Erzieher

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Erzieher, häufig Erzieherin, ist insbesondere die Berufsbezeichnung der Absolventen einer staatlich anerkannten Ausbildung an einer Fachschule für Sozialpädagogik, einer Fachakademie für Sozialpädagogik oder eines pädagogischen Berufskolleg. Kindergärtner ist eine veraltete Berufsbezeichnung für Erzieher, da sie nicht nur in der Arbeit mit Kindern, sondern auch in der Erziehung von Jugendlichen und der Betreuung älterer, geistig behinderter und psychisch erkrankter Menschen eingesetzt werden können. Die überwiegende Zahl der Erzieher sind Frauen.

Inhaltsverzeichnis

1 Ausbildung

Die Ausbildung in Deutschland wird von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gestaltet. Mitbedingt durch aktuelle Bildungsdiskussionen gibt es zudem auch innerhalb der Länder immer wieder Reformen und häufige Änderungen.

Die Voraussetzung ist in der Regel ein Realschul- oder ein gleichwertiger Abschluss, teilweise mit einem entsprechenden Praktikum in einem berufsrelevanten Bereich.

Die Ausbildung erfolgt - je nach Bundesland - an Fachschulen für Sozialpädagogik oder Fachschulen für Sozialwesen und ist damit eine schulische Ausbildung, die nach den Gesetzen des BAföG gefördert werden kann.

Die Dauer der Ausbildung variiert zwischen drei und fünf Jahren. In einigen Bundesländern gliedert sich die Ausbildung in ein ein- bis zweijähriges Vorpraktikum mit einem anschließenden meist zweijährigen Schulbesuch und einem abschließenden Anerkennungsjahr. Andere Bundesländer regeln die Ausbildung über eine rein schulische Ausbildung mit integrierten, länger andauernden Praktika. Für einzelne Bundesländer ist für die Aufnahme in die entsprechende Schule zwingend eine vorausgegangene Ausbildung vorgeschrieben (z. B. die zum Sozialassistenten).

Die Ausbildung kann auch berufsbegleitend erfolgen, dann in der Regel mit zwei Tagen Schule und drei Tagen Arbeit wöchentlich sowie mehreren schulischen Ausbildungsblöcken.

1.1 Inhalte

Die Inhalte der Ausbildung sind regional sehr unterschiedlich und können folgende Fächer, evt. auch in Kombination miteinander oder fächerübergreifend, beinhalten:

Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Didaktik und Methodik der sozialpädagogischen Praxis, Religionslehre bzw. Religionspädagogik, Sonderpädagogik bzw. Heilpädagogik, Kinder- und Jugendliteratur, Jugendrecht und Familienrecht, Medienpädagogik, Musikerziehung, Bewegungslehre, Rhythmik, medizinische Grundkenntnisse bzw. Gesundheitslehre, Kunst- und Werkerziehung, politisch-gesellschaftliche Aspekte sowie praktische Anleitung z. B. in Gesprächsführung oder Formen der Betreuung. In der Ausbildung erfolgt meist eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Praxisfeld bzw. eine bestimmte Klientel wie Kindergarten, Schulhort, Heimerziehung usw.

Die Ausbildung endet mit der Staatlichen Anerkennung durch die entsprechende Landesschulbehörde. Unter Umständen ist mit dem Abschluss auch der Fachhochschul- oder allgemeine Hochschulzugang möglich.

2 Berufsfelder

Berufsfelder, in denen Erzieher traditionell arbeiten, sind: Kinderkrippen, Kindergärten, Schulhorte, Integrationskindergärten und -horte, Ganztagesschulen, Behinderteneinrichtungen sowie Einrichtungen der Jugendhilfe (Heime) und Freizeiteinrichtungen. Hinzu kommen Einsatzstellen in Krankenhäusern und selten in der Altenarbeit.

Die Tätigkeitsfelder von Erziehern sind sehr vielfältig. Sie umfassen die Aufsicht, Erziehung, Bildung, Betreuung und Pflege der Klienten (in der Regel Kinder und Jugendliche), das Organisieren und Durchführen von Freizeitaktivitäten und vieles mehr. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften sowie anderen Kontaktpersonen der Klienten und Ämter (insbesondere dem Jugendamt). Die Partizipation der Kinder (die Beteiligung gemäß ihres Alters und Entwicklungsstandes) ist ebenfalls bei allen Aktivitäten zu berücksichtigen. Zudem rückt seit PISA/IGLU und den Bildungsplänen der Länder der Bildungsauftrag der jeweiligen Einrichtung weiter ins Blickfeld. Gerade im Bereich der Kindertageseinrichtungen sollen die Kinder explizit bei ihren Selbstbildungsprozessen unterstützt werden.

3 Geschichte

Erziehungseinrichtungen gehören zu den ältesten gesellschaftlichen Institutionen, z. B. in Form von Waisenhäusern. Später kamen Besserungsanstalten und Arbeitshäuser hinzu, welche in erster Linie der Verwahrung und Bestrafung dienten. In bürgerlichen Häusern wurden auch Erzieher zur Betreuung und Beschulung der Kinder beschäftigt. Mit der bürgerlichen Aufklärung wurde ein aus heutiger Sicht verklärtes Bild von Kindheit vertreten und die Einstellung, mit Erziehung aus einem Menschen praktisch alles machen zu können. Aus diesem Gedanken wurde der Kindergarten als neue Institution entwickelt.

Bis ins 20. Jahrhundert war öffentliche Erziehung oftmals so grausam, dass sie heute als Misshandlung unter Strafe gestellt würde. Mit der Reformpädagogik des späten 19. Jahrhunderts trat allmählich eine neue Blickrichtung auf: Die Erziehung sollte vom Kind aus geschehen. Später wurden antiautoritäre und demokratische Erziehungsansätze entwickelt.

Bis in die 60er Jahre wurden Erzieher fast ausschließlich in Kindergärten und -horten beschäftigt. In der Folgezeit wurde die Ausbildung mit dem Abschluss staatlich anerkannter Erzieher bundesweit eingeführt, und die möglichen Einsatzgebiete erweiterten sich wesentlich.

Von großer Bedeutung für die Ausbildung von Erziehern war die Studie zur Kompetenzentwicklung von Erziehern („Wie Schüler Erzieher werden“), die Andreas Gruschka 1985 im Rahmen des Kollegschulversuchs Nordrhein-Westfalen vorlegte: Er eruierte vier Entwicklungsaufgaben, welche die Kompetenzentwicklung und Identitätsbildung in diesem Bildungsgang ausmachen sollten.

4 Weblinks

siehe auch: Pädagogik – Erziehung – Kindergarten – Hort – Kinderkrippe – Jugendhilfe – Sokratischer Eid

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Erzieher aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Die Liste der Autoren findet sich in der Versionsgeschichte des hier vorliegenden Artikels.

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