsprinzip entwickeln" (Wottawa, H. 1998, S. 168).

Wottawa veröffentlichte diesen Zukunftsblick bereits vor 10 Jahren. Heute können wir beobachten, dass Evaluationsprojekte in vielen Bereichen angesiedelt sind. Im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung werden wir in den nächsten Jahren wahrscheinlich eine Weiterentwicklung durch den immer stärker werdenden Legitimationsdruck auf Bildungsaktivitäten beobachten können.

14 Weiterführende Links

Deutsche Gesellschaft für Evaluation: http://www.degeval.de/

Evaluation Portal: http://www.evaluation.lars-balzer.name/

ILMES Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung: http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ein_voll.htm

Joint Committee on Standards for Educational Evaluation: http://www.wmich.edu/evalctr/jc/

ZUM-Wiki: Evaluation

Glossar der Evaluation DE-en-fr: http://www.eval-wiki.org/glossar/Eval-Wiki:_Glossar_der_Evaluation

15 Literatur

Arnold, Rolf: „Von der Erfolgskontrolle zur entwicklungsorientierten Evaluierung.“ In: Münch, Joachim (Hg.): Ökonomie betrieblicher Bildungsarbeit: Qualität – Evaluierung – Finanzierung. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1996. S. 252f.

Arnold, Rolf: Weiterbildung. München: Verlag Vahlen, 1996a. S. 222-233.

Beywl, Wolfgang: "Programmevaluation in pädagogischen Praxisfeldern- begriffliche und konzeptionelle Grundlagen." In: Klaus Künzel (Hg.). Internationales Jahrbuch der Erwachsenenbildung. International Yearbook of Adult Education. Bd. 27 Köln: Böhlau 1999

Bewyl, Wolfgang; Spöth, Stefanie: "Bildungsbedarfe und - angebote in Evaluation. In: Deutsche Gesellschaft für Evaluation: Evaluation - ein Reformmotor oder Reformbremse?, Köln, 2001, S. 35-48.

Brauns, Dieter; Diensberg, Christoph: „Evaluation in der betrieblichen und beruflichen Bildung. Der Arbeitskreis der DeGEval.“ In: Deutsche Gesellschaft für Evaluation. Evaluation- Reformmotor oder Reformbremse? Köln, 2001.

Deutsche Gesellschaft für Evaluation e.V. (Hg.): "Empfehlungen für die Aus- und Weiterbildung in der Evaluation. Anforderungsprofile für Evaluatorinnen und Evaluatoren." (am 19.12.2007) Alfter: 2004. S. 5-12.

Ditton, Hartmut: "Evaluation/Qualitätssicherung" In: Krüger, Heinz-Herrmann; Grunert, Cathleen (Hg.): Wörterbuch Erziehungswissenschaft. Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich, ²2006. S. 191-196.

Faulstich, Peter: Strategien betrieblicher Weiterbildung. Kompetenz und Organisation. München: Vahlen 1998.

Götz, Klaus: In: Zur Evaluierung beruflicher Weiterbildung. Band 1: Theoretische Grundlagen, Weinheim 1998, S. 209.

Hartz, Stefanie; Meisel, Klaus: Qualitätsmanagement. Bielefeld: Bertelsmann, 2004.

Hennen, Manfred; Schmidt, Uwe: "Aus- und Weiterbildung in der Evaluation". In: Deutsche Gesellschaft für Evaluation (Hg.): Evaluation. Reformmotor oder Reformbremse?. Köln: 2000. S. 31-35.

Jagenlauf; Michael: „Erfolgskontrolle und Evaluation“. In: Grundlagen der Weiterbildung - Praxishilfen. Bd. 2 Kap. 7.90.10. Neuwied: Luchterhand, 1989.

Joint Commitee on Standards for Educational Evaluation. Sanders, J. R. (Hg.): Handbuch der Evaluationsstandards. Opladen: Leske & Budrich Verlag, 1999.

Kardorff, Ernst von: "Qualitative Evaluationsforschung". In: Flick, Uwe; Kardorff, Ernst von; Steinke, Ines (Hg.): Qualitative Forschung: Ein Handbuch. Reinbek: Rowohlt Taschenbuchverlag, 2003. S. 238-250.

Krüger, Heinz-Herrmann; Grunert, Cathleen (Hrsg.): Wörterbuch Erziehungswissenschaft. Opladen&Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich, ²2006.

Oram, Melanie: Evaluation der Weiterbildung - notwendig, aber nicht durchführbar? In: Witter, Wolfgang (Hg.): Transfersicherung in der beruflichen Weiterbildung. Frankfurt: Peter Lang, 1999. S. 17-38.

Reischmann, Jost: Weiterbildungsevaluation. Lernerfolge messbar machen. Neuwied: Luchterhand, 2003.

Reischmann, Jost: Weiterbildungsevaluation. Lernerfolge messbar machen. Neuwied: Luchterhand, ²2006.

Schäffner, Lothar: Transfersicherung in der betrieblichen Weiterbildung- Bildungsarbeit unter Legitimationsdruck, In: Arnold, Rolf; Nuissl von Rein, Ekkehard (Hg.): Grundlagen der Berufs- und Erwachsenenbildung, Band 18, Erwachsenenpädagogik VERLAG ETC.

Wesseler, Matthias: "Evaluation und Evaluationsforschung." In: Tippelt, Rudolf (Hg.): Handbuch der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Opladen: Leske + Budrich, 1999. S. 736-751.

Wottawa, Heinrich; Thierau, Heike: Lehrbuch Evaluation. Bern: Verlag Hans Huber, 1998.

Creative Commons License

Dieser Artikel ist ein Originalartikel des Wiki-Bildungslexikons und steht unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland

Meine Werkzeuge